Lula verpasst absolute Mehrheit nur knapp
Sozialisten triumphieren bei Wahl in Brasilien

Die Linke hat die Wahlen in dem südamerikanischen Land klar gewonnen. Allerdings muss Kandidat Lula zu einer Stichwahl antreten. Er verpasste die absolute Mehrheit knapp.

dpa RIO DE JANEIRO. Die Linke hat bei den Präsidentenwahlen in Brasilien mit dem Sieg des Sozialisten Luiz Inácio Lula da Silva einen historischen Triumph errungen. Der frühere Gewerkschaftschef Lula verpasste jedoch nach letzten Angaben der Wahlbehörde TSE die absolute Mehrheit. Lula muss sich deshalb am 27. Oktober dem Zweitplatzierten, dem Kandidaten der Mitte-Rechts-Regierung, José Serra in einer Stichwahl stellen. Der 57-Jährige Vorsitzende der Partei der Arbeiter (PT) wäre der erste linksgerichtete Präsident der neuntgrößten Volkswirtschaft der Erde.

Die nationale Wahlbehörde TSE teilte am späten Sonntagabend (Ortszeit) nach Auszählung von mehr als 60 % aller Wahllokale in Brasilia mit, Lula habe 46,9 % aller Stimmen bekommen. Der frühere Gesundheitsminister Serra (60) erhielt danach 23,99 %. Mit großem Rückstand folgt auf Platz drei der linksgerichtete Ex- Gouverneur des Bundeslandes Rio, Anthony Garotinho, mit 16,30 % vor dem Regionalpolitiker Ciro Gomes mit 12,40 %. Es wird erwartet, dass Lula in der zweiten Runde sowohl die Unterstützung von Garotinho als auch von Gomes bekommt.

"Es steht wohl fest, dass es eine zweite Runde gibt", räumte unterdessen der PT-Sprecher Marco Aurelio Garcia ein. "Ich habe keine Angst vor der zweiten Runde", sagte Lula in einem ersten Kommentar. Danach hüllte er sich wie sein Rivale Serra von der Partei der Sozialdemokratie Brasiliens (PSDB) in Schweigen.

Am Sonntag waren 115 Mill. Brasilianer aufgerufen, neben dem Staatspräsident auch den Kongress in Brasilia, die Landesparlamente der 26 Bundesländer und des Bundesdistrikts Brasilia sowie die Gouverneure neu zu bestimmen. Der scheidende Präsident Fernando Henrique Cardoso von der PSDB durfte gemäß Verfassung nach zwei je vierjährigen Amtszeiten nicht mehr antreten.

Nach den vorläufigen Zahlen erreichten Kandidaten von Lulas PT auch die Stichwahl in den zwei wichtigsten Ländern, Rio de Janeiro und Sao Paulo. Die PT will die Zahl ihrer Gouverneure auf zehn verdoppeln. Im Bundesparlament wird sie allerdings laut Wählerumfragen trotz leichter Verbesserung nur auf rund 30 % kommen.

Der Urnengang verlief zwar friedlich, er wurde aber von großen Verzögerungen überschattet. An vielen Orten im Land Sao Paulo und im Bundesdistrikt Brasilia warteten Wähler nach 21.00 Uhr Ortszeit, vier Stunden nach der geplanten Schließung der Wahllokale, immer noch auf ihre Stimmabgabe. Auch in Rio und anderen Ländern kam es zu erheblichen Problemen. Nach Medienberichten bildeten sich häufig kilometerlange Schlangen. Viele Wähler mussten bei Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius bis zu vier Stunden in der Schlange auf die Stimmabgabe warten. Ein Rentner starb dabei.

Die Verzögerungen kamen laut TSE zu Stande, weil mehr als 5000 der insgesamt knapp 400 000 Wahlmaschinen technische Probleme hatten und ausgetauscht werden mussten. Zudem seien viele Wähler mit der Technik nicht klargekommen, hieß es. Die 1996 eingeführten Wahlmaschinen wurden in Brasilien erstmals im ganzen Land und sogar in entlegenen Indio-Reservaten im Dschungel eingesetzt.

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