Archiv
Lufthansa-Piloten beginnen Abstimmung über Streik

Die Piloten haben mit der auf vier Wochen angesetzten Urabstimmung über einen regulären Streik begonnen. Grund für den Unmut: Cockpit-Besatzungen bei der Lufthansa würden im internationalen Vergleich 35 Prozent weniger verdienen als ihre Kollegen.

Reuters NEU-ISENBURG. Im Tarif-Streit mit der Lufthansa hat die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Montag ihre Entschlossenheit zu möglichen Arbeitskampfmaßnahmen unterstrichen, zugleich jedoch weiter Verhandlungsbereitschaft signalisiert. VC-Verhandlungsführer Michael Tarp sagte in Neu-Isenburg bei Frankfurt zum Auftakt der Urabstimmung der Lufthansa-Piloten über unbefristete Arbeitsniederlegungen, er sei zuversichtlich, dass die "überwältigende Mehrheit" zur Durchsetzung ihrer Forderungen für einen Streik stimmen werde. Die VC würde jedoch an den Verhandlungstisch mit der Lufthansa zurückkehren, sobald der Luftfahrtkonzern ein aus ihrer Sicht verbessertes Angebot vorlegen würde. Auch Lufthansa-Vorstandsmitglied Stefan Lauer signalisierte in einem Mitarbeiter-Schreiben erneut Verhandlungsbereitschaft.

Die VC verlangt für ihre rund 4 200 Lufthansa-Mitglieder Gehaltsanhebungen von durchschnittlich 35 Prozent sowie eine Ergebnisbeteiligung, was der Konzern bisher zurückwies. Auf das Angebot der Fluglinie, die Vergütungen insgesamt zwischen zehn und 16,7 Prozent anzuheben, hatte die VC mit einem Abbruch der Verhandlungen reagiert. Jetzt sollen die VC-Piloten der Lufthansa sowie der Konzerntöchter Cargo und Condor im Rahmen einer gut dreiwöchigen Urabstimmung über unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen entscheiden. Zugleich kündigten die Piloten-Vertreter mögliche Warnstreiks für die Dauer der Abstimmung an. Ende März war es bereits zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen der Lufthansa-Piloten gekommen, die zu erheblichen Störungen des Flugbetriebs geführt hatten.

Abstimmung über unbefristeten Warnstreik

Nach Worten von VC-Verhandlungsführer Tarp handelt es sich um die erste Urabstimmung in der deutschen Luftfahrt, die über die Frage befristeter Warnstreiks hinaus geht. VC begründet ihre Gehalts-Forderungen damit, dass die Piloten-Bezüge bei der Lufthansa unter denen vergleichbarer Konkurrenz-Linien lägen. Grund sei unter anderem, dass die Piloten vor rund zehn Jahren - als die Lufthansa in einer schweren Unternehmenskrise steckte - Abstriche bei den Vergütungen zugestimmt hätten. "Wir haben eine Vorreiterrolle bei der Sanierung gespielt, als wir auf 30 Prozent verzichtet haben", sagte VC-Sprecher Georg Fongern am Montag. Es sei an der Zeit, diesen Rückstand wieder einzuholen. Die Lufthansa habe in den vergangenen Jahren Milliardengewinne erzielt, von denen die Piloten "nichts mitbekommen" hätten.

Der für die Tarifverhandlungen auf der Lufthansa-Seite verantwortliche Konzernvorstand Lauer signalisierte indes weitere Gesprächsbereitschaft in einem Schreiben an die Mitarbeiter, in dem er das Tarif-Angebot seiner Gesellschaft detailliert erläutert. "Weil ein erstes Angebot nicht der Abschluss sein wird, haben wir explizit unsere Bereitschaft erklärt, über das gesamte Paket und seine Teile in Verhandlungen einzutreten", heißt es in dem Ende vergangene Woche verschickten Brief, der auch Reuters vorliegt. "Einer Fortsetzung des Dialogs steht deshalb nichts im Wege. Wir wollen den Gang der Verhandlungen jedoch nicht nach dem jeweiligen Wellenschlag der Berichterstattung von draußen führen", schrieb Lauer weiter. Dazu sei der mögliche Schaden zu groß. VC-Sprecher-Fongern bezeichnete den Brief Lauers als "gutes Zeichen".

Piloten ziehen Einigung einem Streik vor

Die Lufthansa hatte auf den Abbruch der Tarifverhandlungen und den Aufruf zur Urabstimmung "empört und mit völligem Unverständnis" reagiert. Die VC habe das Lufthansa-Angebot "ohne ernsthafte Verhandlungen" abgelehnt und ein "erpresserisches Ultimatum" für die Vorlage eines neuen Vorschlags gestellt, hatte es in der vergangenen Woche bei dem Konzern geheißen. Die VC wies dies am Montag zurück. Zugleich hoben die Arbeitnehmervertreter erstmals deutlich hervor, dass sie eine Einigung mit der Lufthansa etwaigen Streikmaßnahmen vorziehen würden. "Es muss nicht zum Streik kommen, wenn die Lufthansa ein vernünftiges Angebot vorlegt", sagte VC-Sprecher Fongern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%