Luftfahrt
A3XX könnte Concorde ablösen

dpa PARIS. Der Super-Airbus A3XX kommt, die Concorde geht. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich für die beiden Concorde-Betreiber Air France und British Airways die aktuelle Diskussion rund um die düster werdende Zukunft der weltweit einzigen Überschall-Verkehrsflugzeuge bringen. Ein neuer Imageträger steht bereit, ein alter vor der Ausmusterung. Sicher ist das Ende der Concorde-Ära zwar in der Tat noch nicht, wie auch Frankreichs Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot betont. "Wer auch immer sagt, es sei das Ende des Überschallfluges, wird sich täuschen", erklärte er noch am Mittwoch.

Doch der Entzug des so genannten Lufttüchtigkeits-Zeugnisses (Certificate of Airworthiness/CoA) für die insgesamt zwölf Concorde- Jets entspricht dem Entzug der Betriebserlaubnis beim Auto. Zwar kann Flugzeug wie Auto jederzeit wieder neu zugelassen werden - doch nur mit enormen finanziellen Investitionen, um es auf den aktuellen Stand von Technik und Sicherheit zu bringen. Die für die Wiederaufnahme der Concorde-Flüge entscheidende Frage wird sein, bis zu welchen Grad die Betreiber diese Kosten für einen auf maximal acht bis zehn Jahre angelegten Restbetrieb in Kauf nehmen wollen.

Bisher flog die Concorde mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen - seit rund 30 Jahren unfallfrei. Doch nach dem Unglücksflug AF4590, bei dem am 25. Juli bei Paris 113 Menschen starben, ist alles anders. "Bye bye, Concorde", titelte am Mittwoch die Zeitung "Liberation" daher schon ahnungsvoll, während alle anderen französischen Blätter noch ein Fragezeichen hinter die Überschrift zum möglichen Ende des superschnellen Vogels setzten.

Dabei klingen die von Gayssot aufgestellten Bedingungen für die Wiederaufnahme der Concorde-Flüge im Grunde einfach: Man müsste nur die Probleme bezüglich des Fahrwerks, des Schutzes der Reifen und der Tanks lösen, meint der Minister. Doch so einfach ist das nicht. Erstens stehen die Unfallermittler erst am Anfang ihrer Untersuchung, könnten also noch weitere mögliche Schwachstellen bei der Concorde entdecken. "Die Untersuchung ist noch nicht beendet", mahnte am Mittwoch die französische Flugunfall-Untersuchungsstelle BEA in einem gemeinsamen Schreiben mit ihrem britischen Gegenstück AAIB an die Luftfahrtbehörden beider Länder. Sie empfahlen das Aussetzen der Verkehrszulassung, weil nach ersten Erkenntnissen ein einziger Reifenplatzer eine zum Absturz führende Kettenreaktion ausgelöst hat.

Auch wenn man widerstandsfähigere Reifen aufziehen würde: Die Räder, die bei der Landung aus dem Stand auf Formel-1-Tempo beschleunigt werden, sind bei jedem Flugzeug ein Schwachpunkt. Platzende Reifen sind bei allen Flugzeugen nicht selten, aber auch nicht so verhängnisvoll wie bei der Concorde. Die mit Stickstoff bis zum Sechsfachen normaler Autoreifen aufgepumpten mannshohen Reifen müssen je nach Situation eine enorme Tonnenlast aushalten - wenn sie platzen, wirken die umherschleudernden Gummiteile der 90-Kilogramm schweren Reifen wie Granatsplitter.

Die Lösung, über den Reifen Deflektoren zum Ableiten der Trümmer anzubringen, erwies sich als wenig hilfreich. Und um das Fahrwerk aus der Nähe der Triebwerke zu bringen und den in Tandem-Anordnung angebrachten Antrieb neu aufzuhängen, müsste man schon fast ein neues Flugzeug entwickeln. Bei Air France, wo nach dem Verlust der Concorde F-BTSC künftig keine Kapazität mehr fürs lukrative Chartergeschäft besteht, schielt man daher bereits auf einen anderen Imageträger: den geplanten Super-Airbus A3XX. Der ist zwar dick und langsam, macht aber als Luxus-Dampfer der Lüfte Furore. Prestige mit Masse statt mit Rasse, wie es ein Beobachter auf den Punkt brachte. Oder: Viel Luxus für viele statt eleganter Jet-Speed für wenige.

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