Luftschiffbauer bittet Mitarbeiter um Gehaltsaufschub – Öffentliche Hand als letzte Rettung – Aktie bricht weiter ein
Cargolifter steht dicht vor der Insolvenz

Die Lage beim deutschen Luftschiffbauer Cargolifter wird von Tag zu Tag aussichtsloser. Auf der verzweifelten Suche nach frischem Kapital stößt die Brandenburger Firma auf wenig Verständnis: Boeing will nicht aushelfen, die Bundesregierung zögert. Letzte Hoffnung: Ein Kredit des Landes Brandenburg.

BERLIN/DÜSSELDORF. Die Tage der Cargolifter AG sind offenbar gezählt. Die liquiden Mittel des Luftschiffbauers aus dem brandenburgischen Brand reichen nur noch bis Ende Mai, falls die von der öffentlichen Hand erhoffte Finanzspritze ausbleibt. Es sei nur noch eine Frage von Tagen und nicht von Wochen, bis das Unternehmen Insolvenz beantragen müsse, bestätigte eine Sprecherin gestern. Die Lohnzahlungen am Ende des Monats sind der kritische Punkt, der den baldigen Gang zum Insolvenzrichter erforderlich macht.

Auf der Kostenseite kämpft der Luftschiffbauer längst verzweifelt um jeden Euro. Der Betriebsrat des Unternehmens, Dirk Stöckmann, bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, das Management habe den rund 500 festen Angestellten mitgeteilt, die für Ende Mai fälligen Gehaltszahlungen um rund vier Wochen zu verschieben. Wie viele Mitarbeiter diesem Appell zugestimmt haben, konnte Stöckmann nicht sagen. Er betonte aber, die Loyalität gegenüber Cargolifter sei noch immer hoch: Lediglich zwei Mitarbeiter hätten seit Januar gekündigt. Dagegen verlieren immer mehr Aktionäre den Glauben an Cargolifter: Bis zum gestrigen Nachmittag stürzte der Kurs um weitere 27 % auf nur 1,90 Euro ab.

Das Geld von Cargolifter wird knapp

Aus privater Hand kann Cargolifter nicht mehr auf eine Rettung hoffen: Auch der US-Konzern Boeing, der sich für die Luftschiff-Technologie interessiert, will kurzfristig kein Kapital zur Verfügung stellen. "Boeing wird da nicht aushelfen", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Der Luftfahrtkonzern wolle lediglich prüfen, ob das Prinzip "Leichter als Luft" auch für andere Geschäftsfelder, insbesondere für militärische Zwecke genutzt werden kann. Über eine Absichtserklärung zur möglichen Kooperation (Letter of Intent) kamen die Unternehmen bisher nicht hinaus. Die Prüfung, ob ein Engagement bei Cargolifter überhaupt Sinn mache, werde noch mehrere Wochen in Spruch nehmen, betonte der Sprecher. Bis dahin allerdings reicht Cargolifter das Geld nicht mehr.

Der Bund zögert noch

Letzte Hoffnung des Luftschiffbauers ist deshalb die öffentliche Hand. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte dem Handelsblatt, in der vergangenen Woche sei ein Schreiben des Cargolifter-Managements an Bundeskanzler Gerhard Schröder eingegangen - mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Eine Antwort sei noch offen. Im Bundeswirtschaftsministerium bestätigte ein Sprecher, mit Cargolifter sowie auch mit der brandenburgischen Landesregierung würden weiterhin intensive Gespräche geführt. "Ob wir Cargolifter unterstützen, ist noch offen", sagte ein Sprecher der Behörde. Noch immer fehlten dem Ministerium allerdings entscheidende Informationen von Cargolifter zur langfristigen Finanzierung und zur technischen Realisierbarkeit, bemängelte er allerdings: "Vorher können wir nicht aktiv werden." Eine Cargolifter-Sprecherin betonte indes, alle notwendigen Unterlagen seien im Ministerium eingegangen. Um die akute Liquiditätskrise zu überwinden, hofft Cargolifter auf einen Überbrückungskredit der brandenburgischen Landesregierung.

Deren Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß fordert bisher allerdings ein Signal des Bundes, bevor seine Regierung über eine Finanzspritze entscheiden könne. In einer Kabinettssitzung am heutigen Dienstag ist Cargolifter dennoch ein Hauptthema. Schnelle Entscheidungen in Form des erwünschten Darlehens in Höhe von 50 Mill. Euro oder der Realisierung einer Cargolifter bereits zugesicherten Bund-/Land-Bürgschaft von 35,8 Mill. Euro seien aber nicht zu erwarten, heißt es aus dem Ministerium. Ob Fürniß angesichts der schwierigen Finanzlage des Landes aushelfen kann, ist ohnehin fraglich. Vor einigen Wochen war es Fürniß nur mit Mühe gelungen, zusätzliche Mittel aus dem laufenden Haushalt für den Bau der Intel-Chipfabrik in Frankfurt/Oder bereitzustellen. Cargolifter benötigt bis zur Serienfertigung seiner Luftschiffe nach eigenen Angaben noch Mittel in Höhe von 420 Mill. Euro.

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