"Märkte sind aus technischer Sicht angezählt"
Dax gibt im Sog von Bayer- und Telekom-Aktien nach

Erneute Kursverluste bei den Titeln von Bayer und der Telekom haben den deutschen Aktienindex (Dax) am Donnerstag weiter belastet. Händler verwiesen zudem auf negative US-Börsenvorgaben und dem am Mittwochabend in den USA veröffentlichten Konjunkturbericht "Beige Book" der US-Notenbank Fed, der ein pessimistisches Bild der US-Konjunktur gezeichnet hatte.

rtr FRANKFURT. "Die Befürchtung ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass der Markt seine Tiefstände wieder antesten kann", sagte Constantin Rerras, Fondsmanager bei Helaba Invest in Frankfurt. "Was jetzt ganz mies aussieht ist die Markttechnik. Wir sind unter die Marke von 5600 Punkten im Dax gerutscht, das war eine wichtige Unterstützung. Aus technischer Sicht sind die Märkte wirklich angezählt."

Der Dax lag am Mittag mehr als ein Prozent tiefer bei 5549 Punkten und damit noch rund 200 Zähler von seinem im März erreichten Jahrestief entfernt. Ende Januar hatte der Index sein bisheriges Hoch bei 6795 Zählern erreicht und liegt davon nun mehr als 18 % entfernt. Am Mittwoch hatten Chart-Techniker darauf hingewiesen, dass der Markt sich einer überverkauften Situation nähere und dass sowohl in den USA als auch in Deutschland noch keine Kaufsignale anzeigt werden. Am Neuen Markt rutschten die Indizes ebenfalls ab. Hier gab der Nemax-All-Share Index um mehr als 1,7 % auf 1179 Zähler und der Nemax-50 um mehr als 2,2 % auf 1125 Punkte nach.

Bayer weiter auf Talfahrt

Im Dax fielen Bayer um 3,6 % auf 36,01 ?, nachdem sie bereits am Mittwoch nach einer Gewinnwarnung und der Ankündigung des Vermarktungsstopps für ein Medikament um 17 % eingebrochen waren. Der Chemie- und Pharmakonzern hatte am Mittwochmorgen einen deutlicheren Gewinnrückgang im Quartal als von Analysten vorhergesagt mitgeteilt. "Die Zahlen sind schlechter als erwartet. Die Pharmasparte bietet anscheinend kaum noch Potenzial", sagte ein Börsianer. "Es ist abzuwarten, wie die Restrukturierungspläne für BASF aussehen. Es muss viel getan werden, vor allem, um den Pharmabereich auf Vordermann zu bringen." Derzeit habe die Aktie aber wohl ihren Boden gefunden. "Ich denke nicht, dass die Titel nachhaltig unter 35 ? rutschen werden."

Telekom auf Drei-Jahres-Tief

Die Aktien der Telekom gaben um 2,8 % auf 20,66 ? und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren nach. Börsianer führten dies auf Befürchtungen unter Investoren zurück, dass weitere Aktienpakete der Telekom, unter anderem von ehemaligen Voicestream-Aktionären, an den Markt gebracht werden könnten. Am Dienstag hatte bereits die Deutsche Bank mehr als 40 Mill. T-Aktien am Markt platziert, sich aber nicht zur Identität des Verkäufers äußern wollen. In den vergangenen zwei Tagen hat die Aktie mehr als elf Prozent verloren. "Das ist ein Desaster. Wenn man dem Glauben schenken kann, dass in den nächsten Tagen noch weitere Tranchen auf den Markt kommen, dann ist das Papier weiter rückschlaggefährdet", sagte Fondsmanager Rerras. Es liege die zudem die Vermutung nahe, dass Hedgefonds den Wert mit Leerverkäufen belasteten.

Gegen den Trend stemmten sich die Titel der Commerzbank mit einem Plus von mehr als 3,5 % auf 27,08 ?. Die Bank hatte am Morgen ein leicht unter Analystenerwartungen liegendes Ergebnis veröffentlicht. Händler sagten, es gebe Spekulationen am Markt, wonach die Cobra-Investorengruppe zusammen mit anderen, bislang unbekannten Anlegern inzwischen rund 25 % der Aktien der Bank halten.

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