Luftoffensive „Angst und Schrecken“ fortgesetzt
US-Truppen stoßen auf heftigen Widerstand

Die alliierten Streitkräfte haben am Samstag erstmals mit massiven Tag- und Nachtangriffen auf die Millionenstädte Bagdad und Basra ihre Luftoffensive "Angst und Schrecken" fortgesetzt. Die Iraker leisten jedoch hartnäckigen Widerstand.

dpa BAGDAD/WASHINGTON/BERLIN. Das von Schiiten bewohnte südirakische Basra, eine der größten Städte des Landes, soll nach Berichten des TV- Sender BBC von alliierten Truppen eingenommen worden sein. Auch Nasirija mit der strategisch wichtigen Euphratbrücke und die südliche Hafenstadt Umm Kasr sollen in der Hand amerikanischer und britischer Truppen sein. Hunderte irakischer Soldaten hätten sich ergeben. Dies wurde zunächst von keiner Seite offiziell bestätigt.

Bei den schweren Bombardierungen wurden Regierungsgebäude im Zentrum Bagdads, Paläste von Präsident Saddam Hussein und Ziele im Umland zerstört, wie dpa-Korrespondenten aus der Hauptstadt berichteten. Um den Angreifern die Sicht zu nehmen, hätten die irakischen Verteidiger mit Öl gefüllte Gräben um Bagdad in Brand gesetzt. Luftangriffe gab es auch in den nordirakischen Städten Mosul und Kirkuk. Nach Angaben des Pentagon ergab sich im Südirak die 51. irakische Infanteriedivision. Dies wurde von Bagdad bestritten.

Luftwaffen der Alliierten flogen 3000 Einsätze

Erstmals wurden Bagdad und Basra auch tagsüber immer wieder bombardiert. In Basra wurden dabei nach Berichten von des arabischen Fernsehsenders El Dschasira 50 Menschen getötet. Das irakische Gesundheitsministerium sprach von drei Toten und mehr als 250 Verletzten in Bagdad. Nach britischen Militärangaben flogen die Luftwaffen der Alliierten 3000 Einsätze. Weitere 8000 britische Elite-Soldaten marschierten laut BBC in den Irak ein, um die Ölfelder im Südirak abzusichern.

Bei der Kollision von zwei britischen "Sea King"-Hubschraubern über dem Persischen Golf kamen sechs Briten und ein Amerikaner ums Leben. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete, wurden außerdem vier US-Soldaten in einem Hinterhalt getötet. Damit haben die Alliierten bislang offiziell 25 Soldaten verloren.

Die zuvor von den USA angedrohten massiven Luftschläge hatten am Freitagabend mit einem Bombenhagel auf die Hauptstadt und andere irakische Zentren begonnen. Wie aus dem Pentagon verlautete, wurden bis zu 1500 Marschflugkörper und Präzisionsbomben eingesetzt. Bei den Angriffen waren auch strategische Bomber vom Typ B-52 und der Tarnkappenbomber B-2 im Einsatz.

"Es waren in kurzer Folge mehr als 30 Detonationen zu hören", berichtete ein dpa-Korrespondent in Bagdad. Die Erde habe unter den schweren Explosionen gebebt. Neben anderen Regierungsgebäuden seien auch Teile des Palastes der Republik von Präsident Saddam Hussein und der historisch bedeutende El-Zuhour-Palast zerstört worden. Bagdad habe aber weiter Strom und Wasser.

Die "grundlegende Absicht" der schweren Bombenangriffe auf die irakische Hauptstadt sei es gewesen, "das Risiko zu minimieren, dass das irakische Regime Massenvernichtungswaffen einsetzt", sagte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon. Deswegen seien vor allem Kommunikationsanlagen zerstört worden.

Hartnäckiger Widerstand irakischer Truppen

Nach ihrem ersten schnellen Vormarsch durch die südirakische Wüste stießen Einheiten der 7. US-Kavalleriedivision auf dem Weg nach Bagdad am Samstag auf hartnäckigen Widerstand irakischer Truppen. Der US-TV-Sender CNN berichtete von Artilleriebeschuss und Abwehrfeuer gegen US-Kampfhubschrauber. Die amerikanische Einheiten seien aber bereits bis auf 250 Kilometer auf Bagdad vorgerückt, meldete der Sender. Die irakische Armee hat nach Angaben des britischen Generalstabschefs Sir Michael Boyce "praktisch alle" Öl- und Gasanlagen im Lande vermint.

Bei einem US-Luftangriff auf ein Lager von mutmaßlichen Mitgliedern des El-Kaida-Netzwerkes, der Ansar-el-Islam-Miliz, im Nordirak soll es nach Berichten von El Dschasira Dutzende von Todesopfern und Verletzten gegeben haben. Nach einem Bericht des TV-Senders CNN Türk sind rund 1000 türkische Soldaten in den Irak einmarschiert. Dies wurde vom türkischen Generalstab dementiert, jedoch von US-Militärs bestätigt. Nach Darstellung Ankaras sollen damit irakische Flüchtlinge abgefangen und das Eindringen kurdischer Rebellen verhindert werden. Auch will die Türkei offenbar die Gründung eines Kurdenstaates im Nordirak unterbinden.

Eingreifen der Türkei in den Irak-Krieg

Bei einem Eingreifen der Türkei in den Irak-Krieg will die Bundesregierung die deutschen Soldaten aus den AWACS- Aufklärungsflugzeugen der NATO abziehen. Das kündigte Außenminister Joschka Fischer nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts an.

Erneut demonstrierten am Samstag in zahlreichen deutschen Städten und Kommunen mehrere zehntausend Menschen gegen den Krieg im Irak. In Berlin gingen rund 30 000 Demonstranten auf die Straße, mehrere tausend auch in Hamburg, München, Düsseldorf und Heidelberg. In Frankfurt am Main versammelten sich rund 15 000 Kurden, um gegen den angeblichen Einmarsch türkischer Truppen im Nord-Irak zu protestieren und ihr Frühlingsfest Newroz zu feiern.

Auch in Großbritannien, Frankreich und Dänemark demonstrierten Zehntausende gegen den Krieg, in London allein 100 000. Papst Johannes Paul II. sprach von einer "Bedrohung für das Schicksal der Menschheit".

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