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Lufthansa stellt wegen Nachtflugverbot in Frankfurt Flughafen-Ausbau in Frage

Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist aus Sicht der Lufthansa wegen des geplanten Nachtflugverbots gefährdet. Der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa (LH) sprach sich am Mittwoch einstimmig gegen eine frühzeitige Festlegung auf ein absolutes Nachtflugverbot aus.

dpa FRANKFURT/MAIN. Damit stellte sich das Unternehmen gegen Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der zuvor in einem dpa-Gespräch eine Garantie für ein Flugverbot zwischen 23.00 und 05.00 Uhr gegeben hatte. Der LH-Aufsichtsrat erklärte dazu: "Aus Lufthansa-Sicht wird durch diese politische Festlegung das Ausbauvorhaben insgesamt in Frage gestellt."

Die Deutsche Lufthansa AG (LH) warf Koch vor, er rücke mit seiner Festlegung vom Vermittlungsverfahren zum Flughafenausbau ab. Bei einem kompletten Nachtflugverbot seien weder Landungen bei Verspätungen noch Post -, Fracht- oder Charterflüge zwischen 23.00 und 05.00 Uhr möglich. Dies stehe im Widerspruch zur Rechtsprechung über die Voraussetzungen eines internationalen Großflughafens und zu den Anforderungen an ein modernes internationales Luftverkehrsdrehkreuz.

Dem Lufthansa-Konzern würde damit "massiver Schaden zugefügt", so der Aufsichtsrat. Arbeitsplätze würden gefährdet und Kunden würden zu ausländischen Wettbewerbern abwandern. Allein für die Frachttochter Lufthansa Cargo bedeute ein absolutes Nachtflugverbot den Verlust von bis zu 1 800 Arbeitsplätzen in Frankfurt. Finanziell hätte es ein Minus in bis zu einer dreistelligen Millionenhöhe pro Jahr zur Folge. Die Lufthansa stimme einer Verschärfung des bestehenden Nachtflugverbots, von dem es aber viele Ausnahmen gibt, im Interesse der Anwohner zu, es müsse aber möglich sein, diese Frage "sachlich zu erörtern".

Koch sagte am Abend, er halte trotz der Kritik am Nachtflugverbot fest. Im Fall eines Flughafenausbaus müsse es klare Grenzen der Belastung für die Bevölkerung geben. Die öffentlich geäußerten Sorgen der Lufthansa um finanzielle Einbußen seien nicht gerechtfertigt. Allein die Hälfte der nächtlichen Bewegungen gehe auf den Postverkehr zurück, betreffe die Lufthansa also gar nicht. Die Fluggesellschaft werde auch erheblich von der Kapazitätssteigerung profitieren, die mit einem Ausbau verbunden sei. Stattdessen könne der Flughafen Hahn im Hunsrück zu einem wichtigen Flughafen für Charter und Fracht ausgebaut werden.

FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn bezeichnete die Aussagen der Lufthansa als "pure Muskelspielereien", die eines Großunternehmens nicht angemessen seien. Flughafensprecher Klaus Busch sagte: "Wir sind überzeugt, dass der Ausbau kommen muss." Diese Diskussion sei aber eine Sache zwischen der Lufthansa und dem Ministerpräsidenten.

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