Lufthansa führt Verlierer-Liste an
Sorgen über US-Wirtschaft belasten Dax

Durch Äußerungen von US-Notenbankpräsdent Alan Greenspan und neue Konjunkturdaten genährte Sorgen über die wirtschaftliche Abkühlung in den USA haben den Deutschen Aktienindex (Dax) am Freitag Händlern zufolge bei geringen Umsätzen unter Druck gesetzt.

Reuters FRANKFURT. Vor allem konjunkturabhängige Titel wie die der Lufthansa würden gemieden, sagten Marktteilnehmer. Allerdings werde die Aktie der Fluggesellschaft auch von dem weiter bestehenden Tarifkonflikt mit den Piloten belastet. Daneben gehörten Bankentitel und die Aktien des Versorgers Eon zu den Verlierern. Mit 6 218 Punkten notierte der Dax am Nachmittag rund ein Prozent unter seinem Vortagesschluss. Am Neuen Markt gab der Nemax-All-Share-Index um 0,7 Prozent auf 1 889 Zähler nach.

US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte am Donnerstagabend (Ortszeit) erneut vor einer weiteren Abschwächung der US-Konjunktur gewarnt. Nach den Worten des Fed-Chefs könnte sich das Wirtschaftswachstum in den USA stärker abschwächen als bisher angenommen. Dies könne weitere geldpolitische Schritte nötig machen. Der Notenbank-Chef äußerte jedoch zugleich die Einschätzung, dass die bisherigen Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr bis zum Jahresende die Wirtschaft beträchtlich unterstützen dürften.

Die am Nachmittag vom US-Handelsministerium veröffentlichten Wirtschaftsdaten zeigten, dass die US-Konjunktur im ersten Quartal deutlich langsamer gewachsen war als ursprünglich angenommen. Demnach legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Berichtszeitraum zum Vorjahr real um lediglich 1,3 Prozent statt der ursprünglich geschätzten 2,0 Prozent zu. Der Auftragseingang für langlebige Güter fiel nach Angaben des US-Handelsministeriums im April um fünf Prozent, nachdem er im März noch ein Plus von revidiert 2,2 Prozent verbucht hatte.

"Hier stellt sich jetzt die Frage: Handelt es sich um eine Stagnation oder kommt es wirklich zu einer Rezession?", sagte Oliver Hauer, Aktienhändler bei M.M. Warburg. Angesichts dieser Bedenken hielten sich viele Anleger derzeit mit Engagements zurück, was sich in den dünnen Umsätzen widerspiegelte, fügte der Experte hinzu. Zudem hielten sich Anleger auf Grund der am Montag in den USA und in Großbritannien anstehenden Feiertage mit Engagements zurück.

Am deutschen Aktienmarkt führten die Titel der Lufthansa die Liste der Verlierer mit einem Minus von rund 3,3 Prozent 21,92 Euro an. Händler sagten, Investoren warteten auf Neuigkeiten über das Schlichtungsverfahren im Tarifstreit mit den Piloten, zudem belasteten chart-technische Faktoren das Papier. Mit einem Abschlag von rund drei Prozent auf 57,83 Euro folgten die Aktien von Eon, was Händler auf Gewinnmitnahmen zurückführten, nachdem die Titel am Vortag im Sog einer Empfehlung einer Investmentbank deutlich zugelegt hatten.

Die Finanzwerte im Dax präsentierten sich ebenfalls schwach.Christian Schmidt von der Hessischen Landesbank sagte, schwindende Hoffnungen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank belasteten die Titel. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der belgischen Tageszeitung "L'Echo" gesagt, das Niveau der Leitzinsen in der Euro-Zone sei derzeit angemessen.

Die Titel der Deutschen Bank sowie die der Hypovereinsbank gaben um jeweils 2,5 Prozent nach. Die Aktien der Commerzbank fielen um 1,5 Prozent auf 31,39 Euro. Auf der Hauptversammlung in Frankfurt hatte die Investoren-Gruppe Cobra zuvor die Rücknahme ihres Misstrauensantrags gegen den Commerzbank-Vorstand bestätigt.

Am Neuen Markt fielen die Titel der von der Insolvenz bedrohten Teldafax AG auf ein neues Rekordtief von 0,30 Euro. Zuvor hatte das Landgericht Köln die einstweilige Verfügung von Teldafax gegen die Deutsche Telekom zur Netzmitbenutzung aufgehoben. Daraufhin sagte der Insolvenzverwalter von Teldafax, Bernd Reuss, er sehe für das Marburger Unternehmen keine Sanierungsmöglichkeiten mehr.

Die US-Börsen wurden Händlern zufolge ebenfalls von Befürchtungen über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur belastet. Rund zwei Stunden nach Auftakt gab die Nasdaq um 1,5 Prozent, der Dow-Jones-Index gab um rund ein Prozent nach.

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