Luftangriffe am Montag fortgesetzt
Bush: Keine Verhandlungen mit Taliban

US-Präsident George W. Bush hat am Sonntag das Angebot der Taliban abgelehnt, den Moslemextremisten Osama bin Laden in einem neutralen Drittland vor Gericht zu stellen. Bush schloss auch Gespräche mit den Taliban aus. "Es gibt nichts zu verhandeln", sagte er bei der Rückkehr von seinem Landsitz Camp David ins Weiße Haus.

vwd/afp/rtr WASHINGTON/KABUL. Die Angriffe auf Afghanistan würden nur eingestellt, wenn die Taliban die Forderungen der USA erfüllten. Bush reagierte damit auf Äußerungen des Gouverneurs von Dschalabad, Maulani Abdul Kabir. Dieser hatte die Auslieferung Bin Ladens an ein neutrales Drittland erwogen, wo ihm der Prozess gemacht werden könnte.

Damit brachten die Taliban erstmals die Möglichkeit ins Spiel, Bin Laden vor ein nicht-islamisches Gericht zu stellen. Kabir forderte dazu erneut direkte Gespräche mit den USA. "Es ist der Zeitpunkt gekommen, sich zusammenzusetzen und das Problem zu lösen", sagte Kabir am Sonntag vor ausländischen Journalisten. Bush hatte der in Afghanistan herrschenden Taliban-Miliz am Donnerstag eine "zweite Chance" für die Auslieferung Bin Ladens eingeräumt. Die USA würden ihren Militäreinsatz "überdenken", wenn die Taliban Bin Laden und seine Vertrauten auslieferten.

Nach drei nächtlichen Angriffswellen haben US-Kampfflugzeuge am Montag auch bei Tageslicht die afghanische Hauptstadt Kabul bombardiert. Reporter berichteten von einem Bombeneinschlag im Norden Kabuls. Augenzeugen erklärten, eine Rakete sei in ein von den regierenden Taliban genutztes Gästehaus eingeschlagen. Von dort aus hätten die Taliban bereits in den vergangenen Nächten auf die angreifenden US-Kampfflugzeuge gefeuert. Der britische Sender BBC meldete, bei nächtlichen Angriffen sei am Montag auch das Fernmeldeamt Kabuls zerstört worden. Aus der Luft angegriffen wurde auch wieder die südafghanische Stadt Kandahar, die als Hochburg der Taliban gilt, sowie Dschalalabad.

Nach dem Raketentreffer im Gästehaus der Taliban brächten die Kämpfer nun ihre Maschinengewehre, Raketenwerfer, Granaten und anderes Kriegsgerät in Sicherheit, teilten Augenzeugen mit. Durch den Angriff seien Fenster von angrenzenden Gebäuden zerborsten. Ein Bewohner Kabuls sagte, Splitter des Raketeneinschlags im Gästehaus der Taliban seien auf seinem Haus gelandet. Hinweise auf mögliche Opfer des Angriffs lagen zunächst nicht vor.

Bei US-Luftangriffen im Norden Afghanistans wurden nach Angaben der Taliban am Montag zwölf Menschen getötet und 32 verletzt. Kurz nach Mitternacht sei das Stadtzentrum der Provinzhauptstadt Kala-i-nau von Bomben getroffen worden, sagt ein Vertreter des Informationsministeriums in Kabul.

Nach Augenzeugenberichten wurde auch die Stadt Dschalalabad am Montagmorgen angegriffen. Es seien drei Explosionen zu hören gewesen, sagte ein Augenzeuge.

Die von Großbritannien unterstützten Luftangriffe hatten am Sonntag vergangener Woche begonnen. Die USA machen den in Afghanistan vermuteten Islamisten Osama bin Laden und seine Gruppe El Kaida für die Flugzeug-Anschläge in New York und Washington verantwortlich, bei denen vermutlich fast 5400 Menschen getötet wurden. Ein Angebot der Taliban, Bin Laden bei Vorlage von Beweisen an ein neutrales Drittland auszuliefern, hatte US-Präsident George W. Bush am Sonntag ausgeschlagen.

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