Luftfahrttagung
Mehr Angst vor der Abfertigung als vor dem Flug

Die Luft ist dünn geworden für die Airlines in aller Welt. Fast neun Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September ist die internationale Luftfahrtbranche auf der Suche nach einer Balance zwischen den Kosten und der Wirksamkeit erhöhter Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Terrorangriffen.

dpa SHANGHAI. "Reden wir über Kosten, werfen uns Kritiker vor, einen Preis für die Sicherheit von Menschen zu nennen. Reden wir über verstärkte Sicherheitsvorkehrungen, fragen die Kritiker, wer das bezahlen soll", beschreibt der Vorstandschef von Air Canada, Robert Milton, das Dilemma.

Erstmals nach dem 11. September trifft sich die Internationale Luftfahrtvereinigung (IATA) in der chinesischen Metropole Schanghai zu ihrer Jahrestagung. Dass die Branche auch als Folge des Terrors in den USA 2001 einen Rekordverlust von 12 Milliarden US-Dollar gemacht hat und in diesem Jahr das Minus gerade einmal auf die Hälfte zu reduzieren hofft, gerät dabei fast in den Hintergrund.

"Kunden nicht schikanieren"

Der schmale Grat, auf dem die Industrie beim Thema Sicherheit wandelt, dominiert viele Diskussionen. Mit hektischem Tun würde nur zu viel Geld ausgegeben, meint Jürgen Weber, Vorstandschef der Deutschen Lufthansa. Natürlich müsse rund um die Welt der höchste technische Stand der Sicherheit erreicht werden. "Wir müssen aber aufpassen, dass nicht eine Region durchdreht und alle mitmachen müssen - die USA sind auf dem besten Weg dazu", warnt Weber. Die Fluglinien dürften ihre Kunden nicht "schikanieren".

Dass in den Vereinigten Staaten in der Ohnmacht und Trauer nach dem 11. September Fehler gemacht worden sind, sieht auch William Gaillard, Experte für Sicherheit bei der IATA. "In den USA haben die Leute heute keine Angst vorm Fliegen, sondern Furcht vor dem ganzen Aufwand zuvor", meint er. Zwei Stunden Abfertigungszeit auch für einen Kurzstreckenflug sei ein Problem, unterschiedliche Forderungen beim Sicherheitscheck ein anderes. Manchmal müssten die Fluggäste ihre Schuhe ausziehen, manchmal nicht. "Das hängt nur davon ab, was der Dienst habende Beamte gerade will", sagt Gaillard.

In Europa vernünftiger

Europas Luftfahrt sieht der IATA-Fachmann in dieser Hinsicht schon ein Stück voraus. Die Bombenanschlag auf die PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie von 1988, der 270 Todesopfer forderte, habe in Europa bereits vor Jahren einen Lernprozess ausgelöst. "Da sind die Dinge vernünftiger", meint Gaillard.

Mit modernster Technologie will die Luftfahrtbranche nun rund um den Globus für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgen, gleichzeitig aber auch dem Passagier jeglichen Komfort garantieren. Der Schlüssel dazu ist für die IATA die Biometrie, das Erfassen von Fingerabdrücken, Augen oder Gesichtsformen per Computer. Durch die Kontrolle dieser Angaben, die bereits im Reisepass der Fluggäste und in zentralen Datenbanken von Behörden gespeichert sein könnten, ließe sich etwa verhindern, dass Terroristen an Bord gingen.

Sollten die Regierungen aller beteiligten Länder zustimmen und die Biometrie als Mittel der Sicherheitskontrolle erst einmal eingeführt werden, könnten Reisende nach Meinung der IATA das Fliegen wieder richtig genießen. Denn für die 99 Prozent der Passagiere, die völlig unverdächtig seien, fielen stundenlange Wartezeiten und komplizierte Sicherheitstests weg. "Die 85-jährige im Rollstuhl müsste nicht mehr aufwendig überprüft werden", meint Gaillard.

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