Luxus läuft
Maßgeschneiderte Kanonenkugeln aus Manufakturen

Käufer teurer und extrem schneller Autos wollen aber immer seltener Massenware. Heute ist Maßgeschneidertes gefragt.
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DÜSSELDORF. Es wird immer schwerer, als Autofahrer auf der Düsseldorfer Promeniermeile Königsallee noch aufzufallen. Das muss an diesem Nachmittag auch der Besitzer eines kanariengelben Porsche-Cabriolets erfahren, als er aus seinem Flitzer aussteigt, sich die Sonnenbrille ins leicht ergraute Haar schiebt und nach bewundernden Blicken giert. Doch der Papagallo erntet nicht mehr Aufmerksamkeit als die unzähligen echten und gefälschten Louis-Vuitton-Handtaschen, die dort ausgeführt werden.

Mehr Erfolg hat kurze Zeit später ein Mittvierziger, der in einem dunkelgrünen Roadster an die Ampel rollt. Die Form erinnert an alte Jaguar-Rennwagen, der aufwendig mit Leder verkleidete Innenraum und der kernige Motorsound verraten, dass es sich hier nicht um eine billige Oldtimer-Replika auf VW-Käfer-Basis handelt. Cartiergeschmückte Frauen stupsen ihre Partner an und zeigen auf das schmucke Gefährt, ein Sportwagenfahrer hält beim Aussteigen anerkennend den Daumen hoch. Seine Aufmerksamkeit gilt einem Wiesmann-Roadster. Im westfälischen Dülmen in kleiner Serie von Hand gebaut, und zwar genau so, wie ihn sein Besitzer haben will. Das Geschäft mit dem automobilen Luxus brummt.

Die kaufkräftige Klientel hat immer ausgefallenere Wünsche, der Ruf nach maßkonfektionierter Ware wird immer größer. Das haben auch die Großserienhersteller erkannt. Wem ein BMW von der Stange zu wenig exklusiv ist, der kann das gute Stück bei BMW Individual, einer Tochter des Münchner Autohauses, nach eigenen Wünschen modifizieren lassen, ganz gleich ob der Wagen in der Farbe des Lieblingslippenstifts lackiert oder der Innenraum mit Walknappaleder verkleidet werden soll.

Spirale der Exklusivität

Doch vielen Kunden reicht das nicht mehr. Sie bevorzugen eines der raren Manufakturprodukte, Autos, die zum überwiegenden Teil von Hand gebaut werden. Die ersten Jahresproduktionen des BMW-Ablegers Rolls-Royce Phantom und des Maybach, edelster Spross aus dem Hause DaimlerChrysler, sind bereits ausverkauft. Und das, obwohl keines dieser Fahrzeuge unter 315 000 Euro zu haben ist. Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, kennt die Gründe für den Ruf nach Außergewöhnlichem. "Es gibt eine Spirale der Exklusivität. Je mehr Autos Hersteller wie Porsche und Ferrari verkaufen, desto geringer wird für die Käufer die Wahrscheinlichkeit, mit einem solchen Auto aufzufallen", so Diez. "Manch einer greift dann lieber zum Kleinserienmodell, selbst wenn er dafür bei einigen Herstellern Einschränkungen hinnehmen muss."

Indem er etwa auf ABS, Airbag und andere Helfer verzichtet, die das Autofahren sicherer machen. Derlei Extras gibt es bei der britischen Sportwagenschmiede TVR weder für Geld noch für gute Worte. Wer einen der im Seebadeort Blackpool gebauten Flitzer kauft, hat andere Präferenzen: Er will einfach auffallen. 60 000 Euro kostet das Einstiegsmodell Chimaera, ein kleines Cabrio mit Kulleraugen, das bis zu 257 Kilometer in der Stunde läuft. Wer es richtig wild mag, kauft sich für 125 000 Euro den T440R, ein Kohlefasermonster mit einem riesigen, von TVR selbst entwickelten Sechszylindermotor. Der katapultiert den Wagen in 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht erst bei 340 sein Tempolimit.

Rund 1000 Fahrzeuge pro Jahr produziert TVR in Handarbeit. Wer solche Kanonenkugeln kauft? Zum Beispiel Fußballikone David Beckham, der unter anderem einen TVR Cerbera sein eigen nennt. Etwa 95 Prozent der Produktion des 450-Mann-Betriebs werden in Großbritannien verkauft, die restlichen fünf Prozent gehen in die USA, nach Japan, Deutschland, Belgien und in die Niederlande. Besonders beim Absatz außerhalb des Heimatmarktes sieht das Unternehmen Wachstumspotenzial. Das größte Hindernis war bisher, dass die Fahrzeuge das Lenkrad auf der rechten Seite hatten. "Wir werden künftig mehr Modelle für den europäischen Rechtsverkehr bauen", sagt eine TVR-Sprecherin. "Unsere Autos sollen in ganz Europa verkauft werden."

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