Luxuspolicen haben ihren Preis
Prämienerhöhung für Picasso und Co.

Ein stilvolles Ambiente, edle Sammlungen, teure Teppiche und Gemälde überfordern altbackene Hausratversicherungen. Für vermögende Privatkunden gibt es daher Spezialpolicen. Rund sieben Anbieter schneidern Policen nach Maß. Doch dafür verlangen sie nun deutlich höhere Preise.

DÜSSELDORF. Karl Bauer* ist entsetzt. Seine Versicherung, die Axa Art Versicherung AG aus Köln, hat ihm zum Jahreswechsel gekündigt - obwohl er gar keinen Schaden gemeldet hatte. Wolle er den praktischen Kombivertrag für Haus und Hausrat fortführen, müsse er mehr als die Hälfte mehr an Beitrag bezahlen, so die Forderung seines Versicherers. Ein bei der Mannheimer Versicherung eilig eingeholtes Konkurrenzangebot ist sogar noch teurer.

Wie Karl B. geht es derzeit vielen vormals verwöhnten Privatkunden: Die Versicherer erhöhen zum Teil drastisch die Prämien. "Beitragserhöhungen von 25 bis 50 Prozent sind absolut an der Tagesordnung", bestätigt Versicherungsmakler Klaus Behrens vom Marktführer Aon in Mühlheim und fügt gleich hinzu: "aber auch gerechtfertigt."

Der Grund: Die harte Konkurrenzlage der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass die Versicherer sich gegenseitig mit Preisen unter- und Leistungen überboten haben. Was für Kunden zunächst von Vorteil war. "Das konnte für die Versicherer nicht lange gut gehen", resümiert Behrens. Viele Versicherer haben sich geradezu euphorisch auf die vermögende Klientel gestürzt und dabei dezent die Risiken unterschätzt. Jetzt stellen sie wieder höhere Anforderungen an die Auswahl ihrer Klientel, damit der Kreis so exklusiv bleibt, wie das Produkt.

Dieser Luxus hat einen Namen: Allgefahren-Deckung. So nennen die Fachleute Policen, die fast für jeden Schaden aufkommen. Durchschnittskunden sind demgegenüber nur gegen Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Hagel und Sturm (ab Windstärke acht) geschützt.

Die Allgefahrenpolicen drehen den Spieß großzügig um: Alles, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, ist hier versichert - beispielsweise auch der versehentlich zerkratzte Picasso. Und die wenigen unversicherten Ausnahmen beziehen sich auf die üblichen Ausschlüsse, wie Krieg, Unfälle von Kernkraftwerken oder Verschleiß. Das verstehen auch Laien.

Dabei versichern die Allroundpolicen Wertsachen ebenso großzügig wie normalen Hausrat; egal ob Bares, Schmuck, Teppiche, Antiquitäten, Gemälde, Meißner-Porzellan, Münzsammlungen, teure Sportausrüstungen, erlesene Weine oder Musikgeräte. Auch einsame Ferienhäuser, Yachten und Oldtimer sind kein Problem. All diese schönen Dinge, die bei Langfingern hoch im Kurs stehen, versichern Hausratversicherer normal nur bis zu einem Fünftel der Versicherungssumme. Ein aufwendiges Ambiente passt in dieses Korsett selten hinein. Gegen Preisaufschlag ist zwar in der Regel mehr drin. Aber wenn mehr als die Hälfte des Inventars in den Augen der Versicherer Wertsachen sind, ist meistens Schluss.

Im Gegenzug liegen die Preise für die modernen Kombipolicen durchweg über denen für den Standardschutz. Eine durchschnittliche Hausratpolice kostet laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) knapp zwei Promille pro Tausender Versicherungssumme. Wer zum Beispiel 150 000 Euro an Hausrat versichert, zahlt dafür rund 300 Euro im Jahr. Die Luxuspolicen sind teuerer und zugleich individueller. Deshalb nennen die Versicherer keine konkreten Preise. Nur so viel: Die absolute Preisuntergrenze liegt bei 2,5 Promille. Der obere Prämienkorridor bewegt sich aber zwischen fünf und acht Promille. Einzelne, besonders gefährdete Stücke, wie bruchgefährdetes Porzellan oder hochkarätiger Schmuck dürfen auch schon mal bis zu 15 Promille pro Tausender an Wert kosten.

Dieses Jahr haben vor allem die ausländischen Versicherer ihre Preise erhöht: Axa (+10 bis +20 %), Chubb und Hiscox (+15 %). Die Angelsachsen gelten als Pionier der Allgefahrenpolicen. Mit einer zum Teil agressiven Preispolitik haben Chubb und Hiscox in Deutschland den Markt für Kombiprodukte geebnet. Die großen klassischen Hausratversicherer Allianz, Axa, Gothaer und Mannheimer haben nachgezogen; Gerling folgt voraussichtlich im Mai dieses Jahres. Vorteil der Nachzügler: Sie haben sich nicht auf den Preiskampf der Platzhirsche eingelassen und können jetzt - bis auf Axa - ihre Beiträge stabil halten.

Pluspunkt Service: Da die Versicherer bei großen Vermögenswerten besonderen Wert auf Sicherheit legen, sind sie ihren Kunden in vielfältiger Weise behilflich. Das fängt bei der Begutachtung und Wertschätzung der Objekte an und reicht über Ratschläge zur richtigen Aufbewahrung (Raumtemperatur, Faden, Sicherungen) bis hin zur Vermittlung von Restauratoren. "Die Kunden nehmen unseren Service dankbar an, vor allem wenn sie in der Kunstszene nicht so drin sind", weiß Georg von Gumppenberg von der Allianz Versicherung. Er beschäftigt dafür eigens 16 Kunsthistoriker. Axa, Gothaer und Mannheimer haben ebenfalls eigene Spezialisten. Demgegenüber greifen Hiscox und Chubb auf externe Profis von den bekannten Auktionshäusern Christie?s (Hiscox) bzw. Sotheby?s (Chubb) zurück. Generell werden die Wertschätzungen alle zwei bis drei Jahre überprüft. So zahlt der Kunde bei einem Preisverfall auf dem Kunstmarkt nicht zu viel und ist umgekehrt nie unterversichert.

"Diskretion ist alles in diesem Geschäft", umschreibt Franz-Josef Becker, von der Gothaer Versicherung einen weiteren wichtigen Pluspunkt der Luxuspolicen. "Deshalb hat der Kunde es bei uns mit nur einem Betreuer zu tun, bei Abschluss wie im Schadenfall." Die Unterlagen der Kunden würde strengstens gehütet. Auktionshäuser ließen sie nicht an die Kunden ran. Ebenso verfahren Allianz, Axa und Mannheimer. Die Verlagerung des Services bei Chubb von Düsseldorf nach London wird im Markt daher als Rückzug aus dem sensiblen Geschäft gewertet. Petra Kokoscha von Chubb sieht das anders. Für sie hat die Konzentration auf London etwas mit Synergie zu tun. Chubb sei weltweit führend in der Versicherung vermögender Privatkunden. In Deutschland hingegen ist Hiscox Marktführer mit 20 000 Kombi-Kunden.

* Name von der Redaktion geändert.

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