Lufthansa setzt auf Bayerns Airport: Flughafen München greift an

Lufthansa setzt auf Bayerns Airport
Flughafen München greift an

Der Flughafen München macht dem Frankfurter Airport immer mehr Konkurrenz. Ende Juni wird der zweite Terminal eröffnet. Um den Ausbau zu finanzieren, wird der Flughafen noch auf Jahre hinaus rote Zahlen schreiben. Der neue Flughafenchef Michael Kerkloh ist zuversichtlich, dass sich die Investition lohnt.

mwb MÜNCHEN. Passagier Mr. Adams fliegt laut Flugschein von München nach Wiesbaden. Er checkt seine beiden Koffer ein und geht zum Gate. Dort ist seine Reise allerdings beendet. Mr. Adams ist ein Probepassagier, heißt Udo Röck und erhält für seine Dienste einen Einkaufsgutschein über 40 Euro. Seit Wochen testet der Münchner Flughafen jeweils dienstags und mittwochs im Probebetrieb den neuen Terminal 2. In 136 Tagen wird es ernst. Dann startet der zweite Terminal seinen Betrieb.

Der neue Terminal verdoppelt die Kapazität auf 50 Mill. Passagiere und damit auf die derzeitige Größe von Frankfurt. Erstmals baut und betreibt ein Flughafen einen Terminal gemeinsam mit einer Fluggesellschaft. Die Lufthansa beteiligt sich an den unmittelbaren Terminalkosten von 1,1 Mrd. Euro mit 40 %. 60 % trägt die Flughafen München GmbH (FMG). Zusätzlich muss die FMG noch rund 400 Mill. Euro für begleitende Infrastrukturmaßnahmen wie Parkhaus und Flugbetriebsflächen ausgeben. "Das Risiko ist fair verteilt", sagt der neue FMG-Chef Michael Kerkloh bei der Vorstellung der Jahreszahlen der FMG. Kerkloh ist vor einem halben Jahr vom Hamburger Flughafen an die Isar gewechselt.

Der neue Terminal wird komplett von der Lufthansa belegt. Kerkloh ist zuversichtlich, dass sich die Investition lohnt: "Wir haben sehr weitsichtig geplant". Durch das Konzept habe die Lufthansa optimale Bedingungen München zum zweiten internationalen Umsteigeflughafen (Hub) neben Frankfurt aufzubauen. Die Zahl der Starts und Landungen der Lufthansa liegt in München nur noch 20 % niedriger als in Frankfurt. München wächst mit einem Plus von knapp 3 % auf 331 000 Flugbewegungen stärker als die 10 aufkommensstärksten Flughäfen Europas.

Die volle Kapazität von 50 Mill. Passagieren werde aber nicht vor 2010 erreicht, sagte Kerkloh. Denn auch München spürt die Folgen der Luftfahrtkrise. Das Passagieraufkommen lag 2002 mit 23,2 Mill 2 % unter dem Rekordwert des Vorjahres und sank erstmals seit dem zehnjährigen Bestehen des Airports. In diesem Jahr rechnet Kerkloh mit einem leichten Anstieg auf 24 Millionen Passagiere. Die ursprünglich angepeilten 26 Millionen Fluggäste würden in diesem Jahr wegen der Folgen der Terroranschläge in den USA nicht erreicht. Vorwürfe des "Gigantismus" weist Kerkloh zurück. "Wir werden uns vielleicht in drei, vier Jahren hier sitzen sehen und uns Lösungen für weiter Kapazitäten überlegen müssen". Bis dahin muss er aber die Überkapazität geschickt managen.

Im vergangenen Jahr erzielte die FMG einen Umsatz auf Vorjahreshöhe von 571 Mill. Euro. Der Jahresüberschuss zeigte mit einem Rückgang von 37 Mill. Euro auf 6,5 Mill. Euro erste Spuren der Großinvestition, blieb aber zum sechsten Mal in Folge positiv. Die Finanzierungskosten für den Terminal werde aber bis 2010 jährliche Verluste von rund 70 Mill. Euro verursachen, sagte Vize-Geschäftsführer Walter Vill.

Die Risiken durch eine mögliche Pleite der angeschlagenen Deutschen BA (DBA) sieht Kerkloh als relativ gering an. Easyjet, die eine Übernahme von DBA plant, werde nicht leichtfertig auf die Start- und Landegenehmigungen der DBA verzichten. Sollte es dennoch zu einer Pleite kommen, sei der Bedarf anderer Fluggesellschaften an den Slots so groß, dass sich das ausgleichen ließe. Die DBA ist nach der Lufthansa der größte Kunde des Flughafens. Auf die DBA entfallen 9 % des Flugaufkommens in München.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%