Madsack weiter interessiert
WAZ steigt nicht beim Süddeutschen Verlag ein

Die Essener WAZ-Gruppe wird sich nach Angaben aus Branchenkreisen nicht als Gesellschafter an dem angeschlagenen Süddeutschen Verlag beteiligen. Die Mitglieder eines der beiden Eigentümerstämme, denen die WAZ-Gruppe jeweils zur Hälfte gehört, hätten sich auf einer Gesellschafterversammlung nicht auf einen Einstieg einigen können, hieß es am Mittwoch in den Kreisen.

Reuters FRANKFURT. Eine einstimmige Entscheidung wäre aber für ein solches Engagement notwendig gewesen. Bei der WAZ-Gruppe war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Interesse am Süddeutschen Verlag bestätigte am Mittwoch auch der Madsack-Verlag aus Hannover. Der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag hat nach eigenen Angaben sogar ein Angebot für eine Beteiligung als Gesellschafter gemacht.

WAZ offenbar weiter an Regionalzeitungen interessiert

Die WAZ-Gruppe ist als einer der größten und finanzstärksten Verlage in Deutschland in der Hand von zwei Eigentümerstämmen, die auf die Gründer Erich Brost und Jakob Funke zurückgehen. In der Geschäftsführung respräsentieren Erich Schumann und der frühere Kanzleramtsminister Bodo Hombach die Brost-Gruppe, Lutz Glandt und Detlef Haaks die Funke-Seite. Vor allem Schumann galt als Verfechter eines Einstiegs beim Süddeutschen Verlag, um mit der "Süddeutschen Zeitung" auch ein überregionales Qualitätsblatt ins Portfolio zu holen.

Der Essener Konzern hatte erst am Montag in der hauseigenen "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" verlauten lassen, man prüfe einen Einstieg beim Süddeutschen Verlag. Wie das Internetmagazin "Spiegel Online" berichtete, fiel die Entscheidung gegen einen Einstieg bei der Münchener Verlagsgruppe bei einer Versammlung des Funke-Stammes, auf dem sich die Mitglieder nicht einigen konnten. Diese Eigentümer hatten sich früher im Jahr bereits gegen ein Engagement bei der insolventen Kirch Media und beim Springer-Verlag ausgesprochen. Die WAZ-Gruppe sei jedoch weiter an den zum Verkauf stehenden Regionalzeitungen des Süddeutschen Verlags interessiert, hieß es bei "Spiegel online".

Madsack an unternehmerischer Beteiligung interessiert

Der Süddeutsche Verlag leidet wie andere Verlage unter dem Einbruch der Anzeigeneinnahmen und rechnet auch im laufenden Jahr mit Verlusten. Daher hat die Mediengruppe den Abbau von 600 Mitarbeitern und den Verkauf des Regionalzeitungsgeschäfts ("Frankenpost", "Neue Presse") angekündigt. Den Einstieg eines neuen Eigentümers im Süddeutschen Verlag selbst müssen die fünf bisherigen Gesellschafter einstimmig genehmigen, die sich in der Vergangenheit aber häufig uneins gewesen sind.

Nach dem Holtzbrinck-Verlag bestätigte nun auch der Madsack-Verlag ein Interesse am Süddeutschen Verlag. Man habe der Münchener Mediengruppe ein Interesse an einem Einstieg als Gesellschafter signalisiert, sagte Geschäftsführer Friedhelm Haak am Mittwoch. Gespräche darüber gebe es aber nicht. In Frage komme nur eine Beteiligung, mit der sich der Madsack-Verlag auch unternehmerisch einbringen könnte, also etwa zehn bis 25 %. "Das ist keine Frage des Geldes", fügte Haak hinzu.

Madsack gibt allein in Niedersachsen acht Tageszeitungen und 25 Anzeigenblätter heraus und erzielte 2001 einen Umsatz von 475,8 Mill. Euro. "Wir sind ein Unternehmen, das komplett digital und damit besonders kostengünstig produzieren kann", sagte Haak. "Das ist etwas, was wir einbringen können.

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