Lufthansa will gegen Bonus-Meilen-Verkäufer vorgehen
Miles & More: Dreifach Netto

Seit Meilen großzügig übertragbar sind, verkaufen Vielflieger ihre Prämien über das Internet.
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DÜSSELDORF. Die Deutsche Lufthansa (LH) hat dem Internet-Auktionshaus Ebay zu einem neuen Produkt verholfen: Bonusmeilen und Prämien aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More.

Seit Anfang August dürfen dessen Mitglieder Freiflüge oder Sachprämien, die sie sich durch Reisen oder Zeitschriftenabonnements, Hotelübernachtungen oder Anmieten eines Autos verdienen, beliebig an andere weiterreichen, ein Privileg, das bisher - in Grenzen - nur den Elitemitgliedern des Programms zustand. Seitdem bieten Tag für Tag mindestens zehn Ebay-Kunden Meilen an, nebst der Offerte, sie gegen Bares in die gewünschte Flugprämie zu tauschen.

Ein höchst illegales Unterfangen, denn der Verkauf oder Tausch der Meilen ist ein klarer Verstoß gegen die Programmbestimmungen. "Wer Meilen versteigert, muss mit dem Ausschluss aus dem Programm rechnen", droht Miles&More-Chef Oliver Wagner.

Doch das schreckt Ebay-Kunden nicht. Manche haben sogar ein halbes Dutzend Angebote von 2000 bis zu 55 000 Meilen in Petto. "Ich kann die Dinger aus Zeitgründen nicht abfliegen", so ein Verkäufer. "Zudem gibt es bei uns im Unternehmen in der aktuellen Sparwelle und seit der Meilenaffäre im Bundestag die Diskussion, die private Nutzung zu untersagen. Und bevor die Meilen verfallen, verkaufe ich sie lieber."

In der Tat nutzen die Reisemanager der Unternehmen die aktuelle Meilendiskussion, um die bisher übliche private Nutzung dienstlich erflogener Meilen abzuschaffen. "Für uns ist das ein Anlass, mit der Lufthansa in einen neuen Dialog einzusteigen", sagt Michael Kirnberger, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).

Zwar gibt es schon in einigen Großunternehmen die Praxis, Mitarbeiter per Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder per freiwilliger Selbstverpflichtung zur dienstlichen Nutzung ihrer Meilen zu verpflichten. Doch das ist in der Praxis nur mit sehr hohem Aufwand umzusetzen. Eine fast hundertprozentige Kontrolle ermöglicht etwa das Computerprogramm CBS, das von der HLC Consulting aus Herzogenaurach entwickelt wurde. Der Einsatz lohnt sich wegen der Anschaffungs- und Aktualisierungskosten - einmalig 2500 Euro, außerdem 550 Euro pro Jahr ohne Personalaufwand - aber nur für Großunternehmen, denn nach Expertenansicht lassen sich auf diese Weise etwa bei Lufthansa bestenfalls drei Prozent des Flugumsatzes zurückholen. Die Anschaffung rechnet sich deshalb erst bei gut sechsstelligen LH-Flugumsätzen.

Aber selbst dann nutzen die Unternehmen nur in Ausnahmefällen Bonusmeilen für Dienstreisen. Denn zu den für Geschäftsreisenden interessanten Zeiten frühmorgens sowie zwischen 18 und 21 Uhr sind fast keine Miles&More-Plätze verfügbar. Weichen die Manager auf andere Zeiten aus, geht das zu Lasten der Arbeitsstunden oder aber sie müssen zusätzlich übernachten, was die Ersparnis durch das Gratisticket meist mehr als wettmacht. Nur wenn das Travel Management den Beschäftigten die Mitgliedschaft in bestimmten Programmen vorschreibt und Freiflüge etwa bei Schulungen oder Langfristaufenthalten frühzeitig geplant werden können, lassen sich die Flugkosten um bis zu zehn Prozent senken, sagt Ravindra Bhagwanani, Inhaber der Vielfliegerberatung Global Flight Management aus Offenbach: "Aber den Aufwand scheuen die meisten Firmen."

Den Unternehmen schwebt eine radikalere Lösung vor: "Wir plädieren dafür, nur noch für Privatflüge Meilen gutzuschreiben und Firmen stattdessen vorab höhere Rabatte zu gewähren", sagt Kirnberger. Ziel sind so genannte Triple-Net-Fares. Während die bisherigen Preise Reisebüroprovisionen, zum Jahresende ausbezahlte Großkundenrabatte und einen Aufschlag für die Meilen enthalten, sind beim Prinzip Dreifach-Netto alle Zuschläge rausgerechnet.

Ob Lufthansa - außer bei Großkunden - darauf eingeht, ist fraglich. "Sinn der Bonusprogramme ist es ja gerade, dass Reisende ihre Interessen geltend machen", so ein Lufthanseat, "auch wenn das für das Unternehmen mit Mehrkosten verbunden ist."

Somit wird es auf Ebay wohl noch eine Weile Meilenversteigerungen geben.

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