Lufthansa sieht „Silberstreif“ in der Krise
Aktionäre verweigern Bsirske Entlastung

Übergabe des Staffelholzes bei der Hauptversammlung: Jürgen Weber hat zugesichert, dass der neue Konzernchef der Deutschen Lufthansa AG, der Österreicher Wolfgang Mayrhuber, den "Weg der Stabilität" fortsetzen werde. Nach drastischen Einbußen wegen der schweren Branchenkrise sieht Europas zweitgrößte Fluggesellschaft "erste Silberstreife am Horizont".

HB/dpa KÖLN.Der Österreicher Wolfgang Mayrhuber ist neuer Chef der Deutschen Lufthansa. Nach der Hauptversammlung am Mittwoch in Köln übernahm der 56-Jährige das Steuer vom langjährigen Konzern- Kapitän Jürgen Weber, der in den Aufsichtsrat gewählt wurde. Nach drastischen Einbußen wegen der schweren Branchenkrise sieht Europas zweitgrößte Fluggesellschaft "erste Silberstreife am Horizont". Vor allem auf den Strecken über den Nordatlantik gebe es Anzeichen einer Erholung. Dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske sprachen die Aktionäre das Misstrauen aus. Ihm wurde die Entlastung als stellvertretender Chef des Aufsichtsrats verweigert. Nur 41,71 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf "Ja".

Weber sagte, vor allem in den USA gehe der Geschäftsreiseverkehr langsam aufwärts. Eine Ergebnisprognose gab er nicht ab. Dieses Jahr werde aber "nicht gerade eines der besseren der Lufthansa". Wenn sich der Trend der vergangenen Wochen verstärke, werde der Konzern am Jahresende jedoch wieder besser dastehen als die meisten Konkurrenten. "Die Talsohle ist durchschritten, das Fundament der Lufthansa widersteht dem Sturm." Weber bekräftigte, dass es zur Krisenbewältigung keine Entlassungen geben solle. "So etwas passt nicht zu unserer Kultur." Nach 415 Millionen Euro operativem Verlust im ersten Quartal erwartet der Vorstand rote Zahlen für 2003.

Kritik an Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge

Die Nicht-Entlastung hat für Bsirske keine unmittelbaren rechtlichen Folgen wie etwa den Verlust seines Mandats. An einen Rückzug denke er nicht, sagte ein Sprecher. Schließlich sei er für die Arbeitnehmerseite in das Kontrollgremium gewählt, was die Hauptversammlung nicht aufheben könne. In der Aussprache hatten Aktionärsschützer massive Kritik geübt. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz forderte den ver.di-Chef unter Beifall auf, seinen Sitz im Kontrollgremium von sich aus abzugeben. Mit den Streiks im Öffentlichen Dienst habe er im vergangenen Dezember bei der Lufthansa Flugausfälle mit Millionenschäden angerichtet. Er stehe in einem klaren Interessenkonflikt.

Auf kritische Stimmen stieß auch die geplante deutliche Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge. Die Hauptversammlung segnete sie dennoch mit 83,64 Prozent Ja-Stimmen ab. Vorgesehen ist unter anderem, die Grundbezüge der Aufsichtsräte auf 20 000 Euro zu verdoppeln. In der Aussprache hatten Aktionäre vor allem den Zeitpunkt als unsensibel kritisiert, da die Beschäftigten wegen der Krise mit Arbeitszeit- Verkürzung Lohnverzicht übten. Die Aufsichtsräte würden wie First- Class-Passagiere behandelt, Aktionäre und Beschäftigte wie Reisende in einem Billigflieger, sagte ein Anteilseigner.

Weber betonte, der neue Konzernchef Mayrhuber werde einen "Weg der Stabilität" fortsetzen. Vom Kurs der Wachsamkeit, der Schnelligkeit und der Wahl der geeigneten Mittel beim Krisenmanagement werde er nicht abweichen. Er übergebe die Führung daher "mit Zuversicht" an seinen Stellvertreter, der mit dem Geschäft bestens vertraut sei. Der scheidende Lufthansa-Chef forderte eine rasche Umsetzung der Sozialreformen, damit es in der deutschen Wirtschaft endlich wieder bergauf gehe. Weber rückt nach der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat als Vorsitzender ein.

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