Luftschiffenthusiasten rücken zusammen
Gemeinsame Rettungsversuche für Cargolifter

In knapp vier Wochen könnte die Vision vom Luftschiffbau im südbrandenburgischen Brand ausgeträumt sein. Am 18. September entscheidet die Gläubigerversammlung über das Schicksal des insolventen Unternehmens.

ddp. KRAUSNICK. Liegt dann kein glaubwürdiges Konzept auf dem Tisch, könnten die Firma zerschlagen und das Vermögen verwertet werden. So weit wollen es Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, Cargolifter-Vorstand, Aktionäre und Freunde des Projektes nicht kommen lassen. Aber neben der begrenzten Zeit lassen Streit zwischen den Akteuren und unabgestimmte Handlungskonzepte die Hoffnung schwinden.

Als sich kürzlich Vertreter der Aktionärsinitiative "Zukunft in Brand", Manager, Abgesandte des Insolvenzverwalters, noch in der Firma Beschäftigte, freigestellte und Ex-Mitarbeiter in Landhotel Krausnick trafen, flogen die Fetzen. Angestaute Enttäuschung und Frustration wurden laut. Viel war von Versäumtem die Rede, gegenseitige Kritik an einzelnen Schritten wurde laut, Misstrauen war spürbar. Die Aktionärsvertreter um Mirko Hörmann sahen sich ungenügend durch Mönning einbezogen, sie warfen ihm vor, Investoren zu verprellen. "Die Abschaltung der Homepage von Cargolifter im Auftrag des Insolvenzverwalters war falsch. Die geringe Einsparung steht in keinem Verhältnis zum Imageschaden, vielleicht bringen wir die Homepage selbst wieder in das Netz", sagte Hörmann.

Konzept von Vorstandschef Wolfgang Schneider

Der Wille, den Standort zu retten, führte in Krausnick aber auch zu ersten Annäherungen. Vorstand und Aktionärsinitiative wollen nun am Freitag in Frankfurt am Main versuchen, zu einem abgestimmten Vorgehen zu finden. Dabei wird es um das Konzept von Vorstandschef Wolfgang Schneider gehen. Er will Vermögen, Technologie und Mitarbeiter in eine Betriebsgesellschaft einbringen, um die Fortsetzung der Arbeiten zu ermöglichen. In das Projekt könnten sich die Aktionäre mit ihrer entstehenden eigenen Gesellschaft und den gesammelten Mitteln einbringen. Die Leichter-als-Luft-Technologie soll weiterentwickelt und eine Fertigung in der riesigen Luftschiffhalle in Gang gesetzt werden. Neben eigenen Produkten setzt Schneider auf Lohnarbeit mit den Maschinen zum Zuschneiden und Schweißen von Kunststofffolien sowie Untermieter, die nicht belegte Teile der Halle nutzen.

"Es fehlt ein Produkt, das Investoren Hoffnung auf eine Zukunft und Gewinne vermittelt", sagte Grünen-Landeschef Roland Vogt nach den Gesprächen. Die künftige Erzeugnispalette müsse diversifiziert werden, allein mit der Leichter-als-Luft-Technologie werde der Standort zunächst nur schwer zu halten sein. Vogt, der die Bemühungen um den Erhalt des Luftschiffbaus durch eigene Zahlungen auf das Konto der Aktionärsinitiative und politisches Engagement unterstützt, setzt auf mehr Gemeinsamkeit. "Ich hoffe, alle die für den Erhalt von Brand wirken, kommen an einem Tisch zusammen und erarbeiteten ein Konzept", betonte er. "Von Cargolifter hängt das Schicksal vieler Familien ab."

Initiativen von Aktionären

Mit eigenen Initiativen werden die Aktionäre um Hörmann das Vorstandskonzept ergänzen. "Wir wollen ein kleineres Luftschiff mit 20 bis 60 Tonnen Tragfähigkeit bauen lassen, wobei Technologien anderer Hersteller genutzt werden", kündigte Hörmann an. "Es gibt dazu Kontakte mit Firmen in mehreren Ländern. In zwei oder zweieinhalb Jahren könnte das Luftschiff bei den Kunden sein." Parallel wirkt die Initiative mit der Wirtschaftsfördergesellschaft des Dahme-Spreewald-Kreises zusammen, die ein Luftfahrttechnologiezentrum installiert. Erste Ex-Mitarbeiter von Cargolifter sollen in den nächsten Tagen dort tätig werden. Letztlich wird die Frage, ob Investoren gefunden werden, das Schicksal von Cargolifter entscheiden. Zumindest in dieser Frage sind sich alle trotz des Streits über Details einig.

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