Märkte reagieren enttäuscht
US-Notenbank senkt Leitzins um 0,25 Prozent

Die US-Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen zum sechsten Mal in diesem Jahr gesenkt und weitere Handlungsbereitschaft signalisiert, weil sie eine zusätzliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA befürchtet.

rtr/afp/dpa WASHINGTON. Wie die Währungshüter des Dollar mitteilten, verminderte der Offenmarktausschuss der Fed den maßgeblichen Zinssatz für Interbanken-Geldgeschäfte am Mittwoch in Washington von 4,0 auf 3,75 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit April 1994. Die Notenbank will der flauen US-Konjunktur damit einen neuen Wachstumsimpuls geben.

Die Märkte reagierten enttäuscht. Der Dow Jones ging nach einem leichtem Anstieg in Erwartung der Entscheidung sofort um mehr als 20 Punkte nach unten. Auch die Hochtechnologiebörse Nasdaq drehten ins Minus; anschließend kletterte der Nasdaq aber wieder leicht ins Plus. Börsenhändler hatten auf eine Senkung um einen halben Prozentpunkt gehofft.

Schwacher Konsum in den USA, nachlassendes Wachstum im Ausland sowie rückläufige Unternehmensgewinne und Investitionen belasteten die Konjunktur, erklärte die Fed. Nach Ansicht von Analysten hat sich die Notenbank mit dieser Entscheidung die Möglichkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik offen gehalten. Euro und Aktienmärkte reagierten kaum auf die Entscheidung.

Die Notenbank machte deutlich, dass sie eine weitere Konjunkturabkühlung als ernstere Bedrohung ansieht als einen möglichen Anstieg der Inflation. "Der Ausschuss glaubt weiterhin, ...dass in der absehbaren Zukunft die Risiken einer wirtschaftlichen Schwäche überwiegen", erklärten die Währungshüter um Fed-Chef Alan Greenspan in ihrer ungewöhnlich kurzen Stellungnahme. Analysten hatten einhellig eine weitere Zinssenkung erwartet, waren jedoch uneins gewesen, ob der für die Geldpolitik zuständige Offenmarkt-Ausschuss (FOMC) der Fed einen Schritt von 25 oder 50 Basispunkten beschließen werde.

Dana Johnson von Banc One Capital Markets in Chicago interpretierte die Entscheidung mit den Worten: "Die Fed ist noch nicht bereit, ihren Zinssenkungszyklus zu beenden...damit lässt sie die Tür ziemlich weit offen für eine erneute Zinssenkung." Die Fed kündigte diesmal keine "genaue Beobachtung" der Wirtschaft an - Analysten sahen dies als ein Signal, dass die Währungshüter keine Zinssenkung vor ihrem nächsten turnusmäßigen Treffen am 21. August erwägen.

Die Fed begründete nicht, warum sie die Zinsen lediglich um 25 und nicht um 50 Basispunkte senkte. Einige Analysten deuteten dies als Hinweis auf Uneinigkeit innerhalb des FOMC. "Die Sprache der Erklärung riecht nach Kompromiss", sagte David Orr von First Union in Charlotte. "Sie enthält nicht einmal annähernd die umfassende Begründung, die frühere Erklärungen hatten."

Den eher symbolischen Diskontsatz reduzierte die Notenbank ebenfalls um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent. Führende Geschäftsbanken senkten die Kreditzinsen für ihre besten Kunden in Folge des Fed-Entscheids ebenfalls um 25 Basispunkte auf 6,75 Prozent. Zuletzt hatte die Fed die Leitzinsen bei der turnusmäßigen FOMC-Sitzung am 15. Mai von 4,5 auf 4,0 Prozent gesenkt. Bei den vorherigen fünf Zinsschritten in diesem Jahr hatte die Fed den Zielsatz für Tagesgeld jeweils um 50 Basispunkte zurückgenommen. Damit ist der Leitzins seit Jahresbeginn um 2,75 Prozentpunkte gefallen.

Einige Analysten werteten die Entscheidung als Hinweis darauf, dass die Fed gegen Ende des Jahres eine Erholung für möglich hält. "Es ist interessant, dass sie die Zinsen nicht so stark gesenkt haben. Das bedeutet, dass die Fed zuversichtlicher ist, dass es gegen Jahresende eine Erholung geben wird", sagte John Stiles von IdeaGlobal.com in New York. Die Fed sei sich zudem bewusst, dass sie es bei den Zinssenkungen nicht übertreiben dürfe, um Inflationsbefürchtungen an den Finanzmärkten nicht unnötig anzuheizen.

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