Männer und Frauen werden aggressiver
Fernsehen fördert Hang zur Gewalt

Mehr als eine Stunde Fernsehen am Tag fördert bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einer neuen Studie zufolge auf Dauer einen Hang zu gewalttätigem Verhalten.

dpa WASHINGTON. Jeffrey Johnson und Kollegen von der Columbia Universität in New York beobachteten Jugendliche aus 707 Familien über einen Zeitraum von 17 Jahren und stellten fest, dass mit der vor dem Fernsehgerät verbrachten Zeit auch die aggressiven Ausschreitungen zunahmen.

Das gilt vor allem für junge Männer, aber auch für erwachsene Frauen, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" vom Freitag. Dieser Zusammenhang war unabhängig von anderen Faktoren wie elterlicher Vernachlässigung im Kindesalter, Familieneinkommen und-stand sowie psychologischen und psychiatrischen Störungen nachweisbar, schreiben die Autoren.

Ein Begleitkommentar von "Science" verweist darauf, dass sich Experten schon seit 1946, nach der Ausstrahlung der ersten Programme, über den negativen Effekt von Fernsehgewalt sorgen. Inzwischen sehen viele wichtige US-Organe wie die Amerikanische Akademie der Kinderärzte, die Ärztegesellschaft (AMA) sowie die Psychologen- und Psychiaterverbände "überwältigende" Beweise für die Erziehung zur Gewalt durch gewalttätige Fernsehprogramme.

"Trotz der Übereinstimmung zwischen den Experten ist die Erkenntnis noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen", klagen die Psychologen Craig Anderson und Brad Bushman von der Staatlichen Universität Iowas in dem "Science"-Kommentar. Der negative Einfluss von Fernsehgewalt auf jüngere Kinder sei unmissverständlicher nachgewiesen als zum Beispiel der Nachteil von Kalziummangel für die Knochendichte oder die Gefährdung der geistigen Entwicklung durch Blei.

Die jüngste Studie von Johnson und Kollegen zeigt als erste auf, dass nicht nur Kinder durch TV-Gewalt aggressiv werden, sondern auch noch Jugendliche und junge Erwachsene. Durch die große Anzahl von Teilnehmern und die Dauer der Untersuchung gelang es außerdem, nicht nur die Tendenz zur Aggressivität aufzuzeigen, sondern in einigen Fällen sogar schwerwiegende Auswüchse wie Körperverletzung und Raubüberfälle.

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