Machtkampf in der Pfalz
Der Letzte macht in Lautern das Licht aus

In der Pfalz brechen im Abstiegskampf alle Dämme. Rene C. Jäggi, der Vorstandsvorsitzende, droht intern mit sofortigem Rücktritt. Der neu gewählte Aufsichtsrat will den von Jäggi geholten, aber erfolglosen Trainer Erik Gerets offenbar wegmobben. Aus der Pfalz verlautet, der Aufsichtsrat wolle Gerets zum Rücktritt zwingen. Der Belgier soll Altmeister Kalli Feldkamp als Berater zur Seite gestellt bekommen.

KAISERSLAUTERN. Um sein Gesicht zu wahren, bliebe Gerets dann wohl nur der freiwillige Rückzug. Dahinter stecke der Plan, Feldkamp zusammen mit dem ehemaligen Karlsruher Stefan Kuntz als neues Duo zu installieren, um den Abstieg abzuwenden.

"Ich weiß, dass der Aufsichtsrat den Trainer stürzen will", sagte Jäggi im Interview mit dem Südwestfunk. "Aber das ist mit mir nicht zu machen". Jäggi hat noch keinen Vertrag bei den Pfälzern unterschrieben ("Der Aufsichtsrat prüft den Vertrag noch"). Sollte er den Machtkampf verlieren, so will er in der Pfalz das Handtuch werfen.

Das würde den mit 30 Mill. Euro verschuldeten Klub in erneute Schwierigkeiten stürzen. Sowohl die kreditgebenden Banken als auch andere Sponsoren hatten Kredite und Gelder vor allem deshalb gegeben, weil sie zu Jäggis Konsolidierungskurs Vertrauen gefasst hatten. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Ex-Nationalspieler Peter Briegel dementierte Pläne, den Trainer zu stürzen. "Der Aufsichtsrat will den Trainer nicht stürzen. Das ist gelogen, das ist absolut falsch", sagte Briegel. Briegel aber bestätigte indirekt, dass Feldkamp kommen soll.

Zwischen dem Aufsichtsrat und Jäggi scheint es nach der 0:2-Niederlage gegen Bayern München zu tiefen Zerwürfnissen gekommen zu sein. Auch Jäggi hatte bei Gerets zuletzt Resignation festgestellt. "Gerets hat mir gesagt, wenn die Rettung des FCK darin besteht, dass man ihn entlässt, muss man ihn entlassen", sagte Jäggi und schaute besorgt drein, weil der Frust des belgischen Coaches jeden Tag schlimmer wird. "Er kennt die Gesetze des Marktes. Die Frage ist, kriegt er mehr aus dem Haufen raus, als das, was derzeit zu sehen ist. Ein Rauswurf aber ist für mich kein Thema. Ich habe ihn geholt und sehe wie er die Woche arbeitet", so Jäggi. "Es ist klar, dass er jetzt der Mann ist, an dem gerüttelt wird".

Die Probleme sind mittlerweile turmhoch. Von Angst vor dem totalen Absturz, der die Existenz des Vereins bedroht, war die Rede. Als Jäggi erstmals bestätigte, dass die mit 30 Millionen Euro verschuldeten Pfälzer wohl keine Lizenz für die zweite Liga bekommen, wurden die Gesichter noch länger. "Es gibt ein großes Fragezeichen, was die betriebswirtschaftliche Komponente dieses Abstieges bedeuten würde. Damit ist die Frage nach der Lizenz beantwortet. Die Zahlen deuten darauf hin", sagte Jäggi. Zu einen finanziellen Kraftakt wie nach dem Abstieg 1996 sind die Pfälzer nicht mehr in der Lage. Zudem muss der 1. FC Kaiserslautern mit der Bürde leben, "dass alle Verträge der Spieler, ohne Ausnahme, für die Zweite Liga gelten" (Jäggi). Im Gegensatz zur alten Führung unter Jürgen Friedrich stuft Jäggi das Gehaltsniveau als "sehr hoch" ein. "Wenn wir eine Lösung anstreben wollten, müssten wir das über Anwälte tun."

Kommentare der Spieler offenbaren vor allem Ratlosigkeit. Im Team sei die Hierarchie zerbrochen und die ständigen Positionswechsel des Trainers ließen keine konstante Leistung zu. Als Gerets gegen die Bayern Mario Basler als Libero aufbot und ihn über den grünen Klee lobte, schüttelten viele nur mit dem Kopf. Basler tönte nur: "Ich bin zufrieden mit meiner Leistung".

Selbst die 40 000 Zuschauer ergaben sich in Lethargie. Es gab kaum Pfiffe, nicht einmal mehr die üblichen Spottgesänge gegen die eigentlich verhassten Münchener Bayern. Am Stadionzaun hing am Schluss ein einsames Transparent. Dort stand: "Der Letzte macht das Licht aus".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%