Lufthansa-Piloten beginnen mit Urabstimmung
Pilotenstreiks über Ostern unwahrscheinlich

Die Flugkapitäne wollen in ihren Tarifkonflikt mit der Lufthansa die Nerven der Passagiere schonen: Warnstreiks über Ostern sollen möglichst vermieden werden - aber ausgeschlossen ist nichts.

huh/hz BERLIN/FRANKFURT/M. Lufthansa-Chef Jürgen Weber kann vorerst aufatmen. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) will im Tarifstreit die Fluggesellschaft über die Ostertage vor massiven Arbeitsniederlegungen verschonen. Die Wahrscheinlichkeit von Warnstreiks sei gering, sagte Frank Lunemann, Lufthansapilot und Mitglied der VC-Tarifkommission. "Es ist nie unser Ziel gewesen, die Passagiere zu schädigen", sagte Lunemann. "Das gilt besonders für die Osterurlauber, die sonst eher selten mit uns reisen."

Der Verhandlungsführer der Lufthansa, Personalvorstand Stefan Lauer, signalisierte in einem Schreiben an die Piloten erneut Verhandlungsbereitschaft. Die Piloten verlangen Gehaltssteigerungen von durchschnittlich 35 % sowie eine Ergebnisbeteiligung. Die Fluggesellschaft bot bisher nur Tariferhöhungen zwischen 10 % bis 16,7 % an, weshalb die VC die Verhandlungen abbrach.

Die Piloten begannen gestern mit der auf vier Wochen angesetzten Urabstimmung über einen regulären Streik. Die Pilotenvereinigung zeigte sich zuversichtlich, dass in der bis zum 3. Mai angesetzten Abstimmung eine Mehrheit für einen Streik herauskommen werde. Cockpit-Vertreter hatten zuletzt betont, schon vor Ablauf dieser Frist seien jederzeit Warnstreiks möglich.

Lunemann stellte nun klar, dass sich die Pilotengewerkschaft zwar vorbehalte, kurzfristig auf das Verhalten der Lufthansa mit Warnstreiks zu reagieren. Bisher habe die Tarifkommission aber keine neuen Arbeitsniederlegungen beschlossen. "Der reibungslose Transport der Passagiere ist Teil unseres Berufsethos", sagte der Flugkapitän, "weshalb wir die Zahl der Warnstreiks auf maximal drei begrenzen wollen."

Die erste Arbeitsniederlegung hatte am 28. März zum Ausfall von mehr als hundert innerdeutschen und europäischen Lufthansaflügen geführt. Damals hatte die Pilotengewerkschaft die Arbeitsniederlegung zuvor angekündigt. Lunemann erwartet, dass dies bei einem neuerlichen Warnstreik wieder der Fall sein werde.

Nach Aussage des Flugkapitäns ist VC auch während der Urabstimmung zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bereit, wenn die Lufthansa ein neues Angebot vorlegt. Der für die Tarifverhandlungen auf der Lufthansa-Seite verantwortliche Konzernvorstand Stefan Lauer, appellierte in einem Ende der Woche versandten Schreiben an die Piloten, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Weil ein erstes Angebot nicht der Abschluss sein wird, haben wir explizit unsere Bereitschaft erklärt, über das gesamte Paket und seine Teile in Verhandlungen einzutreten", heißt in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. "Einer Fortsetzung des Dialogs steht deshalb nichts mehr im Wege. Wir wollen den Gang der Verhandlungen jedoch nicht nach dem jeweiligen Wellenschlag der Berichterstattung von draußen führen", schreibt Lauer weiter. Dazu sei der mögliche Schaden zu groß. Der VC wertete das Schreiben als "gutes Zeichen". Es müsse nicht zum Streik kommen, wenn die Lufthansa ein vernünftiges Angebot vorlege.

Die Piloten begründen ihre Forderungen damit, dass ihre Bezüge deutlich unter denen der vergleichbaren Konkurrenz-Linien lägen. Sie hätten, als die Lufthansa vor rund 10 Jahren in einer schweren Krise steckte, zur Sanierung Abstriche bei den Vergütungen hingenommen. Es sei nun an der Zeit, diesen Rückstand wieder aufzuholen.

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