M-Commerce fordert die gesamte Mobilfunkbranche heraus
Die Karten werden neu gemischt

Mobilfunkkunden halten sich noch stark zurück, wenn es darum geht, Online-Transaktionen durchzuführen. Aktuelle Umfragen zeigen, vor allem Sicherheitsbedenken spielen eine große Rolle. Nun soll die so genannte Public Key Infrastructure (PKI) für sichere Transaktionen sorgen.

DÜSSELDORF. Vom Ohr zum Auge. So beschreibt Nokia den Weg in Richtung 3G - der dritten Generation der Mobilfunkgeräte. Vom Mobiltelefon spricht in diesem Zusammenhang kaum noch jemand - vielmehr von einem "Terminal", mit dem der Anwender Musik hören, Nachrichten versenden, Bilder empfangen, Videokonferenzen führen und einkaufen kann. Dass im Hintergrund dabei Übertragungstechniken wie GPRS und UMTS wirken, ist vielen bewusst. Nicht aber, welch große Rolle eine kleine Karte spielt: Das Subscriber Identification Module - die SIM-Karte. Bisher diente das daumennagelgroße Kärtchen primär der Identifizierung des Handy-Besitzers sowie als Speicher für eine überschaubare Anzahl von Adressen und Kurznachrichten.

Nun kommt noch das Runterladen von Musik, Bildern, Klingeltönen und personalisierten Meldungen hinzu. Dazu müssen die Speicherkapazitäten erweitert werden. Außerdem muss der Winzling die Synchronisation mit externen Daten von PC und Organizer unterstützen sowie bei mobilen Geldtransaktionen für Sicherheit sorgen.

Wie das gehen soll, will unter anderem die Firma Orga Kartensysteme zeigen. Das Paderborner Unternehmen erhielt in diesem Frühjahr vom britischem Mobilfunkanbieter Orange einen Auftrag im Wert von rund 10 Mill. Euro - mit dem Ziel, ein "intelligentes" SIM-Kartensystem flächendeckend in Großbritannien aufzubauen. Dabei sollen in einer ersten Phase 10 % der rund zehn Millionen Orange-Kunden für die neue Karte begeistert werden - bis Ende 2002 sollen es gar 50 % sein.

Doch was ist an ihr intelligent? Da ist zum einen die Möglichkeit, sie den individuellen Bedürfnissen des Anwenders anzupassen. Ihr Chip hält wichtige Daten wie Bankleitzahl, Kontonummer und Geheimzahl dauerhaft fest, so dass sie nicht bei jeder Transaktion immer wieder neu eingegeben werden müssen - der Zugriff ist für Dritte durch ein Passwort gesperrt.

Zum anderen werden persönliche Präferenzen bei Diensten gespeichert - beispielsweise, wenn der Gastronomie-Finder nur italienische Restaurants anzeigen, der Staumelder sich auf die jeweilige Region konzentrieren und die Börseninformationen zum eigenen Depot passen sollen. "Die Anwendungen haben nicht nur eine hohe persönliche Relevanz, sondern sind auch flexibel abrufbar", so Eric C. Shadduck, Marketingleiter für Telekommunikation bei Orga. "Schließlich will ich sonntags andere Informationen als wochentags." Die Paderborner setzen daher auf eine schnelle, umkomplizierte Änderung über vorformulierte Datenblätter, in denen sich der Rhythmus des Abrufs genau festlegen lässt.

Die Übertragung der Nachrichten erfolgt per SMS und kostet jeweils etwa fünf Pence. Außerdem basiert die angewendete Technik auf SIM-Application-Toolkit und wird daher von fast jedem aktuellen Handy unterstützt. Darüber hinaus erlaubt sie Java-Anwendungen und eignet sich für Online-Transaktionen.

M-Banking und M-Commerce zählen derzeit wohl zu den größten Herausforderungen innerhalb der Mobilfunkbranche - wohlwissend, das beides nur Erfolg versprechend ist, wenn ein einfaches, vertrauenswürdiges und sicheres System aufgebaut wird. Die so genannte Public Key Infrastructure - kurz PKI - soll in puncto Sicherheit einen wichtigen Beitrag leisten.

Dabei werden neben dem Schlüssel für die Identifikation des Nutzers auch Schlüssel für seine verbindliche, digitale Signatur auf der SIM-Karte gespeichert. Diese Private Keys sind ausschließlich dem Endkunden zugänglich. Den passenden Public Key wiederum erhalten nur von ihm berechtigte Personen, die damit die Informationen entschlüsseln können. Sowohl Vodafone als auch Orange testen bereits in Pilotprojekten mobile PKI-Verfahren. "Bis sie jedoch im großen Umfang angeboten werden, vergehen mindestens noch 12 bis 16 Monate", meint Shadduck. PKI als Basis mobiler Transaktionen scheint in der Branche unumstritten zu sein. Bei der Form der Datenübertragung ist man sich allerdings noch uneinig. So können die Daten nicht nur als Kurznachricht übermittelt werden, sondern gleichfalls über Wap mit WTLS (Wireless Transaction Layer Security).

Die dabei verwendeten SIM-Karten nennen sich WIM (Wireless Identification Module), beziehungsweise SWIM und bedürfen neuer Endgeräte. Diesbezüglich gründete Nokia gemeinsam mit Ericsson und Motorola die Mobile- Electronic-Transaction-Initiative, die eine Standardisierung im Hinblick auf die notwendige Schnittstelle vorantreiben soll.

Es sind jedoch nicht nur technische Fragen zu lösen, sondern auch jene der Machtverteilung. Welche Rolle spielen künftig Netzbetreiber, Finanzinstitute, Portal- und Content-Anbieter? Wer übernimmt die Verantwortung? Finanzinstitute beispielsweise verfügen über Erfahrungen im Online-Banking sowie im Bereich der Smart Cards in Form von Kreditkarten.

Der Provider ist gleichfalls im Umgang mit Smart Cards geübt und hat noch dazu den direkten Kontakt zum Mobilfunkkunden. Für ihn winkt die große Chance, seine Kunden durch Mehrwert zu binden und den Umsatz pro Kopf zu erhöhen. Schließlich ist die Kunden-Neugewinnung immer schwieriger geworden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%