Archiv
Machtwechsel in USA hätte Auswirkungen auf Börse - Bush-Sieg kaum

Als wichtigstes politisches Ereignis in den USA werden die Präsidentschaftswahlen am 2. November weltweit Einfluss auf die Börsen-Entwicklung haben. Jüngsten Prognosen zufolge liegt der Republikaner und Amtsinhaber George W. Bush derzeit klar in Führung vor dem Demokraten John Kerry.

dpa-afx FRANKFURT/NEW YORK/ZÜRICH. Als wichtigstes politisches Ereignis in den USA werden die Präsidentschaftswahlen am 2. November weltweit Einfluss auf die Börsen-Entwicklung haben. Jüngsten Prognosen zufolge liegt der Republikaner und Amtsinhaber George W. Bush derzeit klar in Führung vor dem Demokraten John Kerry.

Einer Umfrage des US-Fernsehsenders Cnbc zufolge messen die Wähler der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Arbeitsmarkt mit 56 % die größte Bedeutung für ihre Wahlentscheidung bei. Mit 44 % spielt der so genannte "Kampf gegen den Terrorismus" die zweitstärkste Rolle.

'Rentenmarkt Profitiert VON Kerry-Sieg'

Entsprechend werden die bis zur Wahl anstehenden Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die jeweils donnerstags vorgelegt werden, den entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis haben, wie die Analysten Anja Hochberg und Felix Schafroth von Credit Suisse (CS) in Zürich erklärten. "Ein Sieg von Bush wird kaum zu starken Reaktionen führen, da die Marktteilnehmer an eine Wiederwahl glauben", hieß es in der Analyse. Positive Auswirkungen auf den Bondmarkt seien hingegen von einem Sieg der Demokraten zu erwarten, da Kerry die Wichtigkeit einer Reduktion des Staatsdefizits wesentlich stärker als Bush unterstreiche.

Kerry Plant Umbau DES Gesundheitssystems

Mit Blick auf einzelne Unternehmensbranchen würde der Gesundheitssektor inklusive Krankenversicherern nach Ansicht von Analysten von der Wiederwahl des konservativen Amtsinhabers profitieren. Gerade die Giganten der US-Pharmaindustrie litten in den letzten Monaten verstärkt unter den Plänen von John Kerry, der etwa die Erstattung für verschreibungspflichtige Medikamente deutlich reduzieren und den Import billigerer Mittel aus Kanada erleichtern will. Ein Sieg Kerrys hingegen könnte Herstellern von Nachahmer-Medikamenten Aufwärtsimpulse geben.

Traditionell auf Seiten der Konservativen stehen die Unternehmen der Rüstungs-, Erdöl- und Finanzindustrie. Sie werden auch dieses Mal tendenziell von einem Wahlsieg Bushs profitieren. Die sehr engen persönlichen Beziehungen der Bush-Administration erleichtern hier den Lobbyismus: Bush steht für die Aufweichung der Schadstoff-Emissionsgesetze, sein Gegner will die Umweltstandards hingegen verschärfen und befürwortet die Förderung erneuerbarer Energien. Auch gehe für die Rüstungsindustrie zumindest ein "psychologischer Effekt" von einer Bush-Wiederwahl aus, sagten Experten.

Technologiesektor "Demokratische Domäne"

"Der Technologiesektor gilt gemeinhin als demokratische Domäne", hieß es in der CS-Studie. Als weitere Branchen, die von einem Kerry-Sieg profitieren dürften, nannten die CS-Analysten die Konsumgüterindustrie und die Medien. Sie hätten mit der angekündigten mittelstandsfreundlichen Politik deutlichere Wachstumschancen. Kerry hat als einen der Kernpunkte seines Wahlprogramms umfangreiche Steuersenkungen für den Mittelstand angekündigt.

Grundsätzlich aber gilt für die US-Wahlen unverändert eine alte Börsenregel, nach der "politische Börsen kurze Beine" haben: "Für uns als langfristig orientierte Investoren spielt der Ausgang der Wahlen keine Rolle", relativierte Fondsmanager Murdo Murchinson jüngst im "Handelsblatt" den Einfluss der Politik. Murchinson verwaltet den Templeton Growth Fund, einen der größten Fonds der Welt. "Die USA sind ein kapitalistisches System, unabhängig davon, ob die Republikaner oder die Demokraten regieren", sagte er. Historisch betrachtet seien die Märkte im Vorfeld der Wahlen immer lustlos; nach den Wahlen stiegen die Kurse meistens.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%