Lukrative Einnahmequelle für Web-Portale
Kostenlose Web-SMS vom Aussterben bedroht

Der kostenlose Versand von SMS über das Internet ist vom Aussterben bedroht. "Die Zeiten, in denen Free SMS für jeden Anbieter zum guten Ton gehörte, sind vorbei", sagt Sigurd Jaiser von der Düsseldorfer Firma Netzquadrat, die unter anderem die Internetportale "billiger-telefonieren.de" und "sms.de" betreibt.

HAMBURG. Wer heute SMS aus dem Internet verschicken will, muss sich registrieren lassen und die SMS in den meisten Fällen auch bezahlen. So hat beispielsweise O2, ehemals Viag Interkom, die Preise pro Web-SMS von 2 auf 5,5 Cent mehr als verdoppelt. Als Grund für die Einschränkungen nennt die Branche die anhaltende Flaute im Werbemarkt und "drastische Preiserhöhungen" von Seiten der Mobilfunkgesellschaften.

18 Milliarden Euro Umsatz im Jahr

Das Geschäft mit SMS, das wissen alle Beteiligten, hat großes Potenzial. Knapp 18 Milliarden Euro, so schätzt Analystin Michelle de Lussanet von Forrester Research, werden in Europa allein in diesem Jahr mit SMS umgesetzt. Monat für Monat werden im Schnitt 156 Millionen Kurznachrichten verschickt. Ihr Anteil am Umsatz der Telefongesellschaften beläuft sich nach Berechnungen von Forrester schon heute auf 12 Prozent, Tendenz steigend.

Nun wollen auch die Internet-Unternehmen an den Kurznachrichten verdienen. Web.de berechnet den Kunden seit Anfang des Jahres bis zu 15 Cent pro SMS. "E-Mail bleibt weiterhin umsonst, aber digitale Dienste wie SMS stellen wir in Rechnung", sagt Pressesprecher Andreas Horst.

Bei AOL Deutschland ist der SMS-Versand seit Oktober vergangenen Jahres kostenpflichtig und schlägt derzeit mit 9 Cent zu Buche. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Stefan Keuchel ist dies aber immer noch günstiger als eine Kurznachricht von Handy zu Handy, die je nach Anbieter und Tarif bis zu 20 Cent koste.

Kaum noch gebührenfreie Alternativen

Die Hoffnung der Branche auf zusätzlich Einnahmen scheint sich zu erfüllen. Trug beispielsweise bei Web.de der Bereich "digitale Dienste" im dritten Quartal 2001 noch fünf Prozent zum Gesamtumsatz bei, sind es nun, nach Einführung der kostenpflichtigen SMS, bereits 23 Prozent.

Die Zahl der monatlich verschickten SMS sackte nach Angaben von Investor Relations-Manager Richard Berg allerdings von knapp 25 Millionen auf etwa 1,8 Millionen ab. Auch bei AOL brach die Zahl der monatlich verschickten SMS nach der Einführung des neuen Kostenmodells ein. Wie Pressesprecher Keuchel betont, liegt die Zahl inzwischen wie zuvor "im hohen einstelligen Millionenbereich".

"Da es im Netz kaum noch gebührenfreie Alternativen gibt, wird unser Preismodell von den Mitgliedern voll und ganz akzeptiert", sagt er. Tatsächlich gibt es aber nach wie vor Seiten im Netz, die das kostenlose Versenden von SMS zulassen. Um die Kosten im Rahmen zu halten, bieten sie diesen Service in den meisten Fällen jedoch nur registrierten Kunden an und limitieren die Zahl der SMS streng. Bei "sms.de" sind es drei pro Tag. "Mehr ist beim besten Willen nicht mehr drin", sagt Jaiser.

Auch hinter der Registrierungspflicht steht betriebswirtschaftliches Kalkül: Der Portalbetreiber erhält wertvolle Informationen über den Nutzer und seine Interessen und kann sich um zielgruppengerechte Werbung bemühen.

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