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Lufthansa knüpft Gewinn-Prognose auch an Kompromiss mit Piloten

Die Deutsche Lufthansa hält an ihrer Prognose eines konstanten Betriebsgewinns für 2001 fest, macht dies aber auch von einem vernünftigen Kompromiss im Tarifstreit mit ihren Piloten abhängig.

Reuters FRANKFURT. Neben der schwächeren Konjunktur erschwere der Tarifkonflikt derzeit eine zuverlässige Ertragsprognose, teilte der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mit. "Vorbehaltlich einer vernünftigen Einigung mit dem Tarifpartner in vertretbarer Zeit halten wir dennoch an unserem ambitionierten Ziel fest, ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau zu erreichen", hieß es. Zugleich bestätigte die Lufthansa die im April veröffentlichten vorläufigen Geschäftszahlen für das erste Quartal, wonach der operative Gewinn vor allem durch gestiegene Treibstoffkosten auf fünf (Vorjahr 99) Millionen Euro eingebrochen ist.

Im Geschäftsjahr 2000 hatte die Lufthansa bei einem Umsatz von 15,2 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von gut einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Derzeit wird die Lufthansa von Kosten durch Streiks ihrer Piloten belastet, die am Donnerstag zum zweiten Mal binnen acht Tagen einen ganztägigen Ausstand begannen. Nach früheren Angaben aus Firmenkreisen kostet ein ganztägiger Streik die Fluggesellschaft schätzungsweise 25 Millionen Euro.

In ihrem Zwischenbericht für das erste Quartal teilte die Lufthansa weiter mit, nach Steuern sei ein Verlust von 94 Millionen Euro nach einem Gewinn von fünf Millionen Euro im Vorjahr angefallen. Ursache sei vor allem ein mit 120 Millionen Euro negatives Finanzergebnis (Vorjahr minus 87 Millionen Euro) gewesen, das durch schlechtere Beteiligungsergebnisse entstanden sei. Der Umsatz der Lufthansa nahm dagegen im ersten Quartal um 15,1 Prozent auf 3,632 Milliarden Euro zu. Im Passagier-Bereich wuchs der Sitzladefaktor - also die Auslastung - um 0,9 Prozentpunkte auf 70,3 Prozent, während die Auslastung der Frachttochter Lufthansa Cargo auf 68,4 (69,3) Prozent sank.

Insgesamt sei durch höhere Treibstoffpreise ein Mehraufwand von 121 Millionen Euro entstanden, hieß es weiter. Außerdem hätten Währungseffekte durch den starken Dollar-Kurs beim Materialaufwand und Kosten für die Vorbereitung von Internet- und Einsparprojekten den Ertrag gedrückt. Der operative Cash Flow als Indikator für die Finanzstärke des Konzerns sank im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent auf 763 Millionen Euro. Die Investitionen wuchsen um 41,9 Prozent auf 745 Millionen Euro.

An der Börse legte der Kurs der Lufthansa-Aktie bis zum Mittag um drei Prozent auf 22,68 Euro zu. Das Börsenbarometer Dax lag zum gleichen Zeitpunkt mit 0,9 Prozent im Plus. Boris Böhm, Fondsmanager bei Nordinvest in Hamburg, sagte, der Ausblick der Lufthansa für 2001 sei positiv gewesen. "Aber ich denke, es wird sehr schwer werden, die Prognosen zu erfüllen, wenn das Quartalsergebnis wirklich so schlecht sein sollte", ergänzte er.

Händler sagten, der Markt gehe davon aus, dass bei dem Quartalsergebnis "Bilanzpolitik" angewendet worden sei. "Dadurch hat man sich eine bessere Position in den Tarifverhandlungen verschafft", sagte Martin Siegel, Aktienhändler bei Sal. Oppenheim. Die Lufthansa sei ein ertragsstarkes Unternehmen, dem der Markt recht positiv gegenüberstehe. "Der Markt geht wahrscheinlich davon aus, dass die Zahlen eigentlich viel besser sind als mitgeteilt wurde."

Zudem erhalte die Aktie Auftrieb von den Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Tarifauseinandersetzung mit den Piloten, sagte ein anderer Händler. "Man geht davon aus, dass man sich bald in der Mitte treffen wird", sagte er. Negative Nachrichten wie der Streik der Piloten seien bereits durch die Kursverluste seit Beginn des Tarifkonflikts verarbeitet worden. Händlern zufolge belaufen sich die Streikkosten mittlerweile auf 200 Millionen Euro. In Firmenkreisen waren die Kosten für einen eintägigen Streik zuletzt auf etwa 25 Millionen Euro beziffert worden.

Vor zwei Wochen hatten die Piloten erstmals zwölf Stunden gestreikt. In der vergangenen Woche hatte die Flugzeugführer ihre Arbeit dann für einen ganzen Tag niedergelegt. Am Donnerstag setzten die Piloten ihre Proteste dann mit einem nochmals ganztägigen Streik fort.

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