Lufthansa streicht 360 Flüge
Warnstreiks lähmen den Verkehr

Einen Tag vor der entscheidenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst hat am Dienstag eine neue Welle von Warnstreiks den morgendlichen Berufsverkehr und erstmals auch den Luftverkehr in Deutschland massiv beeinträchtigt. An den Aktionen beteiligten sich nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Zehntausende Beschäftigte von Hamburg bis München. Allein in Nordrhein-Westfalen seien es rund 48 000 in mehr als 70 Städte und Gemeinden gewesen.

HB/dpa HAMBURG. In Kassel treffen sich am Mittwochvormittag die Verhandlungsführer der Gewerkschaft und der Arbeitgeber zur zweiten regulären Verhandlungsrunde. Warnstreiks wird es dann nur vereinzelt geben - etwa bei den Mainzer Verkehrsbetrieben.

Für die rund drei Millionen Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes verlangt Verdi deutlich mehr als 3 Prozent höhere Einkommen. Sollten die Arbeitgeber, die für eine Null-Runde plädieren, diesmal kein Angebot vorlegen, will die Verdi-Spitze der für Donnerstag zusammengerufenen Großen Tarifkommission das Scheitern der Verhandlungen empfehlen. Die Folge wäre vor möglichen Streiks ein Schlichtungsverfahren - so bei den letzten Verhandlungen im Jahr 2000.

Wie bereits am Tag zuvor standen am Dienstagmorgen in vielen Städten und Regionen die Räder im Nahverkehr still. An den Flughäfen Frankfurt/Main und München wurden Hunderte von Flügen gestrichen. Auch an den Airports in Düsseldorf, Stuttgart, Hannover und Hamburg kam es wegen Protestaktionen zu Flugabsagen und Verzögerungen. "Es ist ein schwarzer Tag für die Lufthansa", sagte ein Konzernsprecher. Das Unternehmen und seine Partner strichen 360 Flüge. Nach Lufthansa - Angaben waren etwa 25 000 Passagiere von Verspätungen oder Flugausfällen betroffen. In die Warnstreiks einbezogen waren zudem Kindertagesstätten, die Müllabfuhr, Krankenhäuser und Stadtverwaltungen.

Bei einer Kundgebung in Düsseldorf kündigte Verdi-Chef Frank Bsirske eine härtere Gangart an. Sollte es in der Tarifrunde in Kassel zu keiner Einigung kommen, seien Urabstimmung und Streiks absehbar. "Ich rechne damit, dass morgen ein entscheidender Tag sein wird", sagte er im ARD-Morgenmagazin. Entweder komme es zu einem Abschluss, oder die Arbeitgeber legte es "partout darauf an, zum wiederholten Mal in den vergangenen Jahren hinter den Abschlüssen der Privatwirtschaft" zurückzufallen. "Das deutet dann in der Tat darauf hin, dass der Tarifkonflikt eskaliert", sagte er.

Der Verhandlungsführer der Bundesländer, Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), will notfalls auch harte Streiks in Kauf nehmen. "Wir lassen uns mit Sicherheit nicht erpressen", sagte er in der ARD -"Tagesschau". Ob die Arbeitgeber ein Angebot bei den Gesprächen in Kassel vorlegten, hänge auch von der Gegenseite ab. Bislang habe er nicht den Eindruck, dass Verdi "irgendwie beweglich" sei. Ein Diktat könnten sich die öffentlichen Hände nicht erlauben.

Am frühen Morgen hatten auf dem Frankfurter Airport 1 500 Beschäftigte für rund drei Stunden die Arbeit niedergelegt. An dem Ausstand beteiligten sich Fluggastkontrolleure, Bodenpersonal und Feuerwehrleute. Flugzeuge wurden nicht mehr be- und entladen und nicht mehr betankt. Bei der Feuerwehr arbeitete nur noch eine Notbesetzung. Der Hamburger Flughafen wurde durch Warnstreiks von nur 20 Feuerwehrleuten für dreieinhalb Stunden lahm gelegt.

Zu Behinderungen durch Warnstreiks im Nahverkehr kam es unter anderem in Teilen von Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Sachsen. Zu Beginn der Frühschicht um 4 Uhr blieben bei den Verkehrsbetrieben viele Busse und Bahnen in den Depots. In Nordrhein-Westfalen etwa blieb aber das befürchtete Chaos auf den Straßen trotz der erheblichen Beschränkungen im Nahverkehr aus. Ungeachtet der mehrstündigen Ausfälle von Bussen und Straßenbahnen sei es im Berufsverkehr kaum zu Problemen gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

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