Lufthansa sieht sich bereits jetzt deutlich benachteiligt
Europas Fluglinien fürchten Wettbewerbsverzerrung

Die US-Regierung überlegt weitere Staatshilfen für schwer angeschlagene Fluggesellschaften. Ohne weitere Hilfen steht die US-Luftfahrt vor spektakulären Pleiten. Die EU-Kommission indes duldet keine Subventionen in der Luft. Ein alter Konflikt keimt neu auf.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Europäische Fluggesellschaften schauen mit Sorge auf ihre Wettbewerber in den USA, die angesichts ihrer miserablen finanziellen Lage neue Staatshilfen einfordern. Dabei sehen sich Unternehmen wie die Deutsche Lufthansa ohnehin bereits deutlich im Wettbewerb benachteiligt. "Für eine Dritthaftpflicht gegen Terrorschäden zahlen wir jetzt bereits für jeden einzelnen Passagier 2,20 $. In den USA werden derzeit 7,50 $ pro startendes Flugzeug bezahlt - das ist nur ein Bruchteil", sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Mögliche weitere Staatshilfen für US-Fluggesellschaften würden die Lufthansa "in nicht vertretbarer Weise benachteiligen", hieß es.

Gravierende Wettbewerbsverzerrungen befürchten Europas Fluglinien auch an anderer Stelle. Die EU-Kommission hatte in dieser Woche angedeutet, die bis zum 31. Oktober laufende Staatshaftung für Terrorschäden dürfe von den jeweiligen Regierungen kein weiteres Mal verlängert werden. In den USA indes zeichnet sich eine Verlängerung der Staatsgarantien um zumindest weitere neun Monate ab.

Darüber hinaus erwägt der US-Gesetzgeber auf indirektem Weg neue Staatshilfen für seine finanziell schwer angeschlagenen Fluggesellschaften. Der Vorsitzende des Luftfahrtausschusses, John Mica, sagte zwar: "Es wird keine Rettungsbeihilfen der Regierung geben." Man wolle jedoch hart daran arbeiten, einen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten, der helfen soll die steigenden Kosten der Branche zu tragen - etwa bei den Versicherungen gegen Terrorschäden oder für das Verstärken der Cockpit-Türen. Sollte es zu einem Krieg mit dem Irak kommen, erkläre man sich auch zu einer Neuauflage der Kredite bereit, sagte Mica.

Die Vorstandschefs führender US-Fluglinien wie American Airlines und Delta Air Lines hatten in dieser Woche vor dem Luftfahrt-Ausschuss des Kongress eindringlich vor einem Zusammenbruch der Industrie gewarnt und sich für weitere Zugeständnisse stark gemacht. "Ohne Hilfe der Regierung werden wir in unserer Industrie noch weitere Entlassungen, Streckenstreichungen und unvermeidbare Pleiten sehen", sagte Donald Carty, Chef der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines.

Bereits nach den Terroranschlägen des 11. September hatte die US-Regierung den Fluggesellschaften insgesamt 5 Mrd. $ an Soforthilfen gezahlt und weitere 10 Mrd. $ an Krediten zur Verfügung gestellt. Die Manager von Delta und American Airlines prophezeiten, dass die Branche in diesem Jahr erneut Verluste von schätzungsweise 7,5 Mrd. $ erleiden wird. Auch Analysten rechnen inzwischen mit Verlusten in Höhe von 7 Mrd. $.

Die Fluglinie US Airways, die noch im vergangenen Jahr mit United Airlines zusammen gehen wollte, hat bereits Gläubigerschutz unter Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragt. Die United Airlines-Mutter UAL verhandelt derzeit hartnäckig mit ihren Gewerkschaften über Lohnzugeständnisse, die als Voraussetzung für die Kredite der US-Regierung gelten. Sollten sich beide Seiten nicht einigen können, dürfte auch United bald gezwungen sein, Gläubigerschutz zu beantragen. Carty warnte zudem vor den verheerenden Folgen für die Branche, sollte es zu einem Krieg im Irak kommen: "Das wäre wie ein ökonomischer Amboss, der auf die Branche fällt", sagte er.

Die Unternehmen fordern deshalb, dass der Staat künftig die Sicherheits-Gebühren pro Ticket übernimmt und auch für andere Sicherheitsmaßnahmen zahlt. Bisher konnten sich die Abgeordneten noch zu keiner definitiven Antwort durchringen. Ein neue Milliarden-Hilfe der US-Regierung ist deshalb noch nicht sicher. Schon das 15-Milliarden-Hilfspaket im vergangenen Jahr hatte vor allem Mitglieder der Republikanischen Partei verärgert. Sie argumentierten, dass die Probleme der Airlines nicht nur vom 11. September abhingen, sondern zum Teil auch hausgemacht seien.

Tatsächlich hatte die Branche schon vor den Anschlägen tiefrote Zahlen geschrieben. Inzwischen ist Billiganbieter Southwest Airlines die einzig prominente US-Fluglinie, die im aktuellen Umfeld Gewinne schreibt.

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