Lufthansa will wieder Personal einstellen
Börsianer fliegen auf Billig-Airlines

Lufthansa, Air France und British Airways erholen sich nur langsam von den Folgen des 11. September. Die aggressive Expansion der Billig-Airlines macht ihnen das Leben zusätzlich schwer. Experten raten dazu, neben den günstigen Flugtickets auch die Aktien der erfolgreichen Billigheimer zu beachten.

HB DÜSSELDORF. Die drei Großen der zivilen Luftfahrt in Europa haben stark gelitten unter den Terroranschläge in den USA. Das Passagieraufkommen von Lufthansa, Air France und British Airways hat sich in der Folge drastisch verringert. Neuerdings verkündet Lufthansa aber wieder gute Nachrichten: "Die Passagiere kommen wieder", sagte Lufthansa-Chef Jürgen Weber jetzt gegenüber Journalisten. Billigflieger wie Ryanair und Easyjet traf die Krise dagegen kaum. Sehr bald waren ihre Maschinen wieder gut besetzt. Entsprechend besser entwickelten sich ihre Aktienkurse.

Schon im Oktober erreichten die Papiere der irischen Ryanair mit 5,32 ? wieder den Wert, den sie vor dem 11. September hatten. Auch Easyjet notierte schon bald wieder auf dem alten Niveau um die 8 ?. Die Aktien der Lufthansa erholten sich dagegen vergleichsweise langsam. Nach dem Sturz bis auf 9 ? im September sind sie derzeit knapp 20 ? wert. Experten sehen die Billigflieger als "ernstzunehmende Konkurrenz" für die Branchenführer - und zwar nicht nur in der Luft, sondern langfristig auch an der Börse. "Die etablierten Fluggesellschaften begreifen erst jetzt, wie gefährlich ihnen die Billigflieger werden können", sagt Analyst Chris Logan von Goldman Sachs und weist auf jährliche Wachstumsraten von 25 % hin. Derzeit liegt der Marktanteil in Europa bei rund 7 %.

Ryanair hat kürzlich zehn neue Strecken von Frankfurt Hahn eröffnet, plant weitere deutsche Flughäfen anzufliegen und will in den nächsten zwei Jahren innerdeutsche Flüge anbieten. "Wenn es Ryanair gelingt, auf dem zweitgrößten Markt in Europa Fuß zu fassen, dann steht einer weiteren Expansion nichts mehr im Wege", schätzt Logan. Sein Kursziel von 7 ? hat die Aktie bereits erreicht. Easyjet läuft bei Logan wie Ryanair als "Market Outperformer", wird sich seiner Auffassung nach also besser entwickeln, als der Markt. Mit knapp 9 ? notiert die Aktie fast wieder auf ihrem 52-Wochen-Hoch.

Auf die Liste seiner eindeutigen Kaufempfehlungen setzt Logan aber nur das Papier von Air France mit einem Kursziel von 22 ?. Davon ist die Aktie zwar noch gut 2 ? entfernt, aber Logan zufolge haben die Franzosen vor allem im Westafrika-Geschäft davon profitiert, dass Konkurrenten wie Sabena, Air Afrique und Swissair in massive Schwierigkeiten geraten sind.

Air France profitiert von der Konkurrenzlosigkeit

Auch Analyst Andrew Lobbenberg von JP Morgan erhöhte das Kursziel für Air France von 15 auf 20 ?. Nachdem die halbstaatliche Gesellschaft gute Ergebnisse für das dritte Quartal präsentiert hatte, erwartet er für das Gesamtjahr einen Gewinn. In seinen Augen ist das Air-France-Papier derzeit auch deshalb die attraktivste Flug-Aktie in Europa, weil das Unternehmen bislang keine harten Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften durchzustehen hatte. Außerdem ist in Frankreich der Preiskrieg mit den Billigfliegern noch nicht ausgebrochen. Auf den britischen Inseln drückt die Konkurenz mit Ryanair und Easyjet schon längst auf die Gewinnmargen. BAs Konter mit der eigenen Billigairline Go blieb erfolglos.

Anthony Bor von Merill Lynch sieht nicht nur Air France, sondern auch Lufthansa als "starken Kauf". Beide Unternehmen "können aus den Fehlern von British Airways lernen", sagt er. Tatsächlich hat Lufthansa bislang darauf verzichtet, einen Billiganbieter ins Leben zu rufen. Allerdings erhielt das Unternehmen kürzlich einen Dämpfer, als das Bundeskartellamt dem Carrier untersagte, auf der Strecke Frankfurt-Berlin selber neue Billig-Preise zu etablieren.

Immerhin kündigte Lufthansa vergangenen Freitag an, demnächst wieder häufiger über den Atlantik zu fliegen. Mit dem Start des Sommerflugplans am 31. März soll die Frequenz der Verbindungen im Vergleich zum Winterflugplan um 40 Prozent steigen. Am Boden wird dies laut Lufthansa zur Einstellung neuen Personals führen.

Spannend für Lufthansa dürfte es werden, wenn Easyjet ins Land kommt. Der Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou scheut keineswegs den direkten Wettbewerb mit den Großen. Während Ryanair noch auf zweitklassige Flughäfen ausweicht, um Gebühren zu sparen, hat Easyjet sich bereits um Start- und Landerechte auf großen Flughäfen wie London Gatwick beworben.

"Eine weitere ernstzunehmende Konkurrenz wächst der Lufthansa mit dem deutschen Anbieter Germania heran", sagt Analyst Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank. Der einstige, noch nicht börsennotierte Beamten-Shuttle zwischen der alten und neuen Hauptstadt will sein Streckennetz ausbauen. Germanias Ziel ist ein Einheitspreis von maximal 99 ? auf allen innerdeutschen Strecken. Weinreich glaubt, dass sich die Lufthansa-Aktie schwächer entwickeln wird als der Markt insgesamt. Die Fluglinie habe 2001 im europäischen Passagierverkehr Marktanteile verloren und anders als Air France bislang nicht zurückerobert.

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