Luftfahrtkonzern will Umsatz der Verteidigungssparte bis 2004 um die Hälfte steigern
EADS drängt mit Militärtechnik in die USA

Angesichts der Flaute in der zivilen Luftfahrt setzt EADS auf das Geschäft mit Verteidigungstechnik: Binnen zehn Jahren soll mit Militärtransportern, Kampflugzeugen und Helikoptern ein Drittel des Umsatzes erzielt werden. Beim angestrebten Ausbau des Geschäfts in den USA wird EADS einen langen Atem brauchen.

BERLIN. Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sieht Exportchancen für seinen neuen Militär-Transporter A400M über Europa hinaus. Auch Australien und Kanada kämen als potenzielle Kunden in Frage, sagte Co-Vorstandschef Rainer Hertrich auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin. Angesichts der Flaute in der zivilen Luftfahrt muss der europäische Konzern in den nächsten Jahren verstärkt auf das Militärgeschäft hoffen, dass nach den Terroranschlägen des 11. September in den wichtigsten Märkten der Welt an Bedeutung gewinnt.

EADS will im Militärgeschäft den Umsatz bis zum Jahr 2004 von 6 Mrd. Euro um mindestens die Hälfte auf 9 Mrd. Euro steigern. "Unser Ziel muss es sein, den Umsatzanteil der Verteidigungssparte auf 30 % zu erhöhen, um unsere Abhängigkeit von Airbus zu verringern. Das geht nicht von heute auf morgen", betonte Hertrich und sprach von einem "Zehn-Jahres-Ziel".

Mit der endgültigen Entscheidung zum Bau des militärischen Transportflugzeugs A400M würde EADS diesem Ziel einen Schritt näher kommen. Allein der Auftrag der europäischen Regierungen über die Erstbestellung von 196 Transportern hat einen Wert von 18 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand aus dem Militärgeschäft würde sich damit auf einen Schlag verdoppeln.

Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter, an dessen Programm EADS 43 % hält, sowie die Hubschrauber NH 90 der EADS-Tochter Eurocopter sollen das Orderbuch in der Militärsparte weiter füllen.

Bei Verteidigungsprogrammen in den USA will der europäische Konzern künftig ebenfalls stärker zum Zug kommen. Das Raketenabwehrprogramm MEADS (Medium Extended Air Defense System) sei das erste System überhaupt, in dem auf beiden Seiten des Atlantiks voller Technologieaustausch vereinbart worden sei, sagte Hertrich.

Eine stärkere Präsenz in den USA werde allerdings noch viel Zeit und Energie erfordern. Bisher erwirtschaftet das Unternehmen im wichtigsten Militärmarkt USA gerade mal eine halbe Milliarde Euro - bei einem Gesamtumsatz 2001 von 30,8 Mrd. Euro.

Für 2002 erwartet Philippe Camus, der gemeinsam mit Hertrich an der Spitze der EADS steht, dass der Umsatz annähernd den Vorjahreswert erreicht. "Vielleicht könnten wir am Ende ein bis zwei Prozent darunter liegen", sagte Camus. Hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für den neuen Riesen-Airbus A380 werden allerdings den Nettogewinn 2001 in Höhe von 1,37 Mrd. Euro in diesem Jahr vollständig aufzehren. Trotz dieser Belastungen und des schwachen Branchenumfelds in der Zivilluftfahrt bleibe EADS noch "finanzieller Spielraum für Akquisitionen", sagte Camus.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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