Luftfahrtpolicen kaum mehr bezahlbar
Staatsgarantien verschaffen nur eine Atempause

Mit den Luftfahrtpolicen hat das Chaos im aktuellen Versicherungsstreit begonnen. Weil die Terroristen bei ihren Anschlägen in den USA erstmals Flugzeuge als Waffen missbrauchten, kündigten die Versicherer prompt ihre Airline-Verträge für so genannte Drittschäden aus Krieg und Terror. "Man konnte mit allem rechnen - außer, dass Flugzeuge gezielt als Waffen eingesetzt werden. Dieses Risiko ist nicht kalkulierbar", damit begründet Bernd Michaels, Präsident des Versicherer-Verbandes GDV, den Rückzug seiner Branche.

ebe DÜSSELDORF. Die Fluggesellschaften - wegen krasser Geschäftseinbrüche ohnehin die Hauptleidenden der USA-Katastrophe - stecken nun erst recht im Dilemma, denn ohne ausreichenden Versicherungsschutz darf kein Flugzeug vom Boden abheben. Zwar sind inzwischen weltweit die Regierungen mit staatlichen Garantien eingesprungen, doch damit ist das Problem nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Immerhin verschafft die Ein-Monats-Garantie den Verhandlungspartnern Luft, um das Problem aushandeln zu können. Seit heute, null Uhr, führt jedes deutsche Flugzeug eine Urkunde an Bord - mit dem Hinweis einer Staatsgarantie. "Das Wichtigste für die Passagiere ist: Die Maschinen sind weiter versichert", sagte ein Sprecher des Lufthansa-Konzerns gestern.

Der Deutsche Luftpool, ein von der Allianz gemanagter Zusammenschluss von Versicherern, will die bisher angebotene Deckungssumme offenbar um 100 auf 150 Mill. Dollar aufstocken. Die Konditionen wollen die Airlines so allerdings nicht akzeptieren, es müsse nachverhandelt werden, heißt es. Das gilt erst recht für ein Angebot des Londoner Versicherungsmarktes über 1 Mrd. Dollar. "Die verlangen für den Einschluss von Terrorschäden das Vier- bis Fünffache der normalen Grundprämie", empört sich Lufthansa-Versicherungschef Ralf Oelßner.

"Das Problem wird sich noch eine ganze Weile hinziehen", glaubt ein Luftfahrt-Analyst. Denn gerade Fluggesellschaften, die nach dem USA-Desaster ohnehin finanziell auf der Kippe stünden, könnten derartige Preiserhöhungen nicht mehr verkraften.

Während in Europa noch gestritten wird, investieren die Amerikaner bereits fleißig in Sicherheitsmaßnahmen. Die US-Regierung wird 500 Mill. Dollar (1,06 Mrd. DM) für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in Cockpits bereitstellen. Wie das US-Präsidialamt gestern in Washington mitteilte, soll das Geld vom 1. Oktober an zur Verfügung stehen. Es solle in Umbauten investiert werden, damit Eindringlinge nicht mehr in die Flugkanzel gelangen könnten oder ihnen der Zugang erschwert werde. US-Präsident George W. Bush werde sich in Zusammenarbeit mit dem Kongress darum bemühen, der US-Bundesregierung die Zuständigkeit für die Sicherheit der US-Flughäfen zu übertragen.

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