Lufthansa-Sprecher Walther: Kein Zusammenhang
SZ bringt Lufthansa-Abbestellungen mit Berichten in Verbindung

Die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") hat die Abbestellung von rund 10 000 ihrer Exemplare durch die Deutsche Lufthansa in Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über den derzeitigen Tarifstreit der Fluglinie mit ihren Piloten gebracht. Die "SZ"-Chefredaktion verwies am Mittwoch in einer Stellungnahme darauf, dass die Kürzung der Abonnements durch die Lufthansa mit dem aktuellen Tarifkonflikt zusammenfalle.

Reuters MÜNCHEN/FRANKFURT. Lufthansa-Vorstandsmitglieder hätten die die Berichterstattung der "SZ" über den Pilotenstreik beanstandet, hieß es. Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther bestritt einen Zusammenhang zwischen den Abbestellungen der "SZ" und der Berichterstattung der Zeitung über die Piloten-Streiks. Die Kürzung des Angebots sei eine "reine Geschäftsentscheidung".

Atmosphärische Störungen

Der am Mittwoch auf der ersten Seite des "SZ"-Wirtschaftsteils veröffentlichten Stellungnahme der Chefredaktion zufolge haben Vorstandsmitglieder der Lufthansa aber Artikel über den Tarifstreit beziehungsweise die jüngsten Pilotenstreiks in der "Süddeutschen Zeitung" beanstandet und kritisiert, dass das Blatt "zu wenig Verständnis für die Haltung der Unternehmensleitung" zeige. Auch hätten Lufthansa-Mitarbeiter die Kürzung der Abonnements auf "atmosphärische Störungen" zurückgeführt. Leser hätten sich bereits darüber beschwert, dass sie bei der Lufthansa keine "Süddeutsche Zeitung" mehr erhielten.

Zusammenhang ist "absurd" und "lächerlich"

Lufthansa-Sprecher Walther bezeichnete einen etwaigen Zusammenhang zwischen den "SZ"-Abbestellungen und der Berichterstattung des Blattes über die Tarifverhandlungen als "absurd" und "lächerlich". Die Entscheidung, die angebotene Menge zu reduzieren, sei lange vor den Streiks der Piloten im Zuge des Tarifkonflikts gefallen. Die Lufthansa habe die Zahl der angebotenen "SZ"-Exemplare aus Gründen der "Medienvielfalt" in ihren Maschinen beziehungsweise an den Flugsteigen gekürzt und die Abonnements mit Umstellung auf den Sommerflugplan Ende März um rund die Hälfte verringert.

Vorsprung gegenüber FAZ schrumpft

Die "Süddeutsche Zeitung" ist nach der "Bild"-Zeitung die am meisten verkaufte überregionale Zeitung in Deutschland. Im ersten Quartal 2001 wurden täglich im Schnitt rund 430 000 Exemplare der "SZ" verkauft, davon 31 000 als so genannte Bordexemplare. Die "Süddeutsche" habe Verträge mit fast hundert in- und ausländischen Fluggesellschaften, sagte ein Sprecher des Verlages in München. Medienberichten zufolge sollen bisher 22 000 Bordexemplare an die Lufthansa gegangen sein. Indem die Lufthansa nun 10 000 Bordexemplare der "SZ" weniger abnimmt, schrumpft der Vorsprung des Blattes bei den verkauften Exemplaren zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Von der "FAZ" wurden in den ersten drei Monaten 2001 der unabhängigen Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zufolge rund 407 500 Exemplare verkauft, also 22 500 Exemplare weniger als von der "SZ". Aktuellere Zahlen liegen bei der IVW noch nicht vor. Im vierten Quartal 2000 betrug die Differenz zwischen "SZ" und "FAZ" nur 18 000 verkaufte Exemplare.

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