Archiv
Mädchen, Musical, Messer: St. Pauli kämpft um seinen RufDPA-Datum: 2004-07-14 16:42:46

Hamburg (dpa) - Jahrelang hat es gedauert, bis sich der Ruf Hamburg-St. Paulis von der Schmuddelecke zum Szenetreff wandelte. Nun könnten Berichte über die Kiez-Kriminalität das neue Image gefährden. «Auf dem Kiez erstochen - 22-Jähriger wurde zum Zufallsopfer» oder «Schon wieder: Blutiger Messer-Streit schockt Hamburg» lauten die Schlagzeilen.

Hamburg (dpa) - Jahrelang hat es gedauert, bis sich der Ruf Hamburg-St. Paulis von der Schmuddelecke zum Szenetreff wandelte. Nun könnten Berichte über die Kiez-Kriminalität das neue Image gefährden. «Auf dem Kiez erstochen - 22-Jähriger wurde zum Zufallsopfer» oder «Schon wieder: Blutiger Messer-Streit schockt Hamburg» lauten die Schlagzeilen.

Der Hamburger CDU-Sicherheitspolitiker Karl-Heinz Warnholz fordert ein Messerverbot auf der Reeperbahn. «Bei den 20 bis 30 Jahre alten Männern gibt es eine bestimmte Gruppe, bei denen das Messer locker sitzt», sagt der Vorsitzende des Innenausschusses der Bürgerschaft.

Nicht nur in Deutschland macht das Rotlichtviertel der Hansestadt Schlagzeilen. «Als vor einiger Zeit eine englische Touristengruppe auf der Reeperbahn massiv Prügel bekam, waren auch dort die Berichte nicht gerade die besten», sagt Warnholz. Er fürchtet einen Imageschaden und dass Besucher abgeschreckt werden könnten.

Guido Neumann von der Hamburg Tourismus Gmbh bleibt vorerst gelassen: «Es ist bisher kein Einfluss der Berichterstattung über Verbrechen zu verspüren.» Es seien keine Beschwerden von Touristen oder gar Reise-Stornierungen bekannt. «Wer hierher kommt, weiß, dass es auf der Reeperbahn etwas rauer zugeht», sagt Neumann. Vielleicht ziehe auch gerade der Nervenkitzel die Besucher auf den Kiez.

An den Wochenenden schieben sich pro Tag 150 000 Menschen durch die sündige Meile, 25 Millionen sollen es im Jahr sein. Vorbei am Musical im Operettenhaus, Cabaret im Schmidts Tivoli, Szene-Discos, Tanztee im Café Keese und leichten Mädchen am Hans-Albers-Platz müssen die erlebnishungrigen Besucher keine Angst um Leib und Leben haben.

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Straftaten in St. Pauli 2003 im Vergleich zum Vorjahr zwar um elf Prozent auf 15 700 gestiegen. «Die schweren Verbrechen sind aber insgesamt zurückgegangen», sagt Peter Kämmerer von der Interessengemeinschaft St. Pauli. Der Chef der Davidwache, Peter Baustian, betont: «Die Körperverletzungsdelikte auf dem Kiez lassen sich nicht wegdiskutieren, aber die Masse sind Eigentumsdelikte.»

Nach der jüngsten tödlichen Messerstecherei - ein unbeteiligter junger Mann geriet in einen Streit von Betrunkenen und erlitt einen Herzstich - bekam die Davidwache personelle Verstärkung. 30 Polizisten sind am Wochenende im Dauereinsatz, um den Kiez zu kontrollieren. Durch die 24-Stunden-Präsenz der Polizei, da sind sich die Beamten sicher, werden Straftaten oft im Keim erstickt.

«In Sachen subjektive Sicherheit für die Touristen wird viel gemacht», lobt Neumann die verstärkten Streifen. Hamburgs Innensenator Udo Nagel rennt mit seiner Forderung nach einem neuen Polizeigesetz auch bei den Geschäftsleuten in St. Pauli offene Türen ein. Mit so genannten verdachtsunabhängigen Kontrollen sollen die erfahrenen Polizisten, die mit sicherem Blick ihre «Kunden» auf Reeperbahn und Großer Freiheit herausfinden, diese genauer überprüfen dürfen als bisher.

Wenn es um den Ruf des bekannten Stadtteils geht, gibt es in Hamburg eine große Koalition. «Messer machen Mörder», meint Andreas Dressel von der SPD-Bürgerschaftsfraktion und unterstützt die Pläne seines CDU-Kollegen. dpa sr yyno la 140900 Jul 04

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%