Macher Hilgert als Nachfolger des Diplomaten Mathes gehandelt – Mutterinstitut DZ Bank hat das letzte Wort
Union Investment auf der Suche nach einem neuen Chef

Den Spekulationen sind bei Union Investment Tür und Tor geöffnet: Im nächsten Jahr verlassen drei von fünf Vorständen die Kommandobrücke.

ina/po FRANKFURT/M. Eine Verkleinerung des fünfköpfigen Vorstandes der Holding der Investmentgesellschaften der genossenschaftlichen Bankenverbundes gilt als wahrscheinlich. Als Nachfolger des Vorstandssprechers Manfred Mathes im Gespräch ist Heinz Hilgert, derzeit im Vorstand der DZ Bank zuständig für das Asset-Management. Auch einem Mann "von außen" werden Chancen eingeräumt, obwohl DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner Anfang der Woche eine verbundinterne Lösung angekündigt hat. Kaum Hoffnungen dürfen sich die verbleibenden Union-Vorstände Wolfgang Mansfeld und Rüdiger Ginsberg sowie mögliche Kandidaten aus der WGZ Bank, dem nach der DZ Bank zweitgrößten Anteilseigner an der Union, machen.

Im nächsten Jahr laufen drei Verträge für Vorstandsmitglieder aus. Manfred Wich, zuständig für das institutionelle Geschäft, verlässt das Haus zur Jahreswende. Im März geht Horst Höger, verantwortlich für den Vertrieb im genossenschaftlichen Bereich. Im Juni schließlich endet der Vertrag von Mathes, den dieser laut Brixner "leider nicht verlängern will".

Beim Kandidatenkarussell für die Mathes-Nachfolge spielen die Machtverhältnisse im genossenschaftlichen Verbund eine entscheidende Rolle. Bis vor knapp zwei Jahren konnte Mathes relativ unabhängig agieren. Dann brachte die Fusion von DG Bank und GZ-Bank zur DZ Bank dem neuen Spitzeninstitut eine 73,7-prozentige Mehrheit an der Union ein. Die DZ Bank nahm immer stärkeren Einfluss auf die Investmentgesellschaft.

Der mögliche Nachfolger Hilgert gilt als Drahtzieher für die Union-Politik. Mathes, der "Verbundmann vom Scheitel bis zur Sohle", ist Beobachtern zufolge eher das "Aushängeschild", eine Art Exekutive der bestimmenden DZ Bank. Die Stärken des immer gut gekleideten "Diplomaten" und "Grandseigneurs" Mathes sehen Kenner in der wichtigen Kontaktpflege mit den genossenschaftlichen Banken.

Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Hilgert wird von manchen als "begrenzt harmonisch" beschrieben. Ein wichtiger Punkt dabei scheint neben dem immer weiter eingeschränkten Handlungsspielraum des Union-Chefs das unterschiedliche Naturell beider Beteiligter zu sein. Hilgert gilt als "jugendlicher Macher", "stark willensgetriebener Dynamiker" und "treuer Gefolgsmann Brixners". Der DZ-Bank-Chef hat zwar immer wieder betont ihn nur ungern aus seinem Haus zu Union Investment ziehen zu lassen, doch wird ihm daran gelegen sein, diese Schlüsselposition mit einem Vertrauten zu besetzen.

Hilgert wird sich fragen, inwieweit die Veränderung vom Vorstand der DZ Bank in die "zweite Ebene" der Tochtergesellschaft eine Rückstufung darstellen würde. Auf der anderen Seite hätte die neue Position ihre Reize. Ein Beobachter sagt: "Asset-Management bleibt ein Wachstumsfeld, während die DZ Bank auf drastischem Sparkurs ist."

Den Union-Vorständen Mansfeld und Ginsberg werden geringe Chancen eingeräumt. Der umgängliche und sympathische Mansfeld ist ideenreich und verfügt über eine große Kenntnis der Fondsbranche. Ihm wird aber wenig Bodenhaftung im genossenschaftlichen Verbund attestiert. Außerdem lastet man ihm das Scheitern der Auslandsexpansion an. Teilweise ist sogar von einer "Katastrophe" die Rede, wenn die Schließung der japanischen und der Verkauf der ungarischen Gesellschaft zur Sprache kommen.

Das gleiche gilt für den angelsächsisch geprägten Ginsberg. Er verantwortet das Portfoliomanagement, gilt als "schwieriger Mensch" und "taktisch handelnd". Ein Beobachter urteilt: "Zu Zeiten des Börsenbooms legte die Union alle Produkte auf, die sich absetzen ließen, gerade bei den Branchenprodukten wie Neue-Markt-Fonds." Dieses im Nachhinein übertriebene Marketingdenken wird Ginsberg angelastet.

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