‚Lufthansa-Familie‘ soll den Konzern flexibel halten
Lufthansa: Familie an Bord

Die Deutsche Lufthansa meistert die Krise bisher, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Stattdessen hat sie mit befristeter Kurzarbeit, Gehaltsverzicht und verschobenen Vergütungsrunden die Kosten gesenkt. Auch in Zukunft will der Konzern flexibel bleiben. Die Belegschaft soll diese Entwicklung als Teil der ?Lufthansa-Familie? tragen.

KÖLN. Jürgen Weber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, präsentierte sich auf der Hauptversammlung in Köln am Mittwoch verhalten optimistisch: Man werde 2002 mit rund 400 Millionen Euro in die operative Gewinnzone fliegen. Analysten attestieren dem Konzernchef ein gutes Krisenmanagement.

Das Lob kann auch Stefan Lauer, Vorstand Human Resources der Lufthansa, für seinen Bereich beanspruchen: Trotz der Konjunkturkrise und der Terrorangriffe vom 11. September hat das Unternehmen keine Mitarbeiter entlassen. Mit Hilfe von befristeter Kurzarbeit, Gehaltsverzicht, verschobenen Vergütungsrunden senkte der Konzern seit November die Kosten dennoch um rund 210 Millionen Euro. Ein harter Brocken für die Belegschaft, den viele nur deswegen schluckten, weil auch die Vorstandsmitglieder Gehaltseinbußen akzeptierten.

Zeichen wie diese sind in Krisenzeiten wichtiger denn je. "Viele hatten das Gefühl, das sei ein fairer Akt gewesen, der den Zusammenhalt deutlich machte", sagt Jens Steinhagen, der 1984 bei der Lufthansa einstieg und derzeit in der Finanzabteilung arbeitet. "Wenn die Belegschaft das Gefühl hat, das Management geht bei seinen Entscheidungen mit gutem Beispiel voran, dann ist sie auch eher bereit, unangenehme Maßnahmen zu akzeptieren", sagt Dominik von Winterfeldt, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Boyden International GmbH.

Zwar hätte Lufthansa Mitarbeiter entlassen können, wie das andere Fluggesellschaften getan haben. Doch müsste der Konzern spätestens jetzt wieder Personal rekrutieren, um auf den anziehenden Markt reagieren zu können.

Um schnell auf Krisen reagieren zu können werden Personalmanagement und Betriebsklima künftig immer abhängiger voneinander. Das machte jüngst Personalvorstand Lauer während eines Vortrages beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Personalführung deutlich. Um zum Erfolg des Unternehmens beitragen zu können, müsse er die Arbeitszeit und die Vergütung flexibilisieren. Im gleichen Atemzug nannte er auch die Unternehmenskultur als entscheidenden Faktor. "Wir betrachten das Unternehmen Lufthansa als ?Familie? und daran halten wir auch in Krisenzeiten fest."

"We are family"

Ganz so fröhlich wie in dem Klassiker "We are family" von Sister Sledge sind die Zustände bei Lufthansa allerdings nicht: Die Personalmaßnahmen vom vergangenen Dezember kamen auch unter der Drohung des Vorstandes zustande, ansonsten Mitarbeiter entlassen zu müssen. Mittlerweile protestierte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) angesichts der sich entspannenden Situation gegen Teile der Abmachung vom Dezember. Die Gehaltsvereinbarungen des vergangenen Jahres, die rund 28 Prozent Plus für die Piloten und 3,5 Prozent für Boden- und Kabinenpersonal ergeben hatten, haben laut Lauer "für einen Riss im Unternehmen gesorgt".

Klar ist auch, dass Loyalität zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht auf reinem Gutmenschentum beruht. "Viele bleiben angesichts der schlechten Konjunktur aus Sicherheitsgründen bei ihrem Unternehmen", sagt von Winterfeldt.

Lauer bestreitet auch nicht, dass der Familiengedanke ein zum Teil idealistischer ist. "Familie ist nichts statisches. Es kommt darauf an, wie ehrlich man mit dieser Philosophie umgeht". Und: "Man braucht eine starke Unternehmensidentität dafür."

Um die zu erreichen, hat sich Lufthahansa, wie viele andere Unternehmen, Schlagworte wie "Work-Life-Integration", "good corporate citizen" und "Soziale Verantwortung" auf das Familienwappen gestickt. Auch die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen will Lauer zukünftig verbessern.

Jens Steinhagen sieht jedoch vor allem einen entscheidenden Grund für die zum Teil hohe Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Konzern: Das ist der Vorstandschef Jürgen Weber. "Wenn man Lufthansa als Familie bezeichnet, würde ich ihn als Vater des Konzerns sehen". Weber gebe sich bescheiden, solide und sei ein Mann, den die Mitarbeiter regelmäßig in der Kantine treffen und sprechen könnten. "Er hat es außerdem schon 1991-93 geschafft, Lufthansa aus der Krise zu holen."

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