Luftangriffe auf Afghanistan halten an
Kampfflugzeuge zielen jetzt auf das Terror-Netzwerk "El Kaida"

Die Angriffe der amerikanischen Kampfflugzeuge zielen nach den Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, auf die Führer von "El Kaida", des Netzwerks von Osama bin Laden, und die Taliban-Regierung, die ihnen Unterschlupf gewährt. US-Jets griffen dabei die Hauptstadt Kabul am Donnerstag erstmals bei Tageslicht an. Auch Kandahar, die Hochburg der islamischen Fundamentalisten, war wieder das Ziel schweren Bombardements.

ap WASHINGTON/KABUL. Auf die Frage, ob der US-Geheimdienst Erkenntnisse habe, dass sich Bin Laden noch in Afghanistan aufhalte, sagte Rumsfeld, die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch. Aber auch wenn Bin Laden getötet oder gefangen genommen werde, gehe der Krieg gegen den Terrorismus weiter, weil er sich auch auf andere Gruppen in anderen Teilen der Welt erstrecke. Zur Art der eingesetzten Waffen bestätigte Rumsfeld, dass auch die im Golfkrieg 1991 entwickelten 2,25 Tonnen schweren bunkerbrechenden Bomben des Typs GBU-28 eingesetzt wurden. Alle Arten von gelenkten Waffen seien eingesetzt worden, sagte Rumsfeld.

In der Nähe des Flughafens von Kabul und im Osten der Stadt waren am Nachmittag starke Explosionen zu hören. Auch nahe der Militärakademie der Taliban und einer Artilleriegarnison waren am Abend schwere Detonationen zu hören. Kämpfer der Taliban reagierten mit Flugabwehrfeuer. Ein großer Feuerball war am Abend im Süden von Kabul zu sehen, wo ein Lager von bin Laden sein soll. Von der pakistanischen Grenze aus waren auch im Gebiet von Kandahar große Feuerbälle und Explosionen zu sehen.

Die USA haben nach eigenen Angaben in der Nacht zum Donnerstag erstmals Streubomben gegen Truppen der afghanischen Taliban eingesetzt. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, sie hätten zu den "vielen Bomben" gehört, die auf militärische Ziele der Taliban-Regierung abgeworfen worden seien.

Afghanen flüchteten mit dem Taxi oder auf Fahrrädern

Zum Zeitpunkt des nachmittäglichen Angriffs gegen 17.30 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr) waren noch viele Menschen auf den Straßen von Kabul, um Einkäufe zu erledigen. In den Wohngebieten nahe des Flughafens ergriffen sie erschrocken die Flucht. Mit dem Taxi oder auf Fahrrädern eilten sie aus dem betroffenen Stadtteil. Am Himmel über Kabul waren zwei Kampfflugzeuge zu sehen, die nördlich des Flughafens Bomben Abwarfen und dann in Richtung Süden davonflogen.

Unter Berufung auf Taliban-Kreise meldete die afghanische Nachrichtenagentur AIP am Donnerstag, innerhalb der vorausgegangenen 24 Stunden seien mehr als 140 Menschen getötet worden, darunter bis zu 100 in einem Dorf östlich von Dschalalabad. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, es gebe keine Bestätigung für Berichte, dass in einem Wohnhaus nahe einer Mautstation bei Kabul während der letzten Angriffswelle zehn Menschen getötet worden sei. In den ersten Tagen waren auch Marschflugkörper im Einsatz gewesen, um die Luftabwehr auszuschalten und Kampfbombern den Weg zu bahnen. Der Schwerpunkt der Angriffe verlagerte sich offenbar inzwischen auf die Bodentruppen der Taliban.

Während die amerikanischen Langstreckenbomber der Typen B-52 und B-1 vom britischen Inselstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean und die Kampfbomber von zwei US-Flugzeugträgern ihre Angriffe flogen, rückten in Pakistan US-Verbände in Stützpunkte ein. Ein Sprecher der pakistanischen Regierung sagte, die USA würden diese Truppen nicht bei Angriffen auf das Nachbarland einsetzen. Pakistanischen Medien berichteten, zu den Truppen in Jacobabad in der Südprovinz Sindh und in der Küstenstadt Pasni in Belutschistan gehörten Marineinfanteristen, Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber samt Personal. Pakistan bestätigte, es habe den USA die Nutzung zweier Flughäfen für Hilfs- und Rettungseinsätze gestattet.

US-Präsident Bush sprach bei einer Gedenkzeremonie vor dem Verteidigungsministerium bei Washington, wo am 11. September eines der vier entführten Passagierflugzeuge eingeschlagen war. Die Terroristen würden solange verfolgt, bis sie keine Unterschlupf mehr fänden, sagte Bush. An die Armee gewandt, fügte er hinzu: "In der Mission, vor der das Militär steht, werdet ihr alles haben, was ihr braucht - jegliche Ressourcen, jede Waffe, jedes Mittel, um einen völligen Sieg der Vereinigten Staaten und der Sache der Freiheit zu garantieren."

Unklar blieb am Donnerstag, ob und wann Bodentruppen eingesetzt werden. Der britische Premierminister Tony Blair sagte dazu auf einem Flug nach Kairo, das Thema sei derzeit zu heikel. Klar sei allerdings von Anfang an gewesen, "dass man Luftangriffe mit anderen Formen gezielter Einsätze unterfüttern muss".

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