Lufthansa meldet einstellige Buchungsrückgänge – Nachfrage in den USA geht dagegen drastisch zurück
Irak-Krieg belastet die Luftfahrt massiv

Eine Woche nach dem Beginn des Golf-Krieges hat der Konflikt tiefe Spuren bei Luftfahrt und Touristik hinterlassen. Teilweise drastisch brechen die Buchungen ein. Vor allem die US-Airlines bekommen den Krieg zu spüren.

hz FRANKFURT/M. Drohende Kündigungen beim Reisekonzern Tui, Milliardenverluste der Fluggesellschaften, Stornierungen im Hotelgeschäft: Die Luftfahrt- und Touristikindustrie steht eine Woche nach dem Beginn des Krieges im Irak massiv unter Druck. Weltweit muss die Branche Einbrüche bei den Buchungen verkraften. Die Manager reagieren mit neuen Kapazitätskürzungen, Investitionsstopps und vielfach Stellenstreichungen.

In der ersten Woche des Irak-Krieges wurden nach Angaben des Dachverbandes der US-Airlines, der Air Transport Association (ATA), in der Luftfahrt-Industrie mehr als 10 000 Stellen gestrichen. Weitere Tausende von Stellen seien angesichts der Auswirkungen des Krieges in Gefahr. Vorerst setzen viele Unternehmen ihre Hoffnungen jedoch noch auf ein schnelles Ende des Militärkonflikts. Aber von Tag zu Tag schwindet der Glaube daran: für die Branche eine neue Hiobsbotschaft.

Nach einer Woche Krieg am Golf sind die Buchungen bei den Airlines weltweit drastisch zurückgegangen. Die ohnehin ums Überleben kämpfenden US-Fluggesellschaften verzeichneten nach Angaben ihres Verbandes wegen des Krieges Buchungsrückgänge für die nächsten 60 bis 90 Tage im Inland um 20 %, sagte der Präsident der Air Transport Association, James May, in Washington. International habe das Minus sogar in einigen Regionen bei 40 % gelegen.

Auch in Europa bricht das Geschäft ein. Die europäischen Fluggesellschaften müssen jedoch bisher wesentlich geringere Rückgänge als die US-Konkurrenz verkraften. Lufthansa verzeichne wegen des Krieges seit etwa zehn Tagen einen Buchungsrückgang im einstelligen Prozentbereich, sagte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer auf einem Symposium in Frankfurt. Vor allem auf den Nordatlantikrouten gebe es deutliche Rückgänge. Die größte deutsche Fluggesellschaft kommt damit bisher allerdings wesentlich glimpflicher durch die Krise als im ersten Golfkrieg des Jahres 1991, als das Minus zeitweise rund 20 % ausmachte. Auch die Lufthansa-Beteiligung BMI British Midland, Englands drittgrößte Fluggesellschaft, verbuchte bisher nur ein vergleichsweise geringes Minus von 5 % bei den Passagierzahlen, wie der Vorstandsvorsitzende Austin Reid in Frankfurt sagte.

Für die US-amerikanischen Fluggesellschaft hat sich durch den Irakkrieg die ohnehin prekäre Geschäftslage indes erheblich verschlechtert. Nach Schätzungen des Dachverbandes ATA kostet selbst ein kurzer Irakkrieg die US-Gesellschaften zusätzlich 4 Mrd. $. Es würden zudem weitere 70 000 Stellen verloren gehen.

Die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines gilt in Expertenkreisen als akut insolvenzgefährdet. Die Konkurrenten United Airlines und US Airways haben den Gang zum Insolvenzrichter bereits hinter sich. US Airways will trotz der widrigen Umstände in der kommenden Woche das Gläubigerschutzverfahren wieder verlassen.

Nach Berechnungen des Dachverbands ATA katapultiert der Irakkrieg die Gesamtverluste der US-Airlines in diesem Jahr auf die Höhe von 10,7 Mrd. $. Ein längerer Konflikt könnte die roten Zahlen in diesem Jahr sogar auf 13 Mrd. $ treiben.

Ein sich über Monate hinziehenden Krieg wäre für die Luftfahrtbranche wäre ein Tiefschlag, den nicht alle Unternehmen überleben dürften. Lufthansa-Chef Jürgen Weber malte bereits als Folge des Krieges eine weitere Konsolidierung der Branche an die Wand.

Ein langer militärischer Konflikt am Golf ginge auch an der profitablen deutschen Fluggesellschaft nicht spurlos vorbei. Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer betonte zwar, dass er keine belastbare Prognose abgeben könne, wie der Irak-Krieg das Jahresergebnis der Fluggesellschaft belasten werde. Experten sind sich jedoch sicher, dass ein längerer Konflikt auch Lufthansa in die roten Zahlen treiben würde. Bei längerfristigen Unsicherheiten in der Region, heißt es lapidar in einer Studie der Hypo-Vereinsbank, müsste die Fluggesellschaft "einen operativen Verlust ausweisen".

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