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Mädchenmörder nach 16 Jahren verurteilt

Fast 16 Jahre nach dem Mord an einem Mädchen in Niederbayern ist am Freitag ein 37-jähriger Sanitäter zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

dpa DEGGENDORF. Mit "unbedingtem Vernichtungswillen" habe der Mann im November 1986 der damals 17-Jährigen mit einem Holzpfahl den Schädel zerschmettert, sagte der Vorsitzende Richter Anton Nachreiner vom Landgericht Deggendorf. Während des Urteils saß der Angeklagte mit gesenktem Kopf auf seinem Stuhl und starrte auf die Anklagebank. So hatte er die meiste Zeit das viertägige Verfahren verfolgt - und zu dem Verbrechen stur geschwiegen.

Die besondere Schwere der Schuld stellte die Strafkammer nicht fest, dies hatte der Staatsanwalt gefordert. Dadurch kann der Mann nach 15 Jahren mit einer Freilassung auf Bewährung rechnen. Er war im Sommer 2001 durch einen Massen-Gentest überführt worden. Erst im vergangenen Jahr konnte aus Hautfetzen des Täters, die unter den Nägeln des Opfers gefunden wurden, ein DNA-Muster erstellt werden - die Voraussetzung für einen solchen Gentest.

Das Verbrechen ist einer der ältesten Mordfälle in Deutschland, der mit moderner Kriminaltechnik geklärt werden konnte. Als der Fall neu aufgerollt wurde, untersuchte die Kripo zunächst 100 Verdächtige gezielt. Als dies keinen Erfolg brachte, wurden 350 andere Männer zu dem Reihen-Test gebeten. Der Angeklagte war darunter und gab - wohl aus Nervosität - bereits rund eine Woche vor dem offiziellen Termin bei der Polizei eine Speichelprobe ab.

In den 80er Jahren konnte das Verbrechen nicht aufgeklärt werden. Eine bis zu 25-köpfige Sonderkommission hatte ohne Erfolg rund 1 000 Männer überprüft. Knapp 15 Jahre lebte der Mörder unbehelligt mit seiner Ehefrau und der Tochter im Bayerischen Wald, die Frau hatte von dem schrecklichen Geheimnis ihres Mannes keine Ahnung.

Nach dem Richterspruch ließ der Familienvater über seinen Anwalt erklären, er empfinde das Urteil als gerechte Strafe und nehme es an. Auch der Staatsanwalt und die Familie des Opfers verzichteten auf die Revisionsmöglichkeit, so dass die Gefängnisstrafe rechtswirksam ist.

Die Mutter sowie drei Geschwister der Getöteten blieben bei der Urteilsbegründung gefasst. Zuvor hatte die Familie klar gemacht, wie sehr sie das 15 Jahre lang ungeklärte Verbrechen verfolgt und gequält habe. In fremden Männern hätten sie potenzielle Mörder ihrer Schwester und Tochter gesehen. Die Mutter war während des Prozesses mehrfach im Gerichtssaal in Tränen ausgebrochen.

In der Verhandlung konnte das grausige Geschehen vom 8. November 1986 trotz der langen Zwischenzeit und des Schweigens des Angeklagten weitgehend geklärt werden. "Wir müssen nicht sämtliche scheußliche Details dieser Tat rauskriegen, um ihn verurteilen zu können", sagte der Kammervorsitzende Nachreiner.

Der damals 22-Jährige hatte in jener Herbstnacht die Jugendliche nach einem Discobesuch in Regen in seinem Auto mitgenommen. Nach mehreren sexuellen Übergriffen durch den Angeklagten während der Fahrt kam es auf einem Parkplatz zu einer wilden Verfolgungsjagd. Die 17-Jährige war dort aus dem Auto gesprungen und wollte flüchten. Der Bodybuilder verfolgte die junge Frau, riss sie zu Boden und entkleidete sie. Er schlug mit einem zweieinhalb Meter langen Schneepfosten so lange auf den Kopf der Haushaltsschülerin ein, bis der Stab zerbrach. Nach Ansicht des Gerichts wollte der Mann durch den Mord verhindern, dass die 17-Jährige Anzeige erstattet.

Zum Verhängnis wurde dem Täter der giftgrüne Hut der Jugendlichen, der in seinem Auto liegen geblieben war. Erst bei seinem Wohnort Frauenau, mehr als 30 Kilometer vom Tatort entfernt, bemerkte der Mann das Kleidungsstück und wollte es in einen Fluss werfen. Dies scheiterte jedoch: Der Hut blieb am Ufer liegen und führte die Ermittler nach Frauenau - die Ermittlungen in der Region begannen.

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