M-Commerce als Hoffnungsträger – Neue Chancen für Biotechnologiefirmen
Wagniskapitalisten setzen auf Europa

Die Halbwertzeit von Zukunftsvisionen wird immer kürzer. So kurz, dass drei Buchstaben reichen müssen, um sie zu beschreiben. Erst kam C2C (Consumer-to-Consumer), das Internet als Quelle für Informationen und zum Austausch zwischen Netznutzern, dann B2C (Business-to-Consumer), der von euphorischen Marktstudien begleitete Einstieg in den elektronischen Einzelhandel, und etwa seit Anfang des Jahres gilt B2B (Business-to-Business) als das Maß aller Dinge: der Handel zwischen Unternehmen per Internet.

Jeder dieser Drei-Buchstaben-Trends schwappte aus den USA nach Europa herüber, und bei jeder Welle beeilten sich die Europäer, noch schneller die US-Vorbilder zu imitieren. Als die Internet-Seifenblase mit Kursstürzen an den Börsen platzte und die Realität in die schöne neue E-Commerce-Welt Einzug hielt, hieß es: Den Letzten beißen die Hunde. Spät gestartete europäische E-Commerce-Firmen und ihre spät gestarteten Finanziers müssen nun Lehrgeld zahlen.

E-Commerce ein Flop?

Wie sehr diese Erfahrung manche Europäer verbittert, illustriert eine Auseinandersetzung, die vor kurzem auf einem Venture-Capital-Kongress in Paris stattfand. Ein US-Wagniskapitalist zählte einige seiner Internetinvestments auf, bei denen er seinen Einsatz vervielfacht hatte. Dann holte ein europäischer Kollege zu einer Generalabrechnung aus: "Von den letzten drei großen Trends habt ihr Amerikaner doch zwei in den Sand gesetzt", rief er mit vor Wut zitternder Stimme.

Die Computertechnologie habe sich durchgesetzt. Aber E-Commerce und die Biotechnologie seien Riesenflops. "Boom and Bust - das kann kein Vorbild für Europa sein!" Wenn es nach den Trendsuchern der internationalen Wagniskapitalszene geht, dürften solche europäischen Minderwertigkeitskomplexe in ein paar Jahren überholt sein. Einhellig erwarten Venture-Capitalisten auf beiden Seiten des Atlantiks, dass in der nächsten Welle Europa die Führung übernimmt. Und die nächste Welle, das ist nach ihrer Ansicht M-Commerce, also der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen über mobile Zugänge zum Internet.

"Europa wird beim M-Commerce vorne liegen", sagt Hermann Hauser, Partner bei Amadeus Capital Partners. Die Japaner seien zwar beim mobilen Internetzugang technologisch sehr weit, doch dafür sei Europa bei der Verbreitung von Handys Spitze. Es sei zwar noch nicht klar, wie das mobile Kommunikations-, Informations- und Einkaufsgerät der Zukunft aussehen werde, aber M-Commerce werde auf jeden Fall zu einem riesigen Markt, sagt auch Philippe Herbert, General Partner der französischen Partech International.

Der Europa-Optimismus in Sachen M-Commerce gründet nicht nur darauf, dass der alte Kontinent anders als die USA seit langem eine einheitliche Mobilfunktechnologie besitzt, sondern auch darauf, dass hier eine neue Unternehmerkultur entstanden ist. "Mentalität und Umfeld stimmen jetzt", findet der deutsche Internetpionier Jan Henric Buettner, der in Kalifornien die Venture-Capital-Gesellschaft Bertelsmann Ventures leitet.

Neben M-Commerce erwarten Wagniskapitalgeber von der Konvergenz von Telekommunikation, Medien und Informationstechnologie eine Vielfalt neuer Produkte und Dienstleistungen. Immer mehr Unterhaltungsangebote werden per Internet in die Haushalte kommen. Außerdem werden die Geräte in den Haushalten miteinander vernetzt. Damit werde eine "Automatisierung des Alltagslebens" ermöglicht, sagt Torsten Krumm, der für den US-Chipkonzern Intel Corp. Investitionsmöglichkeiten in Europa auslotet. "Um wirklich anspruchsvolle Dienstleistungen zu den Endkunden zu bringen, muss die Bandbreite aber erheblich wachsen", sagt Roland Manger, Partner bei Earlybird Venture Capital im kalifornischen Palo Alto. Sichere Gewinner dieser Entwicklung werden demnach die Infrastrukturanbieter sein.

Ein Dauerhoffnungsträger bleibt die Biotechnologie. Joachim Rothe, der in Frankfurt den weltgrößten Biotechfonds MPM Capital vertritt, rechnet nach dem Abschluss der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts bald mit Durchbrüchen in dieser Branche. Michael Stallmann, Chef der deutschen TFG Venture Capital, ist davon überzeugt, dass sich die Biotechnologie im Übergang von der Forschung zu einer echten Industrie befindet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%