Maastricht-Vertrag
EZB -Inflationsunterschiede zwischen Euro-Zonen-Staaten wachsen

Während sich die Preissteigerungsraten in den Staaten der Währungsunion vor dem Hintergrund des im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen Konvergenzprozesses bis 1997 einander angenähert hätten, habe sich die Differenz seither wieder vergrößert.

Reuters FRANKFURT. Zwischen den Staaten der Euro-Zone wachsen nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Unterschiede bei den Inflationsraten. Das Inflationsgefälle zwischen den Staaten der Währungsunion scheine sich seit 1997 vergrößert zu haben, teilt die EZB in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht Dezember mit. Sofern die Unterschiede gering blieben und vorübergehender Natur seien, sei dies nicht notwendigerweise ein Grund zur Sorge. Dies gelte auch dann, wenn die Unterschiede darauf zurückzuführen seien, dass Länder der Euro-Zone in Bezug auf Produktivitätsniveau und Lebensstandard aufholen würden. Bei einer erheblichen Differenz bestehe dagegen Handlungsbedarf. Hier seien die nationalen Regierungen gefordert, da die EZB das Inflationsgefälle in der Euro-Zone nicht beeinflussen könne.

Während sich die Preissteigerungsraten in den Staaten der Währungsunion vor dem Hintergrund des im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen Konvergenzprozesses bis 1997 einander angenähert hätten, habe sich die Differenz seither wieder vergrößert. Die größten Inflationsdifferenzen traten dabei nach Angaben der EZB in den Bereich Nahrungsmittel und Energie auf. Dies sei möglicherweise darauf zurückzuführen, dass Nahrungsmittel besonders für witterungsbedingte Schocks anfällig seien. Bei den Energiepreisen würden angesichts der generell hohen Preise unterschiedliche Handelsstrukturen und Verhaltensmuster beim Energieverbrauch für Differenzen in einzelnen Staaten der EWU sorgen.

Auch bei den Preisen im Dienstleistungssektor gebe es einen deutlichen Trend zur Ausweitung der Differenz zwischen den einzelnen Staaten der Euro-Zone. Ausschlaggebend dafür seien vermutlich immer größere Unterschiede bei der Entwicklung der Lohnstückkosten und asynchron verlaufende nationale Konjunkturzyklen. Kaum Differenzen gebe es dagegen bei Industrieerzeugnissen.

Die EZB verwies darauf, dass ihre Geldpolitik auf die Erhaltung der Preisstabilität ausgerichtet sei, und dass sie das Inflationsgefälle in der Euro-Zone nicht beeinflussen könne. Hier seien die nationalen politischen Entscheidungsträger gefordert. Besondere Bedeutung habe unter anderem die Haushaltspolitik. "Eine solide öffentliche Finanzlage würde genügend Spielraum für das Wirken der automatischen Stabilisatoren lassen", heißt es im Monatsbericht. So sollte die Haushaltspolitik in einem Umfeld kräftigen Wirtschaftswachtums keine unangemessenen expansiven Impulse geben. Weiter fordert die EZB in diesem Zusammenhang, die Reform der Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkte zur Flexibilisierung der Wirtschaft insgesamt fortzusetzen.

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