Mängeln in den Arbeitsabläufen auf der Spur
Revisoren: heikles Geschäft

Revisoren prüfen alles von der Buchhaltung bis zur Personalentwicklung. Ihre Empfehlungen können sich leicht in Anweisungen verwandeln.

DÜSSELDORF. Erwin Bixler und Paul van Buitenen stehen gleichermaßen für erfolgreiche Revisionsarbeit und für den Loyalitätskonflikt, in den ein Revisor gerät, der auf Fälschung und Korruption stößt - aber intern kein Gehör findet. Bixler, Prüfer des Landesarbeitsamtes Rheinland-Pfalz/Saarland, konnte nachweisen, dass die Bundesanstalt für Arbeit die Vermittlungserfolge ihrer Arbeitslosenstatistik systematisch schönte. Er wandte sich an Bundesarbeitsminister Walter Riester, Arbeitsamtspräsident Bernhard Jagoda musste gehen. Van Buitenen mochte sich nicht mit Verschwendung und Vetternwirtschaft in der Europäischen Kommission abfinden und informierte die Öffentlichkeit. Über ihn stürzte Kommissionschef Jaques Santer.

Beide Revisoren besaßen eine ausgeprägte Moral, Rückgrat, eine Aversion gegen Mauscheleien und eine Vorliebe für den geraden Weg. Eigenschaften, die für Klaus Haas, Leiter Projektmanagement im Deutschen Institut für Interne Revision (IIR) in Frankfurt, "zum Berufsbild des Revisors gehören", auch wenn sie selten so gefordert werden.

Die alltägliche Arbeit interner Revisionsabteilungen dreht sich weniger um die kriminelle Energie von Mitarbeitern und Vorgesetzten, eher um Mängel in den Arbeitsabläufen, um Unstimmigkeiten in den Ergebnissen. Dem Vorstand unterstellt, prüfen Revisoren in regelmäßigen Abständen, ob sich die einzelnen Bereiche der Unternehmen an Recht und Ordnung halten, an die Gesetze wie an die hauseigenen Regeln. "Revisoren sind das Auge des Vorstands im Betrieb", fasst Haas die Aufgaben zusammen. Dafür erhalten Berufsanfänger 40 000, Revisoren mit Handlungsvollmacht bis zu 90 000 und solche mit Prokura bis zu 120 000 Euro, fand die Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International in Gummersbach heraus.

Je nach Branche werden die unterschiedlichsten Themen fällig: Personal und IT beinahe immer, dazu Bau oder Herstellung, Kundenbetreuung oder Kreditwesen, regionale und internationale Geschäfte. In kleineren Unternehmen arbeiten Einzelkämpfer oder Mini-Teams, in Konzernen sind Stäbe mit über 100 Mitarbeitern am Werk. So bei der Deutschen Bahn AG in Berlin, wo neben Betriebswirten auch Bau- und Verkehrsingenieure, Informatiker und Juristen gebraucht werden. Oder bei der Commerzbank, wo die Banker vom Immobilien- über das Kreditgeschäft bis zum Investmentbanking die Geldströme verfolgen.

"Als Faustregel gilt", so Frank Haub, Geschäftsführer des Seminaranbieters Haub+Partner in Hamburg, pro 1 000 Mitarbeiter gibt es bei Banken zehn Prüfer, bei Unternehmen anderer Branchen einen Revisor." Allen gleich war in den vergangenen Jahren eine Veränderung des Selbstverständnisses: vom Zahlenkontrolleur zum Ratgeber - oder change agent.

"Der entscheidende Nutzen liegt nicht in der Feststellung von Mängeln, sondern in der Umsetzung dessen, was der Revisor empfiehlt", sagt Professor Dr. Martin Richter, der an der Universität Potsdam Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung lehrt. "Es darf nicht mehr nur mit dem spitzen Stift gerechnet werden", fordert der Hochschullehrer, der selbst 30 Jahre Berufspraxis als Revisor nachweisen kann, "nicht zuletzt, weil heute die Maßstäbe unschärfer sind. Zwar ist zwei plus zwei immer noch vier, doch Personalberurteilung und Risikomanagement sind weniger eindeutig zu bewerten als Zahlenkolonnen."

Soll etwa ein Unternehmen gekauft werden, müssen die Revisoren nicht nur feststellen, ob die Firma ordnungsgemäß geführt wird, sie müssen auch einschätzen, ob sie Zukunft hat. Da zählt nicht nur das wirtschaftliche Ergebnis - wie etwa aus der Sichtweise der Controller - , auch die Anpassungsfähigkeit an die eigenen Regeln wird geprüft.

Perspektivisches Denken ist denn auch ebenso wichtig wie der Umgang mit den Geprüften. "Ein positives Menschenbild geht vielen Revisoren ab", moniert Richter. "Fehler, wenn sie nicht von krimineller Energie zeugen, müssen möglich sein, eine Null-Fehler-Toleranz verhindert Innovation."

Solch ein Umdenken will auch das IIR fördern. Neben Seminaren zu Fachthemen werden Verhaltens- und Verhandlungstrainings angeboten. Weiterbildung ist schon deshalb geboten, weil Revisor kein geschützter Beruf ist.

Lediglich hinter dem amerikanischen Certified Internal Auditor, der weltweit anerkannt ist und auch beim IIR in Deutschland erworben werden kann, stecken nachvollziehbare Qualifikationen: Studium, persönliche Referenz und das Unterschreiben eines Ethikkodexes sind die Voraussetzung für das vierteilige Examen, bei dem - ganz wie beim verwandten Wirtschaftsprüferexamen - Durchfallquoten von 60 Prozent normal sind. In diesem Mai versuchen sich 150 mutige Kandidaten.

Mit geschätzten 25 000 - 50 000 Revisoren in Deutschland gibt es zwar nicht gerade viele Stellen zu besetzen, wer aber in einer Revisionsabteilung besteht, kann Karriere machen. "Bei uns haben wir Beispiele bis in die Geschäftsführerebene", sagt Deutsche-Bahn-Chefrevisor Josef Bähr. Seine Abteilung wurde aufgestockt, weil "besondere Aufgaben", so die freundliche Umschreibung für Korruptionsbekämpfung, ein Schwerpunkt sind.

Und in diesem heiklen Feld braucht man eben eine starke Truppe. Immerhin, das ergab eine Studie der Association of Certified Fraud Examiners in Austin, kommen bisher Unterschlagungen und ähnliche kriminelle Aktivitäten zu 56 Prozent über Hinweise von Mitarbeitern an den Tag und nicht bei Routineprüfungen.

Deutsches Institut für Interne Revision
Ohmstraße 59
60486 Frankfurt/M.
Tel. 0 69/7 13 76 90
Fax 0 69/7 137 69 69
www.iir-ev.de

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