machtwechsel immer problematisch
UNO warnt vor Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan

Angesichts des Siegeszuges der Nordallianz haben die Vereinten Nationen (UNO) am Dienstag vor Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan gewarnt. UNO-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson sagte, es habe jedes Mal "schreckliche Massaker an Zivilisten, Vergewaltigungen von Frauen und Racheakte der Zerstörung" gegeben, wenn in Afghanistan Gebiete an neue Herrscher gefallen seien.

Reuters NEU-DELHI. Frankreichs Außenminister Hubert Vedrine sagte, in Kabul dürfe sich die Gewalt der Jahre 1992 und 1993 nicht wiederholen. Der afghanische Ex-König Mohammed Sahir Schah äußerte sich ebenfalls besorgt über das Schicksal der Zivilbevölkerung.

Die USA, Großbritannien und die anderen Länder, die am Feldzug gegen die bislang regierenden Taliban beteiligt seien, müssten deutlich machen, dass sie Menschenrechtsverletzungen nicht duldeten, sagte Robinson. Sowohl die radikal-islamischen Taliban wie auch die Nordallianz hätten in der Vergangenheit Blutbäder unter der Zivilbevölkerung angerichtet. Sie mache sich zudem große Sorgen, dass einige Vertreter der Nordallianz an einer künftigen Regierung beteiligt werden könnten, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien. Die westlichen Verbündeten der Allianz müssten Sorge dafür tragen, dass die Täter auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Die USA hatten die Allianz aufgefordert, nicht in Kabul einzurücken, bevor eine Übergangsregierung für das Land eingesetzt ist, die alle Volksgruppen repräsentiert. In der Nordallianz ist das Mehrheitsvolk der Paschtunen kaum vertreten. Als die heute in der Allianz vereinigten Gruppen Anfang der 90er Jahre im Land regierten, gingen sie zudem brutal gegen Paschtunen vor.Bei internen Machtkämpfen wurde Kabul in Schutt und Asche gelegt. Tausende von Menschen starben.

Kabul müsse entmilitarisiert und eine neue Regierung und Verwaltung im Rahmen eines politischen Prozesses eingesetzt werden, forderte ein Sprecher des afghanischen Ex-Königs. Da die Nordallianz jetzt jedoch mit ihren Soldaten in die Hauptstadt eingedrungen sei, mache sich Sahir Schah Sorgen um die Zivilbevölkerung. Der Ex-König stand im Zentrum der Bemühungen um eine Übergangslösung für die Zeit nach dem angestrebten Sturz der Taliban.

In Kabul kam es Anwohnern zufolge vor dem Einmarsch der Nordallianz zu Plünderungen durch Einheimische und die abziehenden Taliban. Eine französische Hilfsorganisation berichtete, sie habe ihr Lagerhaus verteidigen müssen. Die Bewohner der Stadt seien jedoch offenbar erleichtert über den Abzug der Taliban, rasierten sich teilweise die Bärte, trügen wieder Jeans und hörten laut Musik, sagte eine Sprecherin der Organisation. Dies alles war von den radikal-islamischen Taliban aus religiösen Gründen verboten worden.

In der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif war es nach UNO-Informationen zu Plünderungen und Hinrichtungen durch die Nordallianz gekommen, nachdem die Stadt am Freitag von Truppen des von der Bevölkerung gefürchteten Usbeken-Generals Abdul Raschid Dostum erobert worden war. Eine UNO-Sprecherin sagte am Montag, es gebe es unbestätigte Berichte über gewaltsame Übergriffe, Hinrichtungen und Entführungen. Auch ein Lagerhaus des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) sei geplündert worden, sagte eine WFP-Sprecherin. Die internationale Gemeinschaft hatte Dostum aufgefordert, die Einhaltung von Recht und Ordnung in Masar-i-Scharif zu gewährleisten.

Die USA haben den Vormarsch der Nordallianz mit Luftangriffen unterstützt. Die USA werfen den Taliban vor, den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge in New York, Washington und Pennsylvania, Osama bin Laden, zu verstecken. Bei den Anschlägen am 11. September kamen vermutlich rund 4800 Menschen ums Leben.

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