Luftfahrtverbund „Skyteam“ formiert sich neu
Airline-Pakt will Star Alliance überflügeln

Die Not leidenden US-Fluggesellschaften Delta, Continental und Northwest suchen ihr Heil in einem neu zugeschnittenen Bündnis. Mit von der Partie sind in Europa Air France und KLM.

HB ATLANTA. Der Luftfahrtverbund "Skyteam" um Air France und Delta Air Lines könnte bald die "Star Alliance" mit der Deutschen Lufthansa als weltgrößte Flugallianz am Himmel ablösen. Immer deutlicher zeichnet sich eine Partnerschaft zwischen Air France und der niederländischen Fluggesellschaft KLM ab, die als Vorstufe für ein großes Bündnis mit den US-Gesellschaften Delta, Continental und Northwest gesehen wird. Die drei US-Fluglinien hatten Ende August zunächst eine Partnerschaft für ihren defizitären Inlandsverkehr vereinbart, dabei aber angekündigt, im nächsten Schritt auch internationale Partner einbinden zu wollen.

KLM, die seit Jahren Anschluss an ein großes Bündnis sucht, ist bisher nur mit Northwest Airlines in der kleineren Flugallianz "Wings" verbunden. Air-France-Vorstand Pierre-Henri Gourgeon bestätigte auf einer Skyteam-Konferenz in Atlanta intensive Verhandlungen mit KLM. Eine baldige strategische Allianz sei "mehr als nur eine Idee", sagte Gourgeon. Zunächst erwarte Air France zwar noch "regulatorische Hürden"?. Doch danach könne die Partnerschaft schon im nächsten Jahr perfekt sein. Manager von Delta Air Lines und Air France zeigten während der Konferenz bereits Grafiken, die das große Bündnis mehr als nur andeuten.

Gemeinsame Sache: KLM - und Air-France

Luftfahrtexperten erwarten, dass KLM - und Air-France-Passagiere schon bald gemeinsam in einem Flugzeug sitzen (Code-Sharing) und die beiden bisherigen Konkurrenten künftig ihre Flugpläne aufeinander abstimmen. "Der Eintritt von KLM in die globale Skyteam-Allianz ist erst der zweite Schritt", sagte Hypo-Vereinsbank-Analyst Uwe Weinreich. Der allerdings gilt in der Branche als logische Konsequenz: "Ein vergrößertes Skyteam wäre eine starke Kraft vor allem im US-Markt", sagte Weinreich. Keine andere Allianz verfüge im wichtigsten Markt der Welt über ein derart engmaschiges Netz mit großen Drehkreuzen (Hubs), die quer über das ganze Land verteilt sind.

Bisher hat das im Jahr 2000 gegründete Skyteam sechs Partner - neben Delta und Air France noch Alitalia, Aeromexico, Korean Airlines und CSA Czech Airlines. Den aktuellen Marktanteil sieht die Skyteam-Allianz bei 12 %. Mit den neuen Mitgliedern KLM, Northwest und Continental Airlines könnte das Bündnis aber zur Star Alliance um Lufthansa und United Airlines (Marktanteil rund 25 %) aufschließen. Die "Oneworld"-Allianz, deren Kern British Airways und die weltgrößte Fluglinie American Airlines bilden, kommt auf 17 % Marktanteil.

"Wir wollen weiter wachsen, haben aber keine Ambitionen, eine UN der Lüfte zu werden", sagte Delta-Vorstand Fred Reid. In erster Linie geht es den Allianzen darum, ihren Passagieren ein enges und möglichst Welt umspannendes Streckennetz anzubieten. Die Partner-Airlines fliegen jeder für sich Passagiere zu den großen Flughäfen, dort steigen die Kunden auf Langstreckenjets um und werden von den Allianzführern wie Lufthansa oder Air France in die weite Welt befördert. Das gemeinsame Füllen von Flugzeugen schafft erhebliche Synergien und wirkt sich positiv auf Umsatz und Ergebnis aus. Lufthansa hat den Ergebnisbeitrag aus der Star Alliance im vergangenen Jahr mit rund 250 Mill. Euro angegeben.

Jeder eingesparte Dollar willkommen

Was den am Boden liegenden US-Flugmarkt anbetrifft, ist jeder eingesparte Dollar den Airlines willkommen. Der Luftverkehr über dem Nordatlantik liegt auch ein Jahr nach den Terroranschlägen des 11. September noch mit 10 bis 12 % im Minus, das anhaltende Umsatzminus beziffert Delta Airlines gar auf 18 bis 20 %. Das liegt am Sinkflug der Preise, die laut Delta-Vorstand Reid "auf das Niveau von vor 15 Jahren zurückgefallen sind". Vor allem das Kaufverhalten der Business-Passagiere habe sich entscheidend verändert. So hat US Airways bereits Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts angemeldet, der Lufthansa-Partner United Airlines steht vor dem gleichen Schritt, sollte er sich mit seinem Personal nicht bald auf einschneidende Konzessionen einigen.

Neue Allianzen sollen die scharfe Krise wenigstens abfedern. Doch die Wettbewerbshüter in Europa und den USA müssen das Dreierbündnis zwischen Delta, Northwest und Continental und die Partnerschaft Air France/KLM erst noch absegnen. Zumindest die Zustimmung der US-Verkehrsbehörden dürfte an weit reichende Auflagen gebunden sein, da sich die Streckennetze der drei US-Carrier erheblich überschneiden. Die Genehmigung des Ministeriums soll bis Anfang Dezember vorliegen.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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