Lufthansa- und Preussag-Aktien unter Druck, auch Automobilwerte verloren - Handel mit US-Aktien wird auch am Donnerstag ausgesetzt
Versicherer und Versorger heben volatilen Dax ins Plus

Die Aktienwerte präsentierten sich am Mittwochabend bei höher tendierenden Versorgerwerten sowie nach einer Erholung bei den Aktien der Versicherer fester, nachdem der Gesamtmarkt im Tagesverlauf starke Kursschwankungen verzeichnet hatte.

Die Stimmung am Markt bleibe aber trotz der zeitweise freundlicheren Tendenz der Kurse weiter schlecht, hieß es. "Wir handeln hier in einer unsicheren Nachrichtenlage", sagte ein Börsianer und verwies auf die ungewisse weitere politische Entwicklung in den USA nach der beispiellosen Serie von Terroranschlägen am Dienstag. Die US-Börsen blieben auch am Mittwoch geschlossen. "Die Lage war schon schlecht, aber jetzt kann sie eigentlich nur noch schlechter werden", sagte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust in Frankfurt.

Technisch bedingte Gewinne bei Versicherungsaktien

Am Abend gehörten die Titel von Münchener Rück zu den größten Gewinnern im Dax mit einem Plus von mehr als sechs Prozent. Händler sagten, der Kursanstieg sei technisch bedingt, nachdem die Aktie am Vortag um mehr als 15 Prozent eingebrochen war. Ein Börsianer sagte zudem, die am Mittwochnachmittag vom Rückversicherer mitgeteilte mögliche Schadenssumme für die Folgen der Terroranschläge in den USA von rund einer Milliarade Euro gebe dem Markt ein wenig Klarheit. "Die erwarten bis zu einer Milliarde Euro an Zahlungsverpflichtungen, das ist doch überschaubar." Der Allianz-Kurs stieg um rund drei Prozent. Beide Werte hattem im Verlauf deutliche Kursabschläge verbucht.

Daneben trugen Kurszuwächse bei den Versogerwerten zu der festeren Tendenz im Dax bei. Die Titel von Eon und RWE kletterten um mehr als sechs bzw. fünf Prozent. Börsianer sagten, Investoren schichteten in defensive Werte um.

Ängste um globale Rezession setzen Autotiteln zu

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten dagegen die Aktien der Automobilhersteller und die der Lufthansa, was Börsianer auf Ängste im Markt über eine sich möglicherweise abzeichnende globale Rezession zurückführten. "Wir standen schon kurz vor einer Rezession in den USA, aber jetzt stürzen wir uns kopfüber rein", sagte Fondsmanager Forde. Die Aktien von Volkswagen und BMW fielen um rund fünf beziehungsweise vier Prozent.

Abschläge auf Luftfahrt und Touristik

Die Titel der Lufthansa verbuchten zum Schluss einen vergleichsweise leichten Abschlag rund einem Prozent, nachdem sie im Handelsverlauf bei 11,30 Euro auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen waren. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte am Mittwochmittag in Frankfurt gesagt, die Anschläge von New York und Washington bedeuteten für die gesamte Luftfahrtbranche deutliche Einschnitte.

Preussag-Aktien büßten annähernd fünf Prozent ihres Werts ein. Händlern zufolge könnten die Terroranschläge das Geschäft in diesem Sektor erheblich beeinträchtigen. "Das ist doch ganz offensichtlich, dass nach einer solchen Katastrophe Transport- und Tourismuswerte verlieren", sagte ein Börsianer.

"Pervers" - Telekomsektor profitierte

Als "pervers" bezeichneten einige Börsianer die Tatsache, dass manche Werte im Kurs stiegen, da die betroffenen Branchen von der Katastrophe profitieren könnten. So notierten die Aktien der Deutschen Telekom deutlich, da der Telekomsektor durch die Terroranschläge in den USA Nutzen ziehen könne, sagte ein Fondsmanager mit Blick auf die Kurszuwächse. Investoren vermuteten, die Menschen telefonierten nun aus Angst vor dem Fliegen verstärkt und nutzen auch Datennetzwerke mehr.

Fortsetzung des Handels stößt auch bei Händlern auf Unmut

Die Tatsache, dass der Handel am deutschen Markt fortgeführt wurde, stieß bei einigen Händlern auf Unmut. "Ich halte es für falsch, dass der Handel am deutschen Markt heute weiter geht", sagte ein Börsianer. "Als Anleger kannst Du in einer so unsicheren Lage nur verlieren", fügte ein anderer Börsianer hinzu. "Es wäre besser gewesen, den Markt ein, zwei Tage zu schließen und den Handel in Ruhe wieder aufzunehmen."

Deutsche Börse: Kein Handel mit US-Werten am Donnerstag

Der Handel mit US-Werten an der Frankfurter Wertpapierbörse sowie mit Futures und Optionen auf den Dow-Jones-Global Titans-Index an der Eurex bleibt auch am Donnerstag ausgesetzt. Wie die Deutsche Börse AG und die Eurex am Mittwochabend mitteilten, soll der Handel mit diesen Wertpapieren abhängig von der Öffnung der US-Börsen frühestens am Freitag wieder aufgenommen werden: Der Handel in Deutschland beginne morgens nach dem ersten Handelstag an den US-Börsen. Die dortigen Märkte sind wegen der Ereignisse vom Dienstag vorübergehend geschlossen. Mit diesem Zeitplan solle vor der Marktöffnung in Frankfurt eine verlässliche Preisindikation aus dem Heimatmarkt sichergestellt werden.

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