Machtkampf entzweit Bosse der spanischen Großbank
Botin und Amusategui: "Krieg der Chefs" bei der Banco Santander

Bei einer der wichtigsten Banken in Europa, der Banco Santander Central Hispano (BSCH), herrscht ein Machtkampf zwischen den beiden höchsten Chefs. Als Emilio Botin und Jose Maria Amusategui vor zwei Jahren die Großbanken Banco Santander und Banco Central Hispano (BCH) zum größten Geldinstitut in Spanien zusammenschlossen, standen die Bankenchefs noch wie zwei Brautleute Arm in Arm nebeneinander.

dpa MADRID. Heute ist das Tischtuch zerschnitten. Die Bankiers führen als Co-Präsidenten den Zusammenschluss BSCH an, aber sie können sich nicht mehr ausstehen und gehen sich aus dem Weg.

Hinter der Machtkampf verbirgt sich, wie das Nachrichtenmagazin "Tiempo" schreibt, ein "Kleinkrieg" zwischen dem "Clan der Roten" und dem "Clan der Blauen". Rot ist die Farbe der früheren Santander-Bank, Blau die der BCH. "In der BSCH-Führung ist das Klima so verdorben, dass man kaum noch atmen kann", zitiert das Wirtschaftsblatt "Expansion" Unternehmenskreise.

Die BSCH sorgte immer mehr für Negativschlagzeilen. Ende Juni schlossen beide Lager zunächst einmal "Frieden". Dieser währte aber nur einen Monat. Eine Kleinigkeit genügte, um den Streit neu aufbrechen zu lassen. Botin ließ den BSCH-Pressechef feuern, was Co-Präsident Amusategui als Affront verstand. Der frühere BCH-Chef argwöhnt, dass das Santander-Lager definitiv das Kommando in der BSCH übernehmen will.

Wirtschaftsminister und Zentralbankchef lehnen Vermittlung ab

Spaniens Wirtschaftsminister Rodrigo Rato und Zentralbankchef Jaime Caruana lehnten es ab, in dem Streit zu vermitteln. Dabei kommt der Krach zwischen den beiden Co-Präsidenten für die BSCH zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erstens schwebt über der - in Lateinamerika stark engagierten - Bank das Damokles-Schwert der argentinischen Wirtschaftskrise. Zweitens stehen die Vereinigung der Filialnetze der Banco Santander und der BCH sowie die Schließung von rund 1000 Geschäftsstellen an.

Der Streit hat seine Ursache darin, dass die Banco Santander und die BCH sich bei der Fusion als gleichberechtigte Partner zusammenschlossen, obwohl sie dies eigentlich nicht waren. Die Santander-Bank war erheblich größer. An ihrer Spitze stand mit Emilio Botin zudem ein Autokrat, der einer alten Bankier-Dynastie entstammt und sich von anderen ungern etwas sagen lässt. Mit den BSCH- Beteiligungen an führenden Banken in Großbritannien, Frankreich und Deutschland ist der 67-jährige Botin nach Angaben der Zeitung "La Vanguardia" der mächtigste Bankier in ganz Europa.

Bei einer Beilegung des Machtkampfs dürfte BSCH-Geschäftsführer Angel Corcostegui eine Schlüsselrolle spielen. Er gehört wie Amusategui zum BCH-Lager, genießt aber zugleich das Vertrauen Botins. Im Streit der Chefs hielt er sich bislang zurück. Er soll die "Nummer zwei" in der BSCH werden, wenn Amusategui im März 2002 in den Ruhestand geht und Botin dann der alleinige Präsident wird. Eine Lösung des Konflikts, so wird in der spanischen Wirtschaftspresse spekuliert, könnte darauf hinauslaufen, dass Amusategui vorzeitig seinen Hut nimmt und zugleich die Position des Geschäftsführers Corcostegui gestärkt wird.

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