Luxus & Lebensart: Motorräder
Eintopf à la carte

Funbikes setzen nicht auf Show, sondern auf Fahrspaß pur. Die bulligen Einzylinder für Straße und Matsch gibt es ultrasanft bis knüppelhart.

Christian Mühlens schwelgt in Superlativen. "So ein Moped zu fahren, das ist wie einen Stier zu reiten und ihn dabei an den Hörnern zu packen: viel Kraft und optimale Kontrolle", sagt der Nürnberger. "Ich sitze außerdem nicht gerne in einem Motorrad, sondern lieber richtig oben drauf." Eine "Baghira Street Moto" aus dem Hause MZ verschafft Mühlens mühelos das gewünschte Gefühl. Bei einer Sitzhöhe von 850 Millimetern sind lange Beine gefragt, um an der Ampel genug Fuß an den Boden zu bekommen. Dass im Stadtverkehr manche PS-stärkere Maschine das Nummernschild dieser Flitzer zu sehen bekommt, liegt an ihrer Konstruktion: Konzeptionell stammen Baghira & Co. von den wendigen Geländemotorrädern, sprich Enduros, ab.

Trend zum Spaßbike

Wichtigste Merkmale der Klone, die Fahrspaß im Gelände ebenso bieten wollen wie beim sanften Rollen durch die City: Einzylindermotor, hoher Lenker und eine steile Vorderradgabel, dadurch aufrechte Sitzposition, lange Federwege, große Bodenfreiheit und vor allem geringes Gewicht. Viele Funbikes wiegen nur halb so viel wie eine ausgewachsene Harley-Davidson, dabei haben die stärksten von ihnen nicht viel weniger Pferdestärken unter dem Tank als die verchromten Wohlstandssymbole aus den USA. Was das für Leistungsgewicht und Beschleunigung bedeutet, lässt sich leicht erahnen.

Die Idee, Maschinen zu konstruieren, die solche Qualitäten nicht nur im Matsch, sondern auch auf der Straße ausspielen, hatten vor etwa 20 Jahren findige US-Rennfreaks: Sie bastelten Straßenbereifung sowie ein verkleinertes Vorderrad an ihre Enduros, um die Bodenhaftung und das Kurvenverhalten auf Asphalt zu verbessern. Über Frankreich kam der Trend auch nach Europa. In Deutschland hören die heißen Teile auf den Namen Supermoto und mischen derzeit den Motorradmarkt auf. Chopper, die Lieblinge vergangener Jahre, verloren in einem insgesamt rückläufigen Markt mit fast 28 Prozent dramatisch. Gewinner war das Segment der klassischen, unverkleideten Bikes, unterdurchschnittlich verloren auch die Enduros.

Wendig und kurvenfreudig

Den Trend zum Spaßbike bestätigen die Erfolge der Macher von Geländemotorrädern und Funbikes: BMW und KTM konnten deutlich zulegen, MZ leicht. Die sächsische Traditionsschmiede erkannte den Trend zum Spaßmotorrad eher als andere Hersteller. Mut zur Schräglage heißt das Credo der Zschopauer, und den animieren sie mit Maschinen mit geringem Gewicht: Die Renner lassen sich dadurch willig aufrichten und in der nächsten Kurve wieder herunterdrücken. Die Baghira gilt dabei als gelungener Kompromiss: Leicht, aber nicht ultraleicht, kräftig, aber nicht brutal. Hardcore-Fans vermissen zwar an dem relativ schweren 660-ccm-Single (von Yamaha) die Kraftentfaltung einer österreichischen KTM, andererseits sorgt die sanfte Leistungsabgabe aber für hohe Alltagstauglichkeit und macht die MZ auch für Genusssüchtige ohne Rennambitionen zu einem guten Kauf. Die Daten: 50 PS, 167 Kilo, 6490 Euro.

Noch sanfter gibt sich die F 650 CS aus dem Hause BMW, die - so Firmensprecher Jürgen Stoffregen - Kunden ansprechen soll, die bisher "im Umfeld, aber noch nicht direkt im Kontakt mit Motorrädern waren". Der Beiname "Scarver" für den neuen BMW-Einzylinder erinnert nicht zufällig an die - Carver genannten - Kurz-Skier: An Wendigkeit und Kurvenfreudigkeit soll das Münchener Radl den Pistenbrettern in nichts nachstehen. Die BMW ist ein Rennpferd mit sanftem Gemüt, für das sich die Konstrukteure einiges einfallen ließen. Wo bei anderen Motorrädern der Tank ist, findet sich bei der CS ein kleiner Stauraum, der Spritbehälter wanderte dafür unter den Sitz. Zweite Besonderheit: Erstmals wird eine BMW nicht von Kardanwelle oder Kette angetrieben, sondern von einem Zahnriemen. Diese Lösung ist sauber, komfortabel, wartungsarm und langlebig, obwohl sie auf den ersten Blick nicht so recht zu diesem Motorradtyp passen will.

