Lufthansa schwach
Dax schließt unter 5 000 Punkten

Der Deutsche Aktienindex Dax hat am Donnerstag im Sog schwacher US-Konjunkturdaten sowie enttäuschender Unternehmensmeldungen unter der psychologisch wichtigen Marke von 5 000 Punkten geschlossen.

dpa-afx/vwd FRANKFURT. Der Leitindex verlor 1,91 % auf 4 966,05 Punkte. Zuletzt hatte der Dax am 3. Dezember unter der 5 000er-Marke geschlossen.

Nach einem freundlichen Auftakt drehte der Index am Vormittag leicht ins Minus, nachdem die Konjunkturdaten aus Deutschland einen gemischten Eindruck hinterlassen hatten. Die Einzelhandelsumsätze sind im Oktober stärker gefallen als erwartet, allerdings gingen auch die Großhandelspreise stärker zurück. Beschleunigt wurden die Abgaben am Nachmittag durch enttäuschende US-Konjunkturdaten und eine Gewinnwarnung von Lucent, die besonders die Technologiewerte unter Druck brachte.

Die schlechten US-Daten zum Einzelhandelsumsatz und zu den Erzeugerpreisen im November führten zu einem deutlichen Abrutschen der US-Futures und später zu einer leichteren Eröffnung an Wall Street. Der Dax folgte den schlechten US-Vorgaben, weitete seine Verluste aus und sank unter die wichtige Marke von 5 000 Punkten. "Wenn am Freitag der Schlussstand darunter liegt, könnte es in der kommenden Woche schnell in Richtung 4 600 Zähler gehen", so ein Marktteilnehmer.

Die Technologietitel standen wegen Lucent und weiterer Gewinnwanrungen von Ciena und der britischen Logica auf breiter Front unter Druck. Siemens , SAP , Deutsche Telekom und Epcos gaben kräftig ab. Dem widersetzten sich jedoch Infineon , die bereits am Vortag um mehr als 13 % eingebrochen waren. Daher sahen Händler die Gewinne von 1,1 % auf 22,90 Euro als technische Reaktion. Ein Händler hatte noch eine weitere Erklärung für das Plus: "Es gab gestern ein Gerücht am Markt, dass Goldman Sachs Titel platzieren will - was nicht der Fall war. Jetzt rennen die Leute, um ihre Short-Positionen einzudecken."

Die größten Verluste verbuchten allerdings Lufthansa , die um 6,4 % auf 14,60 Euro fielen. Händler verwiesen dabei auf die erneute Ankündigung von Europas erfolgreichstem Billigflieger Ryanair, die Lufthansa auf ihrem Heimatmarkt angreifen zu wollen. "Das ist sehr ernst zu nehmen", meinten Händler zu den Plänen. Die Iren hätten gezeigt, dass sie in der aktuellen Krise der Luftfahrtgesellschaften in der Lage seien, ihren Marktanteil auszuweiten. Wenn sich die Billiglinie auf Lufthansa "einschieße" und dem Kranich in Deutschland Paroli biete, werde sich das negativ auf die Margen der Lufthansa auswirken. Ryanair-Chef Michael O'Leary sagte in einem Interview am Vortag, dass seine Gesellschaft weiterhin um die deutschen Kunden kämpfen werde.

Ein weiteres Opfer der schlechten US-Zahlen sahen Händler in MAN . Zykliker hätten unter Druck gestanden. "Das kommende Jahr wird ohnehin schwierig für MAN werden", sagte ein Marktteilnehmer. Durch eine Abschwächung der Konjunktur und einen prognostizierten Lkw-Nachfragerückgang in Westeuropa um zehn bis 15 % im kommenden Jahr werde sich eine Erholung bei MAN ins Jahr 2003 verschieben. Nach dem Fall unter die Unterstützung bei 22 Euro liege die nächste - allerdings kleinere - Auffangmarke für den Kurs im Bereich 20,70 Euro. Einen wichtigeren Support gebe es bei 20 Euro. MAN rutschten um 4,6 % auf 21,95 Euro.

Die Kursverluste von ThyssenKrupp um 3,2 % auf 16,11 Euro führte ein Analyst auf Gewinnmitnahmen zurück. "Wir haben eine beeindruckende Performance gesehen, als der Titel auf 17 von elf Euro gestiegen ist", sagte ein Analyst der Deutschen Bank, der dies für einen gesunden Prozess hält. "Ich sehe die Verluste nicht als stratgisch bedingt an, sondern eher als Gewinnmitnahmen". Nicht helfen konnten dem Titel Berichte, dass WCM sich beteiligen wolle.

Gesucht waren dagegen die Versorger. Eon hat Investitionspläne im Volumen von 28,7 Mrd Euro angekündigt. Der Markt wusste Händlern zufolge bereits, dass Eon über die Hälfte des Betrages für die Übernahme von Powergen und Ruhrgas aufwenden würde. Die zusätzlichen Mittel werden über drei Jahre verteilt. Bekannt ist, dass Eon auf der Suche nach US-Investments ist. Eon habe außerdeutsche Investments im Auge, hieß es dazu. Eon legten um 2,5 % auf 54,41 Euro zu und RWE um 1,1 % auf 40,76 Euro. In der zweiten Reihe verloren Jenoptik 3,3 % auf 20,30 Euro, was ein Analyst auf die Schwäche des Halbleiter-Marktes zurückführte. So etwas schlage sofort auf die Zulieferer durch, sagte er. Nach dem Abrutschen des Kurses unter 20 Euro liege die nächste Unterstützung bei rund 18 Euro. Darunter gebe es dann kaum signifikante Marken mehr vor dem Jahrestief bei 13,10 Euro.

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