Luxus-Uhren
Nachfrage größer als Angebot

Während der Uhrenumsatz im unteren Preissegment zurückgeht, sind teure Modelle aus Edelmetall mit aufwendigen Sonderfunktionen gefragt wie selten zuvor.

 blo GENF. Das neueste Modell des Genfer Uhrenherstellers Patek Philippe, ein Chronometer aus 18 Karat Gold, kostet 175.000 Franken. Nur dreißig dieser Luxusexemplare werden jährlich produziert, dabei ist die Nachfrage deutlich größer. Die Branche floriert, trotz Konjunkturflaute. "Das obere Preissegment zeigt sich resistent gegen Konjunkturschwankungen", bestätigt Scilla Huang Sun, auf Luxusaktien spezialisierte Fondsmanagerin bei Clariden Bank in Zürich. "Dort sind die Margen höher." Daher wollen LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SA und Swatch Group AG ihre Produktpalette entsprechend verlagern. Im letzten Jahr ging der Umsatz mit Uhren mit einem Herstellungspreis unter 1.200 Dollar zurück. Kostspieligere Modelle verzeichneten hingegen ein Umsatzplus von fast 30 Prozent, berichtet der Schweizer Uhrenverband. "Immer mehr Leute greifen zu aufwendig verarbeiteten Uhren", betont Phlippe Stern, Präsident von Patek Philippe. "Wir kommen mit der Produktion gar nicht mehr nach." Und dennoch sind die Hersteller von Luxusuhren vor Krisen nicht gefeit. Für Bulgari SpA wird das erste Halbjahr 2002 nach eigenen Angaben ""sehr hart". Dabei verweisen die Italiener auf die nach dem 11. September weltweit rückläufige Reisetätigkeit. Im ersten Quartal gingen die Schweizer Uhrenexporte um 4,2 Prozent zurück. Von den vier Uhren- und Schmuckherstellern, die der Branchenprimus LVMH 1999 übernommen hat, schreibt mit TAG Heuer nur eine einzige Marke schwarze Zahlen. Es braucht Zeit, das Image einer Uhrenmarke aufzuwerten, sagen Analysten. Mit Edelsteinen und komplizierten Mechanismen ist es nicht getan. Vielmehr sollten die Uhrenhersteller bei der Auswahl ihrer Händler selektiver vorgehen und die Werbung verstärken. "Wer das falsche Publikum ins Visier nimmt, fällt auf die Schnauze", warnt Bryan Roberts, Analyst bei Mintel Retail Intelligence in London. Er geht davon aus, dass die Zahl der Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 110.000 Euro in den nächsten vier Jahren 20 Prozent steigen wird. Darüber hinaus kommt die Weltwirtschaft langsam wieder in Schwung. Die USA verzeichneten im ersten Quartal ein Plus von 5,8 Prozent. Die Eurozone legte immerhin 0,5 Prozent zu, nach minus 0,2 Prozent im vierten Quartal 2001. Daher haben es die Uhrenhersteller vor allem auf wohlhabende Kunden abgesehen. "Unser Ziel ist, jede Marke aufzuwerten", erklärt Philippe Pascal, Vorstandschef von Patek Philippe. Für 2002 erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg von bis zu 14 Prozent. Batteriebetriebene Uhren der Marke "Zenith" wurden aus dem Programm genommen. Und "Ebel" setzt mit der Serie "Gems of the Ocean" neue Akzente: Die mit Diamanten, grünen Turmalinen und Blautopasen bestückten Uhren kosten zwischen 65.000 Franken und 225.000 Franken. Auch Swatch, der weltweit größte Uhrenhersteller, ist auf den Geschmack gekommen. Neben den neuen Luxusmarken "Breguet" und "Glashütte" soll auch "Longines" aufgewertet werden. Die neuen diamantbesetzten Modelle im Stil der 20er Jahre, deren Preis zwischen 16.000 Franken und 19.000 Franken liegt, sind bereits ausverkauft. Wer es nicht erwarten kann, sein Handgelenk mit einem exklusiven Chronometer zu schmücken, für den hat die Branche ab und an besonders wertvolle Stücke parat: Bei einer Uhrenauktion wurde kürzlich eine Patek Philippe aus dem Jahr 1939 für 6,6 Millionen Franken versteigert. Das Besondere daran: Sie zeigt die Uhrzeit für 42 verschiedene Metropolen an.

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