KTM legt gegen den Branchentrend zu

Weniger extravagant ist das Einsatzgebiet der neuen BMW. CS steht für City Street, und tatsächlich ist die dreiwöchige Alpentour nicht ihre Domäne. Schließlich gibt es nicht einmal gegen Aufpreis einen Kofferträger, stattdessen wird ein multifunktionaler, hinter dem Fahrer festschnallbarer Rucksack angeboten. Für Wochenendtouren ins Umland genügt das, und hier fühlt sich der "Scarver" ebenso wohl wie in der Großstadt. Hauptsache, es gibt genug Kurven, dann bietet BMWs Newcomer viel Spaß. Zahlen: 50 PS, 189 Kilo, 7370 Euro. Wolfgang Felber hat für so viel Alltagstauglichkeit nur sanften Spott übrig. Die BMW sei eher etwas zum "gemütlichen Rumrollen", sagt der Entwicklungschef von KTM. "Unsere Motorräder sind auf Leistung ausgelegt." Stimmt: Die Eintopf-Maschinen aus dem österreichischen Mattighofen sind stark, edel, teuer, verkaufen sich aber - ebenso wie BMWs - hervorragend: Während der Motorradabsatz in Deutschland 2002 insgesamt um mehr als sieben Prozent zurückging,, legte KTM um fast acht Prozent zu. Das könnte daran liegen, dass die KTMs "sowohl an der Eisdiele als auch beim Fahren Spaß machen", wie Wolfgang Felber sagt. Die Optik der LC4 640 Supermoto signalisiert ihren Drang nach Fahrern, die nach dem Geländeritt lieber den Dampfstrahler draufhalten, als stundenlang mit Q-Tipps die Chromteile zu wienern.

Auch nach dem Starten wird ganze Arbeit verlangt. Der leichte Motor der LC4, ein Einzylinder von echtem Schrot und Korn, verfügt über eine ziemlich spitze Drehmomentkurve. Heißt in der Praxis: "So ein Motorrad fährt man ab 3500 Touren, darunter bockt sie etwas", wie Entwicklungschef Felber meint. Anders gesagt: Unter dieser Drehzahlgrenze kommt wenig, darüber alles, was Bikern das Adrenalin durch die Adern schießen lässt. Wer sich an diese Charakteristik erst mal gewöhnt hat, kann das Kraftpaket in vollen Zügen genießen. Die LC4 Supermoto hat 53 PS, wiegt 137 Kilo (in der zivilen Version mit Elektrostarter) und kostet 7490 Euro (in rot).

Heftige Vibrationen

Auch von KTM kommt die Duke II, eine ungewöhnliche Züchtung. Mit Alu-Felgen, reduziertem Federweg und heruntergesetztem vorderem Schutzblech hat sich die Duke auf den ersten Blick ähnlich weit von ihren Enduro-Urahnen entfernt wie BMWs Scarver. Unterschied: Die BMW ist auf Komfort, leichtes Handling und gute Manieren getrimmt, die KTM dagegen auf Leistung, Leistung, Leistung. Ein paar konstruktive Tricks entlocken dem Triebwerk 55 PS, damit läuft der Dampfhammer fast 180, was für ein Einzylinder-Motorrad sehr beachtlich ist. Preis des Spaßfürsten: 8410 Euro; Gewicht: 145 Kilo.

Jenseits solcher Leistungsgrenzen arbeiten zwei schwedische Hersteller. Die Husqvarna SM 610 S ähnelt in ihren Eigenschaften der KTM LC 4, auch ihr ist die Abstammung vom Geländemotorrad noch deutlich anzusehen. Die Werte: 58 PS, zirka 150 Kilo, 7149 Euro.

Härter noch ist Husaberg, ein junges Unternehmen, das seit 1988 von der schwedischen Halbinsel Udde kompromisslose Sportmotorräder liefert. Einige davon gibt es auch mit Straßenzulassung, so die FS 650 E. Etwa 113 Kilo bei 59 PS ergeben ein atemberaubendes Leistungsgewicht, ebenso herausragend ist der Preis von 8690 Euro. Alltagsfahrern ohne Rennsportambitionen rät Husaberg-Fahrer Andreas Melborn aus Neunkirchen im Saarland allerdings dringend vom Griff nach dem Schweden-Krad ab. "Der Pflegeaufwand ist enorm und die Leistung echt gewöhnungsbedürftig. Mit Unerfahrenen fährt das Motorrad, wohin es will", weiß Melborn. Und: "Außerdem tut dir wegen der heftigen Vibrationen schon nach 100 Kilometern erbärmlich der Hintern weh."

Weitere Infos über die beschriebenen Funbikes finden Sie unter den folgenden Internet-Adressen: www.bmwmotorraeder.de; www.muz.de/german/index.html; www.ktm. com.au; www.husqvarna.com; www.husaberg.se

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