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Lufthansa dürfte von Verkehrserholung Auftrieb erhalten

vwd FRANKFURT. Nachdem sich die Luftfahrtindustrie nach jahrelanger Krise in diesem Jahr deutlich erholt hat, gehen Branchenkenner für 2005 von einer Fortsetzung dieses Trends aus. Davon dürfte die Lufthansa mit ihrer breiten Aufstellung sowie ihrer relativ geringen Abhängigkeit von den Treibstoffpreisen besonders profitieren. Allerdings muss die Kranich-Linie im kommenden Jahr noch einige Baustellen in Ordnung bringen. Ganz oben auf der Aufräumliste steht die Sanierung der Catering-Sparte. Auch mögliche weitere Auswirkungen der Beben-Katastrophe in Asien bleiben abzuwarten.

Laut Mario Kristl, Analyst bei HelabaTrust, wird der Kerosinpreis der größte Belastungsfaktor für den Gewinn 2005 sein, auch wenn die Lufthansa ihre Sicherung gegen Preisschwankungen mehr als alle anderen großen Airlines im Griff habe. Bislang rechnet das Unternehmen für 2005 mit um 20 Prozent bzw rund 400 Mio Euro höheren Treibstoffkosten. HypoVereinsbank-Analyst Uwe Weinreich gibt zu bedenken, dass 40 Prozent dieser Mehrkosten durch den erhobenen Treibstoffaufschlag abgefedert seien. Zudem hat sich der Ölpreis zuletzt signifikant ermäßigt. Deshalb prognostiziert Kristl eine ölpreisbedingte Ergebnisbelastung von "lediglich" rund 200 Mio Euro.

Über 5 Prozent Einsparungen bei Personalkosten erwartet

Kurzfristig dürfte oberstes Ziel des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber sein, die schon über ein Jahr dauernden Tarifverhandlungen endlich zu einem aus Unternehmenssicht befriedigenden Abschluss zu bringen. Denn erst dann kann er genauer planen, in welchen Bereichen die kommenden Jahre wieviel investiert wird. Nachdem die als am schwierigsten geltenden Verhandlungen mit den 4.400 Piloten in dieser Woche abgeschlossen wurden, dürfte eine Einigung mit den rund 14.000 Flugbegleitern und den rund 16.500 Mitarbeitern noch vor Jahresende wahrscheinlich sein, glaubt Weinreich.

Er rechnet für 2005 mit einem um 245 Mio Euro bzw über 5 Prozent sinkenden Personalaufwand, sofern das geplante moderate Wachstum in der Passage eintrete. Damit sollte das avisierte Sparziel im Personalbereich von 300 Mio Euro bis 2006 zu schaffen sein. Kristl würde es aber nicht überraschen, wenn diese Vorgabe nicht ganz erreicht würde: "Ein Schnaps weniger wäre auch kein Beinbruch." Laut Aktionsplan will Mayrhuber bis 2006 einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag von 1,2 Mrd Euro generieren.

Catering-Sparte leidet unter sinkendem Marktvolumen

Dass der vor Jahresfrist angekündigte Umbau der Verpflegungstochter LSG Sky Chefs langsamer als geplant vorankommt, resultiert Kristl zufolge aus dem schrumpfenden Markt. Die Sparte leidet u.a. unter dem aus den USA kommenden Trend, auf Kurz-und Mittelstrecken kein Essen mehr anzubieten. Zwar wurde der Verlust in den ersten neun Monaten 2004 um 55 Prozent verringert, liegt aber immer noch bei rund 130 Mio Euro. Die Sanierung des größten Sorgenkinds im Konzern könnte Branchenkennern zufolge dem Ziel dienen, es zu veräußern. Schließlich habe Mayrhuber angedeutet, dass die LSG nicht mehr zum Kerngeschäft gehöre.

Weinreich hält einen Verkauf bis zum Ende der Restrukturierung 2006 für ausgeschlossen, kann sich aber Abgaben von Teilbereichen vorstellen. Auch für Kristl ist ein Verkauf des Caterers im kommenden Jahr keine realistische Option. Dann wäre das Konzept des integrierten Luftfahrtkonzerns in Frage gestellt, und das Unternehmen müsste sich konsequenterweise auch von seinem Thomas-Cook-Anteil trennen, sagte er. Eher sei vorstellbar, dass die Lufthansa mit KarstadtQuelle über einen Erwerb von deren - derzeit verpfändeten - 50 Prozent-Anteil an Thomas Cook spricht. Eine Übernahme wäre mit einem derzeitigen Kassenbestand von 4,4 Mrd Euro problemlos möglich.

Auf der Agenda im kommenden Jahr könnte auch eine Wiederannäherung an die schweizerische Fluglinie Swiss stehen, nachdem eine erste Gesprächsrunde 2003 gescheitert war. Zumindest wäre die Lufthansa erster Ansprechpartner, wenn sich die Politik in der Schweiz klar dazu äußern würde, dass sie die Swiss um jeden Preis retten wolle, glaubt Kristl. Ein Kauf hätte für die Lufthansa Sinn, da die Swiss einen höheren Anteil an Geschäftsreisenden habe und sich beide im Langstreckenbereich relativ gut ergänzen würden. Zudem würde damit das Drehkreuz München, das die Lufthansa als zweiten Hub positioniert habe, zu Lasten des Züricher Flughafens gestärkt.

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