Lufthansa war erster Kunde
Boeing 737 ist ein Evergreen

Die Boeing 737 steht kurz vor ihrer 5 000. Bestellung. Die zweistrahlige Maschine, die bereits 1968 auf den Markt kam, ist mit Abstand das meistverkaufte Düsenverkehrsflugzeug.

dpa/afx SEATTLE. Alle zehn Sekunden startet irgendwo auf der Welt eine Boeing 737. Seit ihrem Jungfernflug am 9. April 1967 in Seattle bricht das Flugzeug Rekord auf Rekord. Nun darf gleich zwei Mal gefeiert werden: Der Hersteller Boeing rechnet in diesen Wochen mit der 5 000. Bestellung einer Boeing 737. Und spätestens im Mai dürfte die 4 000. Maschine dieses Typs ausgeliefert werden. Die zweistrahlige Boeing 737 ist damit das mit Abstand meistverkaufte Düsenverkehrsflugzeug überhaupt.

Das größte Kuriosum dieses Erfolges ist: Eigentlich wollte der Industrieriese aus der Fliegerstadt Seattle diesen Moneymaker in den 60er Jahren noch gar nicht bauen. Boeing musste buchstäblich zu seinem Glück getragen werden. Nimmt man es ganz genau, so wurde die Boeing 737 in Deutschland "geboren". Der verdienstvolle und ideenreiche Technikchef der Lufthansa, Gerhard Höltje, überzeugte Boeing von der Notwendigkeit eines neuen Kurzstreckenjets.

Deutsches Konkurrenzprodukt wurde begraben

Der Hintergrund aber wirft kein gutes Licht auf die Weitsichtigkeit deutscher Politiker jener Jahre. Schon 1957 hatte zwar Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard einen Wettbewerb für Verkehrsflugzeuge ausgeschrieben. Die Hamburger Flugzeugbau GmbH präsentierte den Entwurf HFB-314 für 70 bis 80 Passagiere. Und die Lufthansa erkannte sofort die großartigen Marktchancen dieses Twinjets, der besser zu sein schien als die französische Caravelle und die britische DH-121, und empfahl dringend den Bau. Doch Bonn stellte keine Entwicklungsgelder bereit und HFB hatte kein Geld. Im November 1960 wurde das Projekt begraben.

Das für die deutsche Industrie bittere Resultat: Die Lufthansa ging nach Nordamerika und bat Boeing inständig, einen modernen Kurzstreckenjet zu bauen. So wurde die Boeing 737 geboren. Am 19. Februar 1965 wurde die Lufthansa Erstkunde und orderte die ersten 21 Exemplare. Am 10. Februar 1968 trat die erste Boeing 737 der Lufthansa ihren Liniendienst an.

Jet wurde ständig weiterentwickelt

In den knapp vier Jahrzehnten, die seit den ersten Entwicklungsarbeiten vergangen sind, hat der City-Jet eine faszinierende Metamorphose erlebt. Genau genommen hat sich die Boeing 737 im Laufe ihres langen Daseins in ein ganz anderes Flugzeug verwandelt. Die erste Boeing 737-100 konnte maximal 3 440 Kilometer weit fliegen, hatte eine Spannweite von 28,34 Metern, war 28,57 Meter lang und bot 107 Passagieren Platz.

Der Boeing Business Jet (BBJ) - die neueste und leistungsfähigste 737-Ausführung für VIPs, Regierungen, Industriemagnaten und potente Kunden aus dem Show-Business - kann problemlos 11 475 Kilometer weit fliegen - nonstop. Aber auch die normalen Versionen der so genannten dritten Generation dieses Flugzeugtyps übertreffen ihre Vorgänger in jeder Hinsicht. Diese Boeing 737-600/700/800/900-Familie hat wesentlich leisere und stärkere Triebwerke, geräumigere Kabinen und moderne Cockpit-Systeme. Die komfortable Boeing 737-900 hat eine Spannweite von 34,30 Metern, ist 42,10 Meter lang und kann 177 bis 189 Passagiere mit einer Reisegeschwindigkeit von 835 Kilometern pro Stunde über 5 000 Kilometer weit fliegen.

Die Boeing-737-Flotte, die schon vor einem Jahr als erstes Flugzeug der Luftfahrtgeschichte die phänomenale Marke von 100 Mill. Flugstunden überschritten hatte, ist neuerdings auch mit Winglets ausgerüstet. Dank dieser weit aufwärts gebogenen Flügelenden sind diese US-Twinjets fähig, noch höher und somit auch sparsamer und letztlich weiter zu fliegen. Winglets, eine der auffallendsten aerodynamischen Entwicklungen der vergangenen Jahre, reduzieren die Luftwirbel drastisch. Somit wird für den Vortrieb weniger Energie benötigt.

Erfolg gerade in Deutschland

Gerade bei deutschen Gesellschaften erfreut sich der amerikanische Evergreen trotz starker Airbus-Konkurrenz großer Beliebtheit und ist nicht nur bei Lufthansa und Hapag-Lloyd, sondern auch bei Air Berlin, Deutscher BA, Germania und Hamburg International im Einsatz.

Noch einen gewichtigen Unterschied gibt es zwischen den "alten" Boeing 737 und ihren heutigen Nachfahren. Kostete eine normale Boeing 737 in den 70er Jahren noch knapp 12 Mill. Dollar, so müssen die Kunden heute schon 45 bis 65 Mill. Dollar für eine der amerikanischen Erfolgsmaschinen auf den Tisch legen.

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