Madeleine Albrigth
„Da ich schon mal da bin ...“

Madeleine Albrigth hat in Berlin ihr neues Buch vorgestellt. Schon der Titel "Der Mächtige und der Allmächtige" provoziert, weil er vom Publikum prompt als Anspielung auf Gott und US-Präsident George Buch verstanden wird.

BERLIN. Streitfreudig ist Madeleine Albright schon immer gewesen. Deshalb genießt es die frühere US-Außenministerin sichtlich, nicht mehr an die diplomatischen Zwänge des politischen Amtes gebunden zu sein. "Endlich kann ich Ihre Fragen auch beantworten", meint sie lächelnd bei der Vorstellung ihres neuen Buches in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin. Das Amt zwinge schließlich dazu, eine Menge Dinge zu sagen, nur damit sie rhetorisch gut klängen. "Auch ich habe das doch gemacht", bekennt sie selbstkritisch.

Doch jetzt ist diese Rücksichtnahme nicht mehr angebracht, die Autorin Albright will Botschaften verbreiten. Schon der Titel "Der Mächtige und der Allmächtige" provoziert, weil er vom Publikum prompt als Anspielung auf Gott und US-Präsident George Buch verstanden wird. Albright tut bei ihrem Auftritt auch nicht viel, um den Eindruck zu korrigieren. "Als ehemaliges US-Regierungsmitglied habe ich Hemmungen, im Ausland den Präsidenten zu kritisieren", kokettiert sie eine Sekunde mit der politischen Korrektheit, um dann sofort nachzuschieben: "Aber da ich nun schon einmal hier bin ..."

Schließlich ist Bush ein Paradebeispiel für die These ihres Buches, das auf die wachsende Bedeutung der Religion in der Politik hinweist. Zwar hätten fast alle US-Präsidenten religiöse Anspielungen gemacht. Auch Bill Clinton, unter dem sie selbst Außenministerin war, war tief gläubig. "Aber Bush hat als einziger gesagt, dass Gott ihn als Präsidenten wolle und auf seiner Seite stehe", kritisiert sie. Der frühere US-Präsident Abraham Lincoln habe noch den Anspruch gehabt, dass er selbst an Gottes Seite sein wolle.

Generell plädiert Albright dafür, die Bedeutung der Religion in der Politik wesentlich ernster zu nehmen. Das gelte sowohl für den Einfluss der religiösen Rechten in den USA als auch den Dialog mit islamischen Ländern. Auch eine professionellere Beratung der Politiker in religiösen Fragen sei angebracht, um Konflikte zu verstehen. "Wir lassen uns ja auch über Raketentechnik oder Umweltfragen von Spezialisten briefen."

